Projekt Eisop.org (2009-2021)
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Seit 2021 hat sich das Tätigkeitsfeld auf die Wohnungslosen_Stiftung - Selbstvertretung und Empowerment auf Augenhöhe verlagert. Schaut dort einfach mal vorbei.
Im Bedarfsfall - etwa für neue Projekte und Vorhaben - könnte das Institut jederzeit wieder aktiviert werden. Vielen Dank für Deine Aufmerksamkeit. +++++ Aktueller Hinweis Ende +++++
Herzlich willkommen auf der Homepage vom Europa-Institut für Sozialwissenschaften und Partizipation (EISOP). Das EISOP ist ein gemeinnütziges non-profit Institut mit Sitz in Berlin.
Der Name ist Programm. Es geht uns um eine sozialpolitische und sozialwissenschaftliche Betrachtung und Analyse gegenwärtiger Entwicklungen und ihre konkreten Konsequenzen für die Menschen und ihre Lebenswirklichkeit. Wir bleiben aber nicht im Abstrakten stehen und führen keine Studien um ihrer selbst willen durch und entwickeln keine Thesen im Elfenbeinturm. Das direkte und parteiliche Engagement für und vor allem mit Menschen, die arm, wohnungslos, arbeitslos, diskriminiert und ausgegrenzt werden, ist zentraler Bestandteil unserer Arbeit.
Theoretisch wie praktisch befassen wir uns mit Strukturen der Selbsthilfe, Selbstorganisation, Partizipation und des Empowerment. Der Sitz dieses Instituts ist Berlin, aber unsere Arbeit könnte überall stattfinden. Wir haben an uns selbst den Anspruch, eine Europäische Perspektive zu entwickeln und sind mit zahlreichen Korrespondentinnen und Partnern in ganz Europa und darüber hinaus verbunden. Wir verbinden Konzepte, Theorien und Methoden aus den Sozialwissenschaften mit konkreten gewaltfreien Aktionen und haben keine Berührungsängste. Wir sind demokratisch, basisorientiert, transparent & parteilich für Arme, Benachteiligte und Ausgegrenzte. Wir sind das EISOP, das Europa-Institut für Sozialwissenschaften & Partizipation.
Für Hinweise, Anregungen, Kritik und Rückmeldungen sind wir jederzeit dankbar. Sie können gerne mit uns Kontakt aufnehmen. Danke!
Dr. Stefan Schneider
Wissen ist Macht. Wir teilen unser Wissen gerne mit anderen zu folgenden Spielregeln: Die Inhalte auf dieser Seite vom Europa-Institut für Sozialwissenschaften & Partizipation von Dr. Stefan Schneider stehen unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
Bericht von der Teilnahme am 3. Sozialforum in Deutschland 2009 in Hitzacker/ Wendland
0. Das Projekt
In der Zeit von 15. - 18. Oktober 2009 fand in Hitzacker, Wendland das 3. Sozialforum in Deutschland unter dem Titel "Eine andere Welt ist möglich" statt. Eine Gruppe von wohnungslosen, armen und Hartz IV-beziehenden Menschen aus Berlin, die im Umfeld der AG Leben mit Obdachlosen und der Plattengruppe Köpenick im Diakonischen Werk und anderen Projekten und Kampagnen aktiv ist, hat daran teilgenommen. Die Ziele des Projekts bestanden darin,
- Menschen, die aufgrund ihrer Armut nicht zum Sozialforum in Deutschland kommen könnten, die Teilnahme und die aktive Mitgestaltung und einen Austausch mit anderen Gruppen aus dem deutschsprachigen Raum zu ermöglichen,
- das Gemeinschaftsgefühl der GruppenteilnehmerInnen stärken und Verantwortlichkeiten herstellen,
- die Motivation der Teilnehmer durch konkrete Aufgaben und Zuständigkeiten zu stärken (Einkauf, Versorgung, Vorbereitung Forum, Diskussionsbeiträge, usw.),
- dieses Projekt in geeigneter Form zu dokumentieren (Text, Bilder, Interviews, Kommentare, Projektbericht),
- Menschen und Organisationen aus anderen Bundesländern kennen zu lernen, Sichtweisen austauschen, Kontakte herzustellen.
- gemeinsame Strategien zur Bearbeitung des weltweiten Problems Wohnungslosigkeit, Wohnungsnot und Armut zu entwickeln,
- die Teilnahme am Europäischen Sozialforum im Herbst 2010 in Istanbul zu verabreden und vorzubereiten.
1. Vorbereitung
Auf einer Vorbereitungsreise im Mai 2009 konnte ich bereits die Frage der Unterbringung im Gemeindehaus der Evangelisch-lutheranischen St. Johannis Gemeinde in Hitzacker absprechen, den Veranstaltungsort kennen lernen sowie an den Debatten eines Vorbereitungstreffens in Hannover teilnahmen.
Nach der Förderzusage durch die Berliner Stiiftung Menschenwürde und Arbeitswelt im September 2009 konnte die Werbung für das Projekt intensiviert werden. Dazu gehörte die Vorstellung des Projekts auf der September-Sitzung der AG Leben mit Obdachlosen und Hinweise per email.
Sehr schnelle Rückmeldungen gab es von 2 Menschen, die im Umfeld der Hartz IV Proteste / Kampagne gegen Zwangsumzüge aktiv sind. Die Plattengruppe Köpenick signalisierte ebenfalls Interesse, dort gab es ein erstes Vorbereitungsgespräch mit dem Leiter, der dieses Projekt ebenfalls nochmals auf der Hausversammlung ansprach und zurückmeldete, dass wenigstens 4 aus der Gruppe teilnehmen wollten. Bei einem zweiten Vorbereitungsgespräch mit den interessierten wohnungslosen Menschen der Platttengruppe gab es 6 Teilnehmer, so dass damit die maximale Teilnehmeranzahl erreicht war. Besprochen worden sind Einzelheiten der Planung und des Programms.
Ein thematischer Workshop mit dem Arbeitstitel Armut und Wohnungslosigkeit per Gesetz und dem Text "Die Zumuntungen der JobCenter und der Hartz IV Gesetze, Armut, Zwangsumzüge, Obdachlosigkeit, Vertreitung aus der Innenstadt. Schwarzarbeit, Betteln, Straßenzeitungsverkauf, Straßenmusik und Pfandflaschensammeln als Überlebensstrategie? Formen und Möglichkeiten von Protest, Widerstand, Wiederaneignung des öffentlichen Raums, Sozialprotest, selbstbestimmtes Leben. Aufstellung von Forderungen für die Schlußresulution des Sozialforums." wurde von mir für den Samstag angemeldet. Damit wollte ich ein Forum, ein Rahmen schaffen, die es der Gruppe ermöglichen könnte, sich selbst mit eigenen Anliegen einzubringen und so ein eigenes Thema zu setzen.
