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Mondkalb - eine Alternative für den Strassenzeitungsverkauf
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monkalb - das organisierte gebrechen - Logo der Zeitungmonkalb - das organisierte gebrechen - Logo der ZeitungMondkalb, so klärt ein kurzer Blick in Wkipedia auf, ist eine alte, historische Bezeichnung für fehlgebildete Kälber auf dem 16. Jahrhundert. Mißgeburten, um es noch deutlicher zu sagen. Und es spricht für eine ganze Menge von Selbstbewußtsein, wenn eine Zeitung von Behinderten, die Behinderung auch zum Thema hat und sich an alle richtet, diesen Namen trägt. Dass Behinderung aber kein rein geburtsmäßiges Schicksal ist, sondern vielfach gesellschaftlich hergestellt und zementiert wird, verrät der Untertitel. Zeitschrift für Organisiertes Gebrechen. Die Assoziation mit Al Capone, der Mafia, Yakuza und anderen Spielarten subversiven Handelns, das im Allgemeinen mit dem Begriff Verbreches stigmatisiert wird, soll suggerieren: Hier sind Täter am Werk, keine Opfer. Dabei ist “mondkalb” ist eigentlich gar keine richtige Behindertenzeitung. Die Redakteure und Autoren sind zwar in der Mehrzahl behindert, die Leserschaft aber nicht.

Die Idee entstand Ende 2006 bei einem Seminar der Naturfreundejugend Berlin zum Thema Behinderung. Mondkalb - Zeitschrift für das Organisierte Gebrechen wurde dann 2007 in Berlin gegründet und erscheint seitdem unregelmäßig. Thematisch geht es um Behinderung und Randständigkeit. Es wird jedoch kein Betroffenheitsjournalismus geliefert, sondern die Artikel kommen meist humorvoll und sarkastisch daher. Es sollte eine Zeitung sein, die in der Öffentlichkeit kostenlos ausliegt - in Kneipen und Cafés, in Bibliotheken und Volkshochschulen und so weiter. Und hier wird es für die Verkäufer_innen von Strassenzeitungen interessant. Im Impressum ist ausdrücklich festgehalten:

Die Zeitung liegt kostenlos zum Mitnehmen aus. Im Strassenverkauf kostet sie allerdings 1 Euro. Davon geht 1 Euro an den Verkäufer.

Exemplare können bei vorheriger telefonischer Absprache bei der Redaktion abgeholt werden. Das bedeutet, im Klartext dass im Gegensatz zu anderen Strassenzeitungen, bei denen ein großer Teil des Preises an die Redaktion bzw. an den Zeitungsverlag abgegeben werden muss, das Mondkalb hundertprozentigen Gewinn verspricht. Damit ist das Mondkalb eine echte Alternative für alle, die mit den bestehenden Strassenzeitungen unzufrieden sind und keine Gängelung was die Preisgestaltung und die Verkaufsregeln (Standplatzzwang, Drogenverbot, Kontrolle und Gängelung) anbetrifft, haben wollen. Das einzige, was investiert werden muss, ist der Kontakt zur Redaktion in Berlin. Die Daten sind hier zu finden.

Adresse

Stuttgarter Str. 46
12059
Berlin
Telefon 030 - 681 53 23
10.000 Exemplare

www.mondkalb.net.tc

bewegung.taz.de/organisationen/mondkalb

 

Mondkalb - A Journal for Organized Affliction

mondkalb isn’t really a magazine for people with disabilities. Although the majority of its editors and authors are disabled, most of its readers aren’t.  The concept for the magazine came about in late 2006 during a Youth for Nature seminar on disability. The idea was to produce a free magazine that would be distributed for free to cafés and bars, libraries and adult education centers, clubs, social and political project groups, in areas for the disabled in public buildings, and so on. One important stipulation was that the articles wouldn’t be targeted at insiders only - in other words, only to readers with disabilities or their families. The aim was to catch the interest of regular club goers, who should fish it out of the magazine racks and have something enjoyable to read while sitting with their beer.  The point was to highlight the entertainment value of disability – not only with sarcastic and bristly articles, which  “mondkalb” of course offers, but also  with some more serious and generally informative pieces. Disability is presented here in a cultural and political context and not as a marginalized interest group.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 01. September 2010 um 19:14 Uhr
 
Bertold Brecht: Die große Methode 1967
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Menschenmenge - Quelle: WikimediaMenschenmenge - Quelle: WikimediaDie große Methode

Die große Methode ist eine praktische Lehre
der Bündnisse und der Auflösung der Bündnisse,

der Ausnutzung der Veränderungen und der
Abhängigkeit von den Veränderungen,

der Bewerkstelligung der Veränderung
und der Veränderung der Bewerksteller,

der Trennung und Entstehung von Einheiten,
der Unselbständigkeit der Gegensätze ohne einander,
der Vereinbarkeit einander ausschließender Gegensätze.