2. Erster Tag
Der Tag bekann mit dem Abholen des Mietwagens und dem Einkauf von Getränken. Die Teilnehmer wurden in Köpenick (Plattengruppe) sowie in Neuköln und Kreuzberg abgeholt. Die Fahrt nach Hitzacker erfolgte über die Elbfähre bei Lenzen, um der Gruppe eine Vorstellung von der geografischen Lage des Wendlands zu vermitteln.
Vor Ort in Hitzacker war Simon Kramer, Pfarrer der Ev. St. Johannes Kirchengemeinde von Hitzckaer anwesend und wies die Gruppe in den Raum im Gemeindehaus ein, der für die Übernachtung der Gruppe gedacht war. Für die einzige Teilnehmerin der Gruppe konnte ein separater Übernachtungsraum organisiert werden. Es erfolgte die Auszahlung des Tagesgelds für die Teilnehmer. Ein Teil der Gruppe ging einkaufen, abends wurde in der Küche des Gemeindehauses gekocht und gemeinsam zu Abend gegessen. Während ein Teil der Teilnehmer die Eröffnungsveranstaltung im doch entfernt gelegenen Verdo besuchen wollte, zog ein anderer Teil es vor, zunächst Hitzacker zu erkunden.
Markant an der doch spärlich besuchtenEröffnungsveranstaltung war das Referat von Frigga Hauf, die die konsequente Aufteilung der vorhandenen Arbeit forderte und eine Vision einer Gesellschaft skizierte, in der alle am gesellschaftlichen Leben partizipieren würden – durch Arbeit und durch die Teilhabe an den durch Arbeit hergestellten Produkten. Das Referat mit dem Titel "Ein gutes Leben. Teilzeitarbeit für alle – eine zeitgemäße Unterwanderung gewohnter Vorstellungen und eingerosteter Identitäten." ist im Internet dokumentiert.
Der späte Abend wurde im Gemeindehaus von der Gruppe durch zahlreiche intensive und z.T. auch sehr persönliche Gespräche zum besseren Kennen lernen genutzt.
3. Zweiter Tag
Die Ev. St. Johannes Kirchengemeinde organisierte an allen Tagen des Sozialforums ein Frühstück für TeilnehmerInnen. Damit konnte auch unsere Gruppe gut versorgt werden. Nach dem Frühstück besuchte der überwiegende Teil der Gruppe die Diskussionsveranstaltung "Wir zahlen nicht fur Eure Krise". Auch der Teilnehmerbeitrag wurde im Büro des Sozialforum entrichtet. Nach der ersten Programmeinheit teilte sich die Gruppe auf verschiedene Veranstaltungen des späten Vermittags auf. Mittagessen wurde von einer Volksküche auf dem Gelände der Freien Schule organisert.
Für Nachmittags gab es das Angebot, das Projekt Wildkräutergarten in Lebbien bei Dannenberg zu besuchen. Wider erwarten wollte die gesamte Gruppe mit dabei sein. Christina Schuster begrüßte die Gruppe und führte durch ihren Wildrkäutergarten, erklärte dabei ausführlich die Geschichte der Kräuter und gab der Gruppe unterschiedlichste Kräuter zum Verkosten und erklärte die jeweilige Bedeutung. Anschließend gab es im Warmen bei Tee, Kaffee und Kuchen noch ein ausführliches Gespräch über ökologische Landwirtschaft sowie Milchanbau.
Anschließend fuhr die Gruppe zurück zu den Sozialforums – Veranstaltungen des späten Nachmittags. Ein großer Teil der Gruppe besuchte die Aufführung von Brita Kärner und Hansi Buchenau: "Hansi und die Königin der Nacht. Zwei Obdachlose machen Hausmusik." Entgegen der ersten Erwartung aufgrund der Ankündigung handelte es sich hierbei nicht um obdachlose, sondern um ein Künstlerduo aus dem Wendland, das mit einem roten Faden verbundene Lieder rund um Armut, Elend, Obdachlosigkeit und Ausbeutung vortrag. Nach dem Konzert gab es die Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch mit den Künstlern, die anboten, in Berlin gegen Erstattung der Benzinkosten kostenlos aufzutreten.
Abends wurde wieder gemeinsam eingekauft, im Gemeindehaus gekocht und zu abend gegessen. Die Teilnehmer waren sichtlich erschöpft von dem Programmtag. Es folgte nach dem Essen eine erste Vorbesprechung für den von uns angemeldeten Workshop. Am späten Abend um 22:00 Uhr gab es noch in der gegenüberliegenden Kirche eine Veranstaltung mit Bildimpressionen von der Elbe und Erläuterungen zum Elbausbau, der das Naturschutzgebiet Elbtal massiv und nachhaltig bedrohen würde und ohnehin nicht wirtschaftlich sei. Dem Vortrag folgte eine Diskussion. Auch diese Veranstaltung wurde von einem großen Teil der Gruppe besucht. Spät am Abend um Mitternacht werden im Gemeindehaus die intensiven Gruppengespräche fortgeführt.
4. Dritter Tag
Der Tag begann mit einem Frühstück im Gemeindehaus. Anschließend traf sich die Gruppe und diskutierte den Workshop Armut und Wohnungslosigkeit per Gesetz, den sie bestreiten wollte. Dabei war zum einen klar, dass alle Mitglieder der Gruppe an diesem Workshop teilnehmen sollten, dass es aber keine Verpflichtung geben sollte, sich zu Wort zu melden. Entsprechend den Erfahrungen aus den Diskussionsrunden vom Vortag sollten aber alle Gruppenteilnehmer die Möglichkeit haben, sich zu Wort zu melden und eigene Erfahrungen und Sichtweisen einzubringen. Ein regelrechter Streit entwickelte sich über die Frage, ob mit dem Workshop konkrete Ziele erreicht werden müssen. Während aus der Gruppe von einer Person diese Ansicht vehement vertreten wurde ("Wir müssen vorher festlegen, was das Ergebnis sein soll und darauf hinarbeiten!") vertrat die Mehrheit der Gruppe die Ansicht, dass der Workshop grundsätzlich ergebnisoffen sein soll und dass sich aus der Situation und der Diskussion heraus eine eigene Dynamik ergeben würde, die zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht vorhersehbar sei. 
Auch war nach den Erfahrungen des Vortages nicht klar, wie viele Menschen tatsächlich zum Workshop kommen würden, da es sehr große und sehr kleine Veranstaltungen gab. Gegen eine große Beteiligung spricht, dass die St. Johannis Kirche kein sehr herausragender Veranstaltungsort des Sozialforums ist, da die meisten Veranstaltungen sich auf das Verdo bzw. auf die Freie Schule Hitzacker konzentrierten.
5. Der Workshop - Kurzprotokoll
Vom Workshop ist noch am selben Tag ein Protokoll erstellt und über den email-Verteiler des Sozialforums verbreitet worden. Es gab noch zwei Ergäzungen durch die Teilnehmer.
Hartz IV: Armut und Wohnungslosigkeit per Gesetz,
Datum: Samstag, 17.10.2009,
Zeit: 11:30 – 13:10 Uhr;
Ort; St. Johannis-Kirche, Hitzacker
Thema: Hartz IV: Armut und Wohnungslosigkeit per Gesetz. Protest und Widerstand.
Teilnehmer: etwa 30 Menschen, weitgehend Hartz IV betroffen, darunter Teilnehmer der
Plattengruppe Köpenick, Initiative gegen Zwangsumzüge
Moderation/ Protokoll: Dr. Stefan Schneider
Einstiegsfrage: Mit der Perspektive: Ein andere Welt ist möglich, ist Armut dann nur eine Frage des Geldes oder welche Dimensionen hat die Armut?
In der Diskussion wird genannt: Armut geht oft einher mit Perspektivlosigkeit, gesellschaftliche Teilhabe ist schwierig, weil Geld fehlt. Die Diskussion focussiert sich um sehr praktische Fragestellungen der DiskussionsteilnehmerInnen. Wer Hartz IV bekommt, bekommt häufig dazu ein Wohnungsproblem, da Wohngröße bzw. die maximalen Wohnkosten festgelegt ist. Mit einher geht die Residenzpflicht, d.h. die Verfügbarkeit gegenüber dem "Arbeitsmarkt". In der direkten Auseinandersetzung mit den Behörden und dem System fühlen sich die Arbeitslosengeldbezieher schnell als Menschen Dritter Klasse. Die Tatsache, dass immer weniger (beazahlte) Arbeit vorhanden ist, gehört zu den weiteren Ursachen der Verarmung breiter Schichten der Bevölkerung. Bei dem Versuch, Forderungen innerhalb des Sozialforum aufzustellen, wird von den TeilnehmerInnen genannt:
- Ein Grundeinkommen würde helfen, aus der Bevormundung durch Ämter und Gesetze herauszukommen.
- Mindestens aber – und möglicherweise auch unanhängig davon - sollten bedarfsorientierte Leistungen für besondere Lebenssituation hinzutreten.
- Die Forderung nach einem Recht auf Arbeit in Form eines Rechts auf einen Arbeitsplatz trifft auf erheblichen Widerstand, da dies sehr schnell in eine Arbeitspflicht umschlagen könnte. Allerdings war dieser Vorschlag – alle sollen einen Arbeitsplatz "beantragen", auch nur als symbolische Aktion gemeint.
- Ein würdevolles Leben führen zu können, ist für die Arbeitenden nur mit einem Mindestlohn möglich, im Hartz IV Bereich ist es erforderlich, einen höheren Regelsatz einzufordern, denn der gegenwärtige reicht bei weitem nicht aus.
- Hinzutreten kann die Idee der Selbstorganisation der Armen und Hartz IV-Beziehenden. Dafür wäre das Internet unter anderem ein geeignetes Mittel. Selbsthilfegruppen können überall gebildet werden.
- Es gibt in einzelnen Parteien durchaus BündnispartnerInnen.
- Auch auf die Verwaltung der JobCenter kann Einfluß genommen werden. Bislang sind beispielsweise kaum Erwerbslose in den Beiräten der JobCenter vertreten.
- Gefordert werden keine weitere Kürzungen und keine weiteren Sanktionen nach § 31 SGB II – dazu gibt es gegenwärtig auch eine Petition (www.sanktionsmoratorium.de).
- Die Ergebnisse dieses Workshops sollen innerhalb des Sozialforums bekannt gemacht werden.
- Keine Kriminalisierung der Menschen,, die sich gegen Hartz IV und Ausgrenzung einsetzen
- Arme Menschen sollten sich nicht gegenseitig – z.B. an den Tafeln – bekriegen,
- Keine Zwangsarbeit
- Recht auf Wohnen
Das Protokoll dieses Workshops soll Bestand der Ergebnisse des Sozialforums sein. Hingewiesen wird auf das Europäische Sozialforum ESF in Instanbul 2010 (Juni/Juli), wo diese Diskussion auf europäischer Ebene weiter geführt werden kann. (sfid.info/e_sf/2010.esf.00/index.html)
6. Dritter Tag - Fortsetzung
Der Workshop wurde sehr pünktlich beendet, um den TeilnehmerInnen die Teilnahme an der Demonstration zu geben. Die Gruppe selbst beschloß eine kurze Mittagspause einzulegen, um sich vom Streß des Workshops und seiner Vorbereitung zu erholen. Für den Mittag war eine Demonstration der Sozialforumsteilnehmer geplant, die am Verdo begann, durch die Stadt Hitzacker führen und an den Deichwiesen mit einer Abschlußkundgebung zu Ende gehen würde. Von unserem Standort konnte wir mit wenigen Schritten die Innenstadt von Hitzacker erreichen und uns noch kurz in die Demonstration einreihen.