Die große Methode ermöglicht,
in den Dingen Prozesse zu erkennen und zu benutzen.

Sie lehrt Fragen zu stellen,
welche das Handeln
ermöglichen.


Bertolt Brecht

Gesammelte Werke, Band 12, Seite 475
Frankfurt am Main 1967

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 19. August 2010 um 11:01 Uhr
 
Tausender Bonus beim Strassenfeger - Zur Geschichte der Zeitungsausgabestellen
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Werner Franke hatte mich gebeten, anlässlich von 15 Jahre Strassenfeger etwas zu den Anfängen des Vertriebs bei den Strassenzeitungen in Berlin zu sagen. Bei dem mob - magazin wurden die Zeitungen von der Druckerei in die mob - Räumlichkeiten in die Kleine Hamburger Str. 2 in Berlin - Mitte geliefert. Die Verkäufer_innen kamen dann dorthin und konnten sich die Zeitungen dort abholen. Hotte saß dort zeitweise am Schreibtisch, aber auch andere, die nach Übernahme des Projekts durch den 1994 gegründeten Verein mob - obdachlose machen mobil e.V. in den ursprünglich nur für Redaktionszwecke angemieteten Räumen zeitweilig lebten, wohnten und arbeiteten. Dass immer wieder Geld in der Kasse fehlte, war das eine Problem. Das andere waren die berühmten Zettel. 10 Mark entliehen, gez. Manne. Von wann war dieser Zettel, und wer verdammt nochmal war Manne? Das Geld sahen wir natürlich nie wieder, und wir schafften es aber dennoch, das Finanzamt davon zu überzeugen, dass das gültige Belege für unabdingliche Ausgaben waren. Dreister war aber noch die andere Geschichte: Wir wunderten uns immer wieder, warum so viele Menschen bei der Zeitungslieferung halfen. Denn immerhin waren die Pakete nicht gerade leicht und in den zweiten Stock zu tragen. Erst nach einigen Monaten kamen wir dahinter. Während des Hochtragens verschwanden einige Pakete im Keller, und beim Stapeln wurden Pakete der alten Ausgabe reingeschummelt, so dass die Gesamtzahl der Pakete immer stimmte. Für die alten Ausgaben interessierte sich ja kaum jemand von den Nicht-Verkaufenden. So ist es einigen Verkäufer_innen gelungen, das Prinzip Die Zeitung kostet zwei Mark, davon zwei Mark für die Verkäufer! praktisch umzusetzen. Es gab sogar Gerüchte, dass ganze Pakete vom mob - magazin im nahegelegenen zosch gegen gutes Shit getauscht worden seien. Aber ich glaube, die wenigen Leute, die das gemacht haben, waren von ihrem großen Coup so berauscht, dass sie hinterher sicher maßlos übertrieben. Die damals parallel erscheinende haz (= hunnis allgemeine zeitung) hatte da eine ganz andere Strategie. Sie hatte einen VW-Bus, der regelmäßig am zentral erreichbaren Bahnhof Friedrichstraße stand. Dort saß immer einer, der direkt vom Wagen aus verkaufte. Eigentlich das bessere Konzept, weil näher dran an den Leuten von der Straße. Aber es gab andere Unregelmässigkeiten, die unter anderen im großen Durst des Vertriebschefs begründet lagen, dass dieses Konzept zur damaligen Zeit nicht wirklich erfolgreich war. Dennoch hat diese Idee sich später durchgesetzt. Die motz hatte schnell ihren Stammplatz am Nollendorfplatz gefunden. Denn der ebenfalls sehr attraktive Brennpunkt am Zoo war schon von der Platte besetzt. Die hatte im hinteren Bereich, wo es eine kleine verwilderte Grünfläche gab, einen Wohnanhänger mehr oder weniger dauerhaft geparkt - ein Prinzip, dass sich schließlich auch beim Strassenfeger durchsetzen sollte. Vertriebsorte an Sozialen Brennpunkten zu platzieren, das war also das zentrale Konzept. Was sicherlich auch damit zu tun hatte, dass