Etwa parallel dazu waren wir mit Klaus Hoffmann, dem Leiter des Museums Hitzacker am Museum verabredet. Bereits auf der Veranstaltung am Abend zuvor hatten wir etwas über die Problematik des Elbeausbaus im Rahmen des Verkehrsprojekts 18 erfahren. Durch Buhnen soll die Elbe tiefer und reissender gemacht werden und somit günstiger befahrbar für die Berufsschifffahrt. Nur ändert auch dieses Ausbauprojekt nichts daran, dass die Elbe an vielen Tagen im Jahr Niedrigwasser hat und dann völlig oder teilweise für die Schifffahrt gesperrt ist. Auch gibt es nicht mehr den Bedarf, Güter auf der Elbe zu transportieren, da die Standorte nicht mehr exisitieren oder massiv an Bedeutung verloren haben. Damit ist die Sinnhaftigkeit des gesamten Verkehrsprojekts in Frage gestellt. Schon jetzt werden die bestehenden Buhnen repariert, und die Reparatur hat dabei eher den Charakter einer Neuanlage von Buhnen. Wie die Flußökologie sich durch derartige Einrgriffe verändert, konnten wir sehr eindrücklich an einem Flußmodell im Museumshof studieren. Die breite Flußlandschaft mit ihren Nebenarmen und wandernden Dünen geht verloren zu Gunsten einer tiefen Rinne. Durch die zunehmende Austrocknung an den Randzonen und den Nebenarmen wird der gesamte Naturraum beidseits der Elbe bedroht. 
Mit dem Sonarboot konnten wir diese Prozesse mit eigenen Augen beobachten. Nördlich von Hitzacker waren die Buhnen"reparaturen" eindrucksvoll zu sehen, während der südliche Bereich der Elbe zwischen Dömitz und Hitzacker noch deutlich ursprünglicher war. In den Seitenarmen konnten wir uns von der Mächtigkeit des Schlicks überzeugen, auf dem Sonarbildschirm die unterschiedlichen Tiefen der Elbe hinter und vor den Buhnen erkennen und selbst die Unterschiede zwischen dem tiefen Fahrwasser und den eher flacheren Bereichen der Elbe mit ihren wandernden Unterwasserdünen ausmachen. Und Hitzacker und seinen Hafen von der Wasserseite aus beobachten.
Später zurück im Museum konnten wir anhand von Karten, die zu unterschiedlichen Zeiten des Jahres gefertigt worden sind, die deutliche Wanderung der Elbdünen erkennen, die bis zu 10 Metern am Tag betragen kann. Auch war anhand von historischer Karten andere Elbverläufe und die verschiedenen Etappen des Deichbaus seit dem 16. Jahrhundert gut erkennbar. Auch das nach dem Elbhochwasser im Jahr 2006 gebaute Sperrwerk wurde in seiner Funktionsweise erklärt.
Nach dieser Elbexkursion wollten viele Teilnehmer der Gruppe noch an den Spätnachmittagsworkshops teilnehmen. Der gemietete Bus der Gruppe funktionierte dabei als Shuttle zwischen den Standorten und es konnten auch andere Sozialformsteilnehmer bei freien Plätzen mitgenommen werden. Anschließend gegen 18:30 Uhr wollte die Gruppe zum Abschluß der Fahrt noch gemeinsam Essen - um Kosten zu sparen und das Budget zu schonen, einigten sich die Teilnehmer darauf, preisgünstig in der Freien Schule am Essen der Volxküche teilzunehmen. Obgleich wenige Vorbehalte äußerten, schmeckte das vegatarische Essen dann doch allen sehr gut.
Nach dem gemeinsamen Abendessen ging es zurück zum Gemeindehaus: Sachen packen, aufräumen, Bus beladen. Zwar hätte es am Sonntag noch eine Abschlussdiskussionsrunde gegeben und am frühen Nachmittag noch eine Verständigungsrunde über die Ergebnisse, aber aus unterschiedlichen Gründen - Termindruck, Heimweh, Taschengeldknappheit usw. - einigte sich Gruppe einstimmig darauf, noch am Samstag abend zurück zu fahren. Gegen 20:30 Uhr begann die Heimreise, und gegen 00:30 Uhr in der Nacht war auch der letzte der Gruppe zu Hause angelangt und alle äußerten sich zufrieden über den Verlauf der Reise und die Teilnahme am 3. Sozialforum in Deutschland.
7. Kritische Punkte
Dennoch sind - bei allen positiven Aspekten - drei Kritikpunkte zu nennen:
Die Geschlechterverteilung der Gruppe war unverhältnismäßig: 8 männliche gegenüber einer weiblichen Teilnehmerin. Das lag zum einen daran, dass die Plattengruppe Köpenick ein reines Männerprojekt ist und von dort aus nach der ersten Anfrage sehr großes Interesse signalisiert wurde. Wäre es besser gewesen, die Gruppe zu quotieren und Plätze bewußt für Frauen freizuhalten? Selbst auf die Gefahr hin, dass diese Plätze dann frei bleiben. Bei einer vergleichbaren Reise sollten von Anfang an verstärkt Frauen angesprochen werden – um wenigstens eine annähernde Geschlechterquotiertung zu erreichen.
Nur einen Workshop durchzuführen vorletzten Tag des Sozialforums ist keine sehr effektive Arbeitsform. Zumal gegen Ende der zweistündigen Diskussion erstmal die Forderungen angesprochen worden sind. Aber es gab keine Zeit mehr, über diese Forderungen zu diskutieren. Deshalb ist es empfehlenswert, in Zukunft zwei Veranstaltungen vorzubereiten und zu planen. An einem Tag ein Forum, in dem die Erfahrungen zusammengetragen und erste Forderungen formuliert werden, und einen Tag später ein zweites Forum, an dem Forderungen diskutiert und abgestimmt werden können mit dem Ziel, anschließend konkrete Verabredungen zu treffen. Dann können auch die Ergebnisse zielführender in die Abschlußrunde eingebracht werden.
Auch waren erkennbar keine anderen Gruppen bzw. Akteure aus dem Bereich Wohnungslosigkeit / Selbsthilfe anwesend. Wie sich nachher zeigte, war eine Gruppe aus Offenburg auf einer zeitgleichen Veranstaltung zum Thema Armut bekämpfen in Kopenhagen. Mit Blick auf das nächste Sozialforum in Deutschland 2011 in Freiburg im Breisgau ergibt sich deshalb die Notwendigkeit, frühzeitiger und nachhaltiger mögliche Projekte, Organisationen bzw. Interessentengruppen aus anderen deutschen Städten und Regionen zu mobilisieren.
8. Resumé und Ausblick
Dieses Projekt wäre nicht möglich gewesen ohne die freundlichen Unterstützung von Christina Schuster von Wildkräutergarten Lebbien, Jürgen Putze-Denz von der Plattengruppe Köpenick, Pastor Simon Kramer von der Ev. St. Johannis Gemeinde in Hitzacker sowie der Förderung durch die Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt in Berlin.
Aus der Hausbewohnerversammlung der Plattengruppe Köpenick wurde von Jürgen Putze-Denz eine durchweg positive Einschätzung gemeldet. Eine erste Diskussion der Ergebnisse fand auf der Sitzung der AG Leben mit Obdachlosen am 11.11.2009 statt. Eine ausführliche Berichterstattung mit Diskussion ist für den Januar 2010 geplant - in Verbindung mit einem Auswertungstreffen mit der Teilnehmergruppe. Dabei sollen auch weitere Perspektiven für Aktionen im Jahr 2010 besprochen werden.
Insgesamt bewerte ich das durchgeführte Projekt ausgesprochen positiv. Zum einen sehe ich mich in meiner Auffassung bestätigt, dass es lohnenswert ist, mit armen und wohnungslosen Menschen durchaus sehr anspruchsvolle inhaltliche Projekte durchzuführen. Zum zweiten zeigen die vielfältigen Aktivitäten der Gruppe – u.a. die aktive Beiteiligung bei Workshops und Diskussionen des Sozialforums, die Teilnahme an Kulturveranstaltungen sowie Exkursionen auf die Elbe (Echolotfahrt) und zum Wildkräutergarten, dass eine Auseinandersetzung mit unterschiedlichsten Themen durchaus erfolgt, wenn denn die Möglichkeit dazu angeboten wird.Und schließlich: Die ersten Diskussionen im Zuge der Auswertung der Fahrt zeigen, dass die Notwendigkeit einer weitergehenden Vernetzung und europaweiten Artikulation durchaus gesehen wird. Nicht nur in Hinblick auf das Europäische Sozialforum 2010 in Istanbul oder das Weltsozialforum 2011 in Dakar, sondern auch in Bezug auf die Notwendigkeit, beispielsweise das Thema wohnungslose MigrantInnen auf der EU – Ebene mit Europapolitikern in Brüssel und anderen Akteuren Europas zu thematisieren.Aber auch die Erfahrung der Teilnehmer, sich selbst artikulieren und mit anderen in einen Dialog eintreten zu können, sowie die geknüpften Kontakte zu anderen Betroffenen und KünsterInnen im Wendland sind m.E. Grund genug, diese Fahrt als Erfolg zu werten.
Berlin, 29.11.2009,
Stefan Schneider
9. Weblinks
- Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt www.labournet.de/stiftungMundA
- 3. Sozialforum in Deutschland sozialforum2009.de
- Ev.-luth. St. Johannis Gemeinde, Hitzacker www.evlka.de/extern/luechow-dannenberg/html/hitzacker.html
- Museum Hitzacker www.museum-hitzacker.de
- Projekt Echolot www.museum-hitzacker.de/345/Projekt_Echolot.html
- Wildkräuter & mehr im Wendland www.wild-kraeuter.de
- Kampagne gegen Zwangsumzüge www.gegen-zwangsumzuege.de
- Plattengruppe Köpenick www.diakonisches-werk-berlin.de/html/22-wohh.html
- Europa-Institut für Sozialwissenschaften & Partizipation www.eisop.org
International Federation of Social Workers IFSW - Neue Definition von Sozialarbeit
Definition1
Soziale Arbeit als Beruf fördert den sozialen Wandel und die Lösung von Problemen in zwischenmenschlichen Beziehungen, und sie befähigt die Menschen, in freier Entscheidung ihr Leben besser zu gestalten. Gestützt auf wissenschaftliche Erkenntnisse über menschliches Verhalten und soziale Systeme greift soziale Arbeit dort ein, wo Menschen mit ihrer Umwelt in Interaktion treten. Grundlagen der Sozialen Arbeit sind die Prinzipien der Menschenrechte und der sozialen Gerechtigkeit.
Kommentar
Professionelle Soziale Arbeit in ihren verschiedenen Formen richtet sich an die vielfältigen und komplexen Beziehungen zwischen Menschen und ihrer Umwelt. Die Aufgabe ist es, Menschen zu befähigen ihre gesamten Möglichkeiten zu entwickeln, ihr Leben zu bereichern und Dysfunktionen vorzubeugen. Professionelle Soziale Arbeit arbeitet schwerpunktmäßig auf Problemlösung und Veränderung hin. Daher sind Sozialarbeiterinnen An- wältlnnen für Veränderung, die dazu dem/der Einzelnen ein Angebot unterbreiten. Professionelle Soziale Arbeit ist ein Netzwerk von Werten, Theorien und Praxis.
Werte
Soziale Arbeit basiert auf humanitären und demokratischen Idealen, und diese Werte resultieren aus dem Respekt vor der Gleichheit und Würde aller Menschen. Seit ihrem Beginn vor einem Jahrhundert hat die professionelle Soziale Arbeit sich auf die menschlichen Bedürfnisse konzentriert und die Entwicklung der Stärken der Menschen vorrangig unterstützt. Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit dienen als Motivation für sozialarbeiterisches Handeln. Professionelle Soziale Arbeit ist bemüht, Armut zu lindern, verletzte ausgestossene und unterdrückte Menschen zu befreien, so wie die Stärken der Menschen zu erkennen und Integration zu fördern. Die Werte von Sozialer Arbeit sind in den "Codes of Ethics" in aller Welt enthalten.
Theorie
Die Arbeitsweise der professionellen Sozialen Arbeit beruht auf einem systemischen Wissen, das sich herleitet aus Forschung und Praxis. Es wird die Kompliziertheit der Beziehungen der Menschen untereinander und ihrer Umwelt erkannt, so wie die Fähigkeit der Menschen davon berührt zu sein, und die Möglichkeit die vielfältigen Einflüsse auf sie zu verändern. Die professionelle Soziale Arbeit bedient sich der Wissenschaften über menschliche Entwicklung, Verhalten und Soziologie, um schwierige Situationen zu analysieren, und um individuelle, organisatorische, soziale und kulturelle Veränderungen zu erleichtern.