in der Anfangsphase sehr viel stärker als gegenwärtig, der Zeitungsverkauf von vielen Junkies als Alternative zur Beschaffungsprostitution oder zur Beschaffungskriminalität gesehen wurde. Das hat sich nach etwa einem Jahrzehnt Strassenzeitungen reletiviert, nicht zuletzt deshalb, weil es aufgrund des moralischen Verschließes der Idee der Straßenzeitungen zu deutlichen Umsatzeinbrüchen kam. Dann war das Zeitungverkaufen insbesondere für die hardcore-Junkies nicht mehr so attraktiv. Dennoch waren gerade in der Anfangszeit die Strukturen sehr durchlässig. Und zwar in beide Richtungen. Bekannte Strassenfeger-Redakteur_innen wie Uwe Spacek, Karsten Krampitz und auch Ulrike Steglich machten regelmäßig Vertriebsdienst am Bahnhof Zoo oder am Ostbahnhof, dem anderen Zeitungsausgabepunkt vom Strassenfeger. Das war keine bloße Aushilfe, sondern zentrales journalistisches Prinzip. So kannten die Redakteur_innen den Großteil der Verkäufer_innen persönlich, und, was noch viel wichtiger war, unzählige authentische Geschichten sind zu dieser Zeit geschrieben worden. Die Redakteure brauchten bloß das aufzuschreiben, was die Verkäufer_innen ihnen erzählten. Das war mehr als bloße Lebensgeschichten. Vor Ort wurden Ausgaben geplant, Beräge besprochen, Aktionen verabredet. Eine Zeit lang gab es den berühmten Tausender-Bonus, der regelmäßig für sehr viel Spaß sorgte. Der Tausender-Bonus ging so: Wenn an einem Tag an einem Standort insgesamt mindestens eintausend Zeitungen verkauft worden waren, gab es am nächsten Tag als Belohnung für alle drei Zeitungen gratis - und zwar für alle, die am Vortag bei Zeitungsverkauf dabei waren. Das führte zu interessanten Effekten. Viele kamen extra am späten Nachmittag noch zum Bahnhof Zoo gefahren (dem Vertriebsstandort mit den höchsten Umsatzzahlen und der größten Wahrscheinlichkeit für einen 1000er Bonus), um sich nach dem Stand der Verkaufszahlen zu erkundigen. Wenn nicht mehr sehr viele Zeitungen fehlten, verabredeten sich die anwendenden Verkäufer regelmässig, den Tausender-Bonus zu knacken. Sie kauften einfach die Zeitungen, die sie sonst erst am nächsten Tag gekauft hätten - und tranken dann am Abend ein paar Bier weniger. Und auch die, die davon nichts mitbekamen, freuten sich regelmässig am nächsten Tag, wenn es zu der einen Zeitung, die sie regelmässig nur kauften, drei Zeitungen extra gab. Eine im Grunde biblische Form der gerechten Belohnung in einer so ungerechten Leistungsgesellschaft. Auch die, die nur Weniges zu der Gesamtverkaufszahl begetragen hatten, konnten sich gleichermaßen mit freuen. Auch die Mitarbeit im Vertrieb war eine Chance, um wieder das Leben in den Griff zu bekommen. Viele Verkäufer_innen, die Arbeit statt Strafe abzuleisten hatten, bekamen ihre Chance in der stundenweisen Übernahme der Zeitungsausgabe. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, denn schließlich mussten Zeitungs- und Geldbestände mittags zum Schichtwechsel und abends zur Abrechnung penibel stimmen. Aber davon ein andermal.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 11. August 2010 um 13:27 Uhr
 
Wohnungslose: Partizipation, Selbsthilfe und Selbstorganisation
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http://kompass.humanrights.ch/cms/upload/bilder/377.jpghttp://kompass.humanrights.ch/cms/upload/bilder/377.jpgNeue Wege zur Teilhabe von Betroffenen - einige Ideen von Stefan Schneider (anlässlich der gleichnamigen Tagung der BAG Wohnungslosenhilfe am 03.08.2010 in Kassel)