Praxis
Professionelle Soziale Arbeit benennt die Grenzen, Ungleichheit und Ungerechtigkeit, die in der Gesellschaft existieren. Sie antwortet auf Krisen und Gefahren ebenso, wie auf alltäglich auftretende persönliche und soziale Probleme. Professionelle Soziale Arbeit verfügt über eine Vielfalt von Methoden und Techniken so wie Handlungsmöglichkeiten, die sich sowohl auf den einzelnen Menschen wie auf die Umwelt konzentrieren. Die Intervention von professioneller Sozialer Arbeit reicht von rein personenbezogenen psychosozialen Prozessen, bis zur Beteiligung an sozialer Gesetzgebung, Planung und Entwicklung. Dies bezieht mit ein, Beratung, klinische Sozialarbeit, Gruppenarbeit, sozialpädagogische Arbeit, Familienberatung und -therapie. Ferner sollen Menschen unterstützt werden, Soziale Dienste in Anspruch zu nehmen. Auch Verwaltungstätigkeiten, so wie soziale Aktionen bedeuten Einmischung, um soziale Gesetzgebung und wirtschaftliche Entwicklung eng miteinander zu verknüpfen. Der Schwerpunkt von professioneller Sozialer Arbeit wird von Land zu Land, von Zeit zu Zeit variieren, dies hängt mit den kulturellen, historischen und sozialwirtschaftlichen Bedingungen zusammen.
Quelle: www.dbsh.de/internationale.pdf
International Federation of Social Workers Definition of Social Work
DEFINITION2
The social work profession promotes social change, problem solving in human relationships and the empowerment and liberation of people to enhance well-being. Utilising theories of human behaviour and social systems, social work intervenes at the points where people interact with their environments. Principles of human rights and social justice are fundamental to social work.
COMMENTARY
Social work in its various forms addresses the multiple, complex transactions between people and their environments. Its mission is to enable all people to develop their full potential, enrich their lives, and prevent dysfunction. Professional social work is focused on problem solving and change. As such, social workers are change agents in society and in the lives of the individuals, families and communities they serve. Social work is an interrelated system of values, theory and practice.
Values
Social work grew out of humanitarian and democratic ideals, and its values are based on respect for the equality, worth, and dignity of all people. Since its beginnings over a century ago, social work practice has focused on meeting human needs and developing human potential. Human rights and social justice serve as the motivation and justification for social work action. In solidarity with those who are dis-advantaged, the profession strives to alleviate poverty and to liberate vulnerable and oppressed people in order to promote social inclusion. Social work values are embodied in the profession’s national and international codes of ethics.
Theory
Social work bases its methodology on a systematic body of evidence-based knowledge derived from research and practice evaluation, including local and indigenous knowledge specific to its context. It recognises the complexity of interactions between human beings and their environment, and the capacity of people both to be affected by and to alter the multiple influences upon them including bio-psychosocial factors. The social work profession draws on theories of human development and behaviour and social systems to analyse complex situations and to facilitate individual, organisational, social and cultural changes.
Practice
Social work addresses the barriers, inequities and injustices that exist in society. It responds to crises and emergencies as well as to everyday personal and social problems. Social work utilises a variety of skills, techniques, and activities consistent with its holistic focus on persons and their environments. Social work interventions range from primarily person-focused psychosocial processes to involvement in social policy, planning and development. These include counselling, clinical social work, group work, social pedagogical work, and family treatment and therapy as well as efforts to help people obtain services and resources in the community. Interventions also include agency administration, community organisation and engaging in social and political action to impact social policy and economic development. The holistic focus of social work is universal, but the priorities of social work practice will vary from country to country and from time to time depending on cultural, historical, and socio-economic conditions.
1Diese internationale Definition von professioneller Sozialer Arbeit ersetzt die IFSW Definition von 1982. Die professionelle Soziale Arbeit des 21. Jahrhunderts wird verstanden als dynamisch und sich weiterentwickelnd, von daher sollte keine Definition als endgültig angesehen werden. Übersetzung des englischen Originaltextes (IFSW Delegates Meeting Montreal 2000) durch Barbara Molderings, DBSH E-mail:
2This international definition of the social work profession replaces the IFSW definition adopted in 1982. It is understood that social work in the 21st century is dynamic and evolving, and therefore no definition should be regarded as exhaustive.
Das Europa-Institut für Soziale Arbeit Berlin e.V. ist ein An-Institut der Alice Salomon Hochschule Berlin.
Unser Motto ist 'Intercultural Networking', d.h. wir wollen Studierende, DozentInnen und ForscherInnen der Sozialen Arbeit in Europa zusammenbringen.
Weitere Informationen zu unserer Arbeit finden Sie unter www.socialeurope.de
Mitarbeit beim EISOP
Mitarbeiten beim Europa-Institut für Sozialwissenschaften & Partizipation kann grundsätzlich jede und jeder. Aber Achtung: Finanzierte Vollzeitarbeitsplätze sind bei uns die Ausnahme.
Wir sind offen für folgende Möglichkeiten der Mitarbeit:
- Ehrenamtliche Tätigkeit (EA)
- "Arbeit statt Strafe" / Freie Tätigkeit (AsS)
- Mehraufwandentschädigungs-Jobs (MAE)
- weitere geförderte Arbeitsmöglichkeiten in Kooperation mit den JobCentern nach individueller Absprache
- Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ)
- Europäisches Freiwilligenjahr / European Voluntary Service (EVS)
- Internationale work - camps / International work camps in Kooparation mit dem Internationalen Bauorden (IBO) oder dem Service Civil International (SCI)
- Zivildienst (ZDL)
Außerdem bieten wir die Möglichkeit, Praktika (z.B. Schulpraktika und Praktika während einer Berufsausbildung) in folgenden Bereichen zu absolvieren
- Geschäftsstelle/ Institutsleitung
- Projekte
- Forschung
- Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising
- Bürokommunikation und Verwaltung.
Allen Studierenden der Sozialen Arbeit, Sozialpädagogik und Sozialarbeit sowie der Heilerziehungspflege teilen wir mit, dass unsere Funktion als anerkannte Praktikumsstelle für Sozialarbeit, Sozialpädgogik und Heilerziehungspflege (auch: Anerkennungsjahr) im Moment ruht, aber auf Anfrage kurzfristig reaktiviert werden kann.
InteressentInnen für eine ehrenamtliche Mitarbeit oder ein Praktikum wenden sich bitte an die Geschäftsstelle
(
Was einE Praktikant_in bei EISOP alles wissen sollte
Vorbemerkung. Wenn Du Dich für ein Praktikum beim Europainstitut für Sozialwissenschaften & Partizipation (EISOP) bewirbst, gehen wir davon aus, dass Du genau weißt, was Du tust. Wir sind eine Institut, das in der Praxis mit armen und wohnungslosen Menschen zusammen arbeitet, und wer bei uns mitarbeiten möchte, sollte sich darüber im klaren sein, dass die direkte Auseinandersetzung, das Gespräch, der Kontakt und die Zusammenarbeit mit armen und wohnungslosen Menschen eine wichtige Voraussetzung ist, um erfolgreich ein Praktikum leisten zu können. Und der Selbsthilfecharakter von EISOP bezieht sich auch auf PraktikantInnen in dem Sinne, dass eine große Selbständigkeit vor Dir erwartet wird.
1) Zuerst: Alles genau erkunden
Bevor Du Dich für ein Praktikum beim EISOP entscheidest, schau Dir das Institut und seine Projekte erstmal in Ruhe an. Lasse Dir die Selbstdarstellung geben, gucke Dir möglichst viele Räume an, guck Dir an, welche Leute da sind, wer Deine zukünftigen Kolleg_innen, Kund_innen, Chefs bzw. Praxisanleiter_innen sind.
2) Urteilen
Sage nicht sofort ja, sondern erst, nachdem zu wenigstens eine Nacht darüber geschlafen hast.
Im Zweifelsfall höre auf das, was Dein Gefühl Dir sagt.
3) Prüfen: Was sind die Auflagen?
Wenn Du an einer Schule, Oberschule, Fachschule, Fachhochschule, Hochschule oder Universität lernst oder studierst, gucke Dir bitte an, ob es eine Praktikumsordnung gibt und was die Praktikumsordnung alles vorsieht. Wirst Du das, was Du dort tun sollst, beim EISOP tun können?
4) Du lernst oder studierst irgendetwas Soziales?
Wenn Du etwas Soziales lernst oder studierst, ist Deine Hauptzuständigkeit in der Regel bereits festgelegt: In den sozialen Projekten des Instituts. Und zwar deshalb, weil dort die meisten sozialen Anliegen zu finden sind. Wir gehen hier bei EISOP davon aus, dass Praktikanti_nnen nicht den ganzen Tag unter Beweis stellen müssen, dass sie Kaffee kochen oder kopieren können.
5) Handeln
Wenn Du entschlossen bist, Dein Praktikum zu machen, mache bitte die Praktikumsvereinbarung klar. Dazu gehst Du in die Geschäftsstelle, und kümmerst Dich darum, dass
- von dir eine PraktikantInnenakte angelegt wird
- Du in den Praktikant_innenplan eingetragen wirst
- Dein zukünftiges Team Bescheid weiß
Da es bei EISOP viele Anfragen auf ein Praktikum gibt, solltest Du nicht erst auf den letzten Drücker ankommen.
Absagen: Und wenn Dir klar geworden ist, dass Du KEIN Praktikum beim EISOP machen willst, sei bitte so höflich und sage Bescheid. Die Leute wissen dann, woran sie sind.
6) Ziele festlegen
Solltest Du Dich für ein Praktikum entschieden haben, solltest Du für Deine Praktikumszeit wenigstens drei klar umrissene Ziele haben. Diese können sich im Verlauf des Praktikums natürlich immer ändern oder verschieben. Sprich die Ziele unbedingt mit Deiner Praktikumsanleitung ab, ob das so okay und umsetzbar ist. Anhand dieser Ziele wirst Du immer erkennen können, ob das Praktikum für Dich ein Erfolg wird.
7) Praktikumsvereinbarung
Du fängst mit Deinem Praktikum erst an, wenn Du eine unterschriebene Praktikumsvereinbarung in den Händen hältst. Vorher nicht. Das hat zwei Gründe:
a) In der Vereinbarung sind Versicherungsfragen geregelt.
b) Hier werden Deine Rechte und Pflichten festgehalten, aber auch die von EISOP Wenn alles gut läuft, ist das nicht wichtig. Sobald aber Probleme auftreten, ist eine solche Vereinbarung wichtig, weil beide Seiten dann gucken können, was sie vereinbart haben.
8) Praktikant_innenakte
In die Praktikant_innenakte kommen alle Sachen hinein, die Dein Praktikum betreffen: Daten zu Deiner Person, Bewerbungsunterlagen, Praktikumsvereinbarung, Praktikumsordnung, Deine Stundenlisten, Krankschreibungen, Urlaubsanmeldungen, Praktikumsbeurteilung, eine Kopie Deines Praktikumsberichtes, sonstige Vermerke.
Hilf den KollegInnen der Geschäftsstelle dabei, Deine Akte ordentlich zu führen.
9) Zuordnung zu einem Team
Als Praktikant_in gehörst Du einem der Teams an. Erkundige Dich, wer alles zum Team gehört, wer das Team leitet, wie die Aufgaben verteilt sind, wo die Stundenliste geführt wird, wann und wo Teamsitzungen stattfinden.
10) Stelle Dich vor - und zwar im ganzen Verein
Stelle Dich bitte allen vor. Und zwar nicht nur innerhalb Deines Projektes, sondern bei allen Projekten des Instituts. Denke daran, dass im Schichtsystem gearbeitet wird. Gehe also ruhig mehrfach durch alle Abteilungen und erkundige Dich, ob Du jetzt alle KollegInnen kennst.
Du wirst schneller mit anderen kooperieren müssen, als Du denkst.
11) Computer-Zugang
Kurz vor Beginn Deines Praktikums lässt Du Dir bitte einen Computer-Zugang einrichten. Damit kannst Du von jedem Rechner aus ins Internet oder auch etwas ausdrucken.
12) Schreibtisch
Wahrscheinlich wirst Du keinen eigenen Schreibtisch haben, sondern flexibel wechseln müssen und/oder aber Dir den Schreibtisch mit anderen teilen müssen. Hinterlasse bitte Deinen Arbeitsplatz so, wie Du ihn gerne vorfinden möchtest: Also ordentlich und sauber.
13) Stundenliste ist Pflicht
Als Praktikant_in trägst Du Dich wie alle anderen Mitarbeiter_innen in die Stundenliste ein. Dort dokumentierst Du auch Deine Außentermine und Hospitationen. Sicherheitshalber schreibst Du Dir Deine Arbeitsstunden persönlich auch noch auf. Lass Dir die Stundenliste am Ende der Woche oder am Ende des Monats (je nach Absprache) von der Projektleitung abzeichnen, damit es wegen der Stunden, die Du ableistet, keine Irritationen gibt.
14) Urlaub, Krankschreibung, Fehlen
Urlaub: Urlaub meldest Du vorher an und sprichst das mit Deinem Team ab. Menschen mit Kindern haben Vorrang bei der Urlaubsanmeldung.