Schneider_Partizipation_Kassel_2010.pdf

Vorbemerkung. Im Unterschied zu anderen gesellschaftlichen Bereichen ist die Mitbestimmung Wohnungloser in der Wohnungslosenhilfe und innergesellschaftlich kaum ausgeprägt. Es gibt keine Wohnungslosengewerkschaft, keine_n Wohnungslosenombudmann/frau, keine Betriebsräte, kaum Interessenvertreter_innen, so gut wie keine eigenen Lobbyisten usw. Auch die sogenannte Betroffenenvertretung ist nicht gerade gut aufgestellt im Vergleich zu anderen gesellschaftlichen Gruppen. Jedes Krankenhaus hat eine_n Patientenfürsprecher_in, in Senioren- und Pflegeheimen sind Beiräte gesetzlich vorgeschrieben, Behinderte verfügen über das sog. persönliche Budget, auch das Kinder- und Jugendhilfegesetz definiert sehr weitreichende Mitwirkungsansprüche, und auch  Seniorenvertretungen müssen auf allen Ebenen gewählt werden.  Diese Liste liesse sich sicher noch um viele weitere Beispiel ergänzen. Mir geht es an dieser Stelle darum, Vorschläge zu unterbreiten, wie die Teilhabe Wohnungsloser verbessert werden kann. Ich selbst bin weder wohnungslos noch obdachlos, lediglich die Bezeichnung heimatlos könnte passen. Das hält mich aber nicht davon ab, hier einige Vorschläge aufzuschreiben, die zum Teil aus Gesprächen mit Wohnungslosen selbst heraus entwickelt worden sind. Ideen, die diskutiert, verändert, aufgegriffen und umgesetzt werden können oder auch nicht.

1. Teilhabe braucht Strukturen. Diese entstehen nicht von selbst. Die Wohnungslosenhilfe selbst ist - verglichen mit den einzelnen Wohnunglsosen - eine mächtige Struktur. Von ihr, den einzelnen Trägern, Dachverbänden, Landesverbänden, Organisationen, Einrichtungen sollte verlangt werden, dass sie sich darum kümmern, dass es verbindlich verpflichtende Beteiligungsstrukturen gibt.

Mit anderen Worten: Die BAG Wohnungslosenhilfe sollte sich selbst und alle Mitgliedsorganisationen selbst verpflichten, dass es in jeder Einrichtung der Wohnungslosenhilfe regelmässig monatlich eine Nutzerversammlung gibt, dass wenigstens zwei Sprecher_innen von den NutzerInnen gewählt werden und dass die Nutzer_innen bei allen Fragen der Einrichtung betreffend auch einbezogen werden. Angefangen von Fragen der Konzeption, Hausordnung, Personalangelegenheiten, Öffnungszeiten und so weiter.Wie eine solche Nutzerbeteiligung auszusehen hat, darf von Fall zu Fall noch im Einzelnen geklärt werden. Die Teilhabe Wohnungsloser sollte in den Leitbildern der Unternehmen, in den Konzeptionen fest verankert werden auch auch als notwendiger Bestandteil im Qualitätsmanagement festgeschrieben werden.

2. Teilhabe kostet Geld. Das fällt nicht vom Himmel. Kosten entstehen durch gemeinsame Aktivitäten, aber allein auch schon durch die Beteiligung selbst. Infos müssen geschrieben und verteilt werden, Räume werden gebraucht, Kosten für Kommunikation und Information fallen an. Auf einer erweiterten Ebene entstehen Kosten für soziokulturelle Aktivitäten, Reisekosten, Kosten, um Gäste einladen und unterbringen zu können und um Aktionen wie Demos, Kundgebungen und Reisen zu Kongressen durchführen zu können.

Mit anderen Worten: Die BAG Wohnungslosenhilfe sollte sich selbst und alle Mitgliedsorganisationen selbst verbindlich verpflichten, dass jede Organisation und Einrichtung  der Wohnungslosenhilfe regelmässig monatlich 50% aller ihrer frei verfügbaren Spendeneinnahmen an die Wohnungslosenselbsthilfe / Nutzer_innengruppe  direkt und unmittelbar weiter gibt. Die Nutzer_innengruppe jeder Einrichtung soll frei darüber entscheiden dürfen, wie sie ihr Geld verwenden möchte. Dabei sollten ein paar einfache Regeln aufgestellt werden, die die Grundsätze der Geldverwendung regeln (Gerechtigkeit, Transparenz, keine Bevorzugung Einzelner, Demokratische Prinzipien usw.)