Fehlen: Kannst Du nicht pünktlich zur Arbeit kommen, sagst Du bitte Deinem Team Bescheid.
Krankheit: Wenn Du länger krank bist, bringst Du bitte am dritten Tag unaufgefordert Deine Krankschreibung. (Auch sollte Deine Hochschule/Schule/Ausbildungsstelle informiert werden.)
15) Sei erreichbar
Bei Außenterminen: Sage den anderen, wo Du bist, was Du machst und wie Du am besten zu erreichen bist. Gib eine Mobilfunknummer an. Dies gilt umso mehr, je öfter Du unterwegs bist.
16) Sei professionell
Kolleg_innen sind Kolleg_innen, Gäste sind Gäste, Kund_innen sind Kund_innen. Auch wenn das in einem basisdemokratischen Institut nicht immer völlig eindeutig ist. Wenn Du die Kolleg_innen, Gäste und Kunden im Verein nicht mehr von Deinen FreundI_inen unterscheiden kannst, machst Du etwas falsch. Ein Praktikum zu machen heißt in erster Linie, auf Zeit und in einem geschützten Raum ein neues Aufgabenfeld und Verantwortung zu übernehmen und daran zu lernen, sowie (Berufs-)Erfahrungen zu sammeln und diese auszuwerten.
17) Grundregeln
Die Grundregeln im Institut gelten auch für Dich: Keine Drogen, keine Gewalt, keine sexuelle Belästigung.
18) Wir sind international
EISOP ist ein international und interkulturell offenes Institut. Unterstütze Menschen aus anderen Ländern und Kulturen, sich hier bei EISOP zurecht zu finden, und sei geduldig mit Menschen, die sich nur mühsam in der deutschen Sprache ausdrücken können. Wenn es notwendig ist, versuche Übersetzungen zu organisieren.
19) Datenschutz
Persönliche Informationen über Menschen, die Du bei EISOP kennen lernst, gehen keinen Dritten etwas an.
20) Freiheiten
Als Praktikant_in hast Du ein paar Freiheiten, die andere Mitarbeiter_innen nicht haben.
- Du darfst Fehler machen. Trotzdem wäre es gut, wenn Du schnellstmöglich Bescheid gibt, wenn Du merkst, dass etwas schief geht.
- Du darfst Dir alles angucken. Alles heißt alles, wenn es im Zusammenhang mit Deiner Ausbildung von Interesse sein könnte. Eine Praktikum oder Ausbildung zu machen, bedeutet, neugierig sein zu dürfen.
- Du kannst und darfst an allen Sitzungen und Besprechungen teilnehmen.
- Innerhalb Deines Praktikums ist das Institut für Dich eine Plattform für eigenständige Initiativen. Nutze die Chancen, solche Initiativen zu entwickeln und mit anderen zusammen zu verwirklichen.
21) Mitarbeiter_innen-Status
Als Praktikant_in bist Du Mitarbeiter_in. Also nutze die Gelegenheit! Aber Achtung: Das gilt nur für Dich und NICHT für Deine Freunde oder die Freunde Deiner Freunde.
22) Praktikumsbericht
Solltest Du verpflichtet sein, einen Praktikumsbericht anzufertigen, ist es ausgesprochen klug, schon während des Praktikums mit ersten Aufzeichnungen dazu zu beginnen. Und denke bitte daran: Die Zeit, in der Du an Deinem Praktikumsbericht schreibst oder arbeitest, ist Praktikums- und somit Arbeitszeit.
Abschreiben gilt nicht und macht auch keinen Spaß. Wichtig an Deinem Bericht ist vor allen anderen Dingen, wie Du es siehst und empfunden hast. Sei mutig und schreibe genau das auf!
Sprich die grobe Struktur und die Entwurfsfassung vom Bericht nach Möglichkeit vorher mit der/dem Praktikumsanleiter_in ab. Nicht aus Gründen einer Zensur - so etwas gibt es nicht bei EISOP, alles, was richtig ist, ist erlaubt -, sondern um grobe Falschaussagen über das Institut und seine Projekte zu vermeiden.
Es wäre gut, wenn das Institut Deinen Praktikumsbericht veröffentlichen dürfte.
23) Praktikumsbeurteilung
Du hast ein Recht auf eine Praktikumsbeurteilung, die Du zusammen mit Deinem/Deiner Praktikumsanleiter_in erstellst. Daraus geht eindeutig hervor, ob Du das Praktikum bestanden hast oder nicht. Sei vorbereitet und bringe eine Dokumentation Deiner Tätigkeiten mit und überlege Dir, was in Deiner Beurteilung stehen soll.
Deine Praktikumsbeurteilung erarbeitest Du grundsätzlich zusammen mit Deinem/Deiner Praktikumsanleiter_in. Mache also rechtzeitig VOR Ablauf des Praktikums einen Termin und plane hinreichend Zeit dafür ein.
24) Praktikumsanleitung
Deine PraktikumsanleiterIn kann nur so gut sein, wie Du sie einbeziehst. Es ist Deine Aufgabe, im Kopf Deiner Praktikumsanleiter_in präsent zu sein, rüber zu bringen, was Du machst und woran Du gerade arbeitest, anzusprechen, was Deine Anliegen, Fragen und Probleme sind.
Als Praktikant_in hast Du das Privileg, Deine Praktikumsanleiter_in immer "stören" zu dürfen. Nutze das!
Es ist an Dir, Praktikumsanleiter_innen-Gespräche zu vereinbaren, und auch zwischendurch um kurze Termine oder Gespräche zu bitten.
Grundsätzlich gilt: Lieber einmal zu oft als einmal zu wenig kommuniziert. Woher soll Deine Praktikumsanleiter_in denn wissen, dass irgendwas nicht stimmt, wenn Du es nicht ansprichst?
Also: Sei präsent
25) Verboten
Sage niemals, dass Du Praktikant_in bist - sonst wirst Du auch so behandelt. Und Kaffee kochen, Kartoffeln schälen und fotokopieren konntest Du ja bereits schon vor Deinem Praktikum. Sage, dass Du neue Mitarbeiter_in bist oder lasse Dir eine andere wichtige Bezeichnung einfallen.
Wenn Du jetzt immer noch Praktikum machen willst, dann lege los!
Berlin, 12.06.2009
Dr. Stefan Schneider