3. Teilhabe erfordert Kommunikation. Das gegenwärtig mächtigste und zugleich preisgünstigste Instrument der Kommunikation ist das Internet. Das betrifft sowohl die Kommunikationsbedürfnisse der einzelnen Wohnungslosen, aber auch für Selbsthilfegruppen in der Wohnungslosenhilfe und Vernetzungen mit anderen gesellschaftlich benachteiligten Gruppen und strategischen Partnern. Deshalb sind moderne, schnelle und leistungsfähige Internetzugänge ohne Zensur und Reglementierung für Wohnungslose bereit zu stellen.

Mit anderen Worten: Die BAG Wohnungslosenhilfe sollte sich selbst und alle Mitgliedsorganisationen selbst verpflichten, dass jede Organisation und Einrichtung  der Wohnungslosenhilfe kostenlos (denn jeder Einrichtung braucht ohnehin einen Internetzugang für ihre Arbeit) und ohne Zensur und Reglementierung für Wohnungslose in ausreichendem Umfang zur Verfügung gestellt wird.

4. Teilhabe erfordert Information. Die Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe sind untereinander vernetzt und tauschen sich regelmässig untereinander aus. Gelegentlich werden auch Informationen für Wohnungslose zur Verfügung gestellt (Wegweiser usw.). Die bereits bestehenden Internet-Portale Wohnungsloser sollten systematisch unterstützt und ausgebaut werden.

Mit anderen Worten: Die BAG Wohnungslosenhilfe sollte sich die Herausgeberschaft für das Verzeichnis der Einrichtungen Wo - Wie an die Internet-Portale Wohnungsloser abgeben und die Betreiber der Portale bei ihrer Arbeit unterstützen. Dabei sollte insbesondere darauf wert gelegt werden, dass die Angaben zu den Einrichtungnen ständig aktualisiert werden können. Auch sollte die BAG Wohnungslosenhilfe Unterstützung anbieten, wenn Selbsthilfegruppen Wohnungsloser für ihre Gruppe bzw. ihre Aktivitäten Portale einrichten wollen.

5. Teilhabe erfordert Foren. Persönliche Begegnung, Austausch und Vernetzung. Teilhabe findet nicht nur vor Ort in den einzelnen Einrichtungen statt, sondern Selbsthilfestrukturen bedürfen der Vernetzung. Das können Treffen unterschiedlicher Gruppen in einer Stadt, in einer Region sein, aber auch bundesweite Treffen, Treffen im deutschsprachigen Raum, europäische und weltweite Vernetzungstreffen. Auf der Grundlage von Strukturen (Punkt 1.) und Geldern (Punkt 2.) sind hier Veranstaltungen aller Art denkbar.

Zu überlegen ist insbesondere, ob das regelmässig stattfindende Berbertreffen in Offenburg Vorbild sein könnte für regelmässig stattfindende deutschlandweite Treffen von Wohnungslosen und auch anderen gesellschaftlich benachteiligten Gruppen. Zü überlegen ist, inwieweit nach dem Vorbild von Sommer-Camps anderer gesellschaftlicher Gruppierungen die Idee von Erholung und Freiteit, Kultur und gemeinsames politisches Arbeiten miteinander in Verbindung gebracht werden kann. Dabei ist zu klären, welche der grossen Organisationen der Wohnungslosenhilfe  jeweils ihre Strukturen bei der Vorbereitung und Durchführung zur Verfügung stellen können, ohne inhaltlich Einfluss zu nehmen.

6. Teilhabe ist Vielfalt. Alle Wohnungslosen sind Expert_innen in eigener Sache mit je eigenen Erfahrungen. Die Förderung von Teilhabe und Selbsthilfe bedeutet demnach auch, eine Vielfalt von unterschiedlichen Gruppen mit unterschiedlichen Themen, Schwerpunkten, Ausrichtungen, Arbeitsformen und Kulturen auszuhalten und zuzulassen. Im Vordergrund sollte deshalb stehen, keine Zentraleinrichtung mit Repräsentationsanspruch zu bilden, sondern vielmehr an einem vielfältigen bunten Netzwerk mit möglichst flachen Hierarchien zu arbeiten. Gäste von Suppenküchen, Obdachlosentheatergruppen, Selbsthilfeprojekte, Strassenzeitungsverkäufer_innen, einzelne Berber_innen, selbsternannte Berufsbetroffene, - viele Menschen arbeiten mit unterschiedlicher Kraft und Intensität an unterschiedlichen Orten zu unterschiedlichen Themen. Die Bundesbetroffeninitiative verwandelt sich in ein offenens Netzwerk Selbsthilfe Wohnungsloser. Dieses Netzwerk vernetzt sich mit anderen sozialpolitischen Netzwerken und entwickelt gemeinsame Aktivitäten.

6. Teilhabe ist politisch. Das Recht auf Wohnen im Grundgesetz und in der Europäischen Verfassung, gleiche Rechte für Wohnungslose innerhalb der EU, die sofortige Anhebung der Hartz IV - Sätze oder die Einführung einer Grundsicherung, das Recht auf Stadt und die Auszahlung von Tagessätzen, die sofortige Aufnahme eines Wohnungsbauprogramms für sozial benachteiligten Gruppen, höhere und bessere Standards in Notübernachtungen - Forderungen wie diese sind bislang in meiner Ideensammlung noch nicht aufgetaucht. Muss auch nicht, denn jede_r einzelne Wohnungslose hat Ideen wie die oben genannten im Kopf, und alle Beiträge, die darauf zielen, Teilhabe und Selbstorganisation Wohnungsloser zu stärken, können ein Beitrag dafür sein, an solchen Punkten konkret zu arbeiten.

Soweit meine Ideen. Wenn sie Widerspruch erzeugen, ist das so gewollt. Abschliessend noch mal - als Zitat von BLK Demokratie Lernen und Leben - eine Grafik, die deutlich macht, worum es im Grundsatz geht:

http://blk-demokratie.de/uploads/pics/achtstufen.jpghttp://blk-demokratie.de/uploads/pics/achtstufen.jpghttp://blk-demokratie.de/uploads/pics/achtstufen.jpghttp://blk-demokratie.de/uploads/pics/achtstufen.jpg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: http://blk-demokratie.de/uploads/pics/achtstufen.jpg

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 11. August 2010 um 13:54 Uhr
 
World Social Forum 2011 - Dakar, Senegal, Afrika
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WSF – some basic informations

a) Point of time: 6th till 11th of February

b) Place of the WSF: University of Dakar – directly at the sea.

c) WSF in Dakar: The WSF is broadly supported by political Networks, grassroot-organisations and NGOs in Senegal. However, right at the moment some fundamental discussions are taking place, for instance whether the president of Senegal should be actively involved in the opening-session of the WSF or not.

c) Migration will be one on the central topics of the WSF.

d) For more detailed informations concerning the WSF please look at the official website (with informations in several languages):

http://fsm2011.org/en/frontpage

http://weltsozialforum.org/2011/index.html

 

Foto: World Social Forum 2002, Quelle: WikiCommons

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 02. August 2010 um 09:55 Uhr
 
Wohn-Orte erkämpfen mittels Internet
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Foto - WikicommonsFoto - WikicommonsAus der mail der Macher_innen von SozIn (siehe unten) spricht ein gehörig Maß an Frustration. Das ist völlig in Ordnung, aber das wird dennoch niemanden ernsthaft ermutigen, bei SozIn mitzumachen oder einzusteigen.


In der 1902 erschienenen Schrift "Was tun?" hat sich übrigens auch schon Lenin mit der Frage beschäftigt, wie eine gesellschaftliche Veränderung zu erreichen ist. Er hat damals empfohlen, eine Zeitung zu machen. Denn seiner Meinung nach ist eine Zeitung "ein kollektiver Organisator", der die Leute dazu zwingt, sich zueinander zu verhalten. Würde Lenin heute leben, würde er vermutlich empfehlen, einen Blog oder ein Internet-Portal zu betreiben, mit genau dem selben Argument: Ein Internet-Blog ist ein kollektiver Organisator. Aber hier sind wir genau beim Kern des Problems: Es gibt weltweit Millionen von Blogs. Warum also ausgerechnet Eurer, oder irgend ein anderer? Deswegen sagen Netztheoretiker wie z.B. Peter Kruse auch, das es im Kern darum geht, Resonanzen zu erzeugen, die sich gegenseitig aufschaukeln. Das heißt aber umgekehrt, ein Blog ist nicht mehr als ein Mittel zum Zweck, nicht schon der Zweck selbst. Wenn also SozIn Erfolg haben soll, dann wird sich der Erfolg dadurch herstellen, dass über das Portal Ideen und Projekte kommuniziert werden, die den Menschen gefallen, die Spaß machen, die sinnvoll sind und die einen realen Mehrwert herstellen. Das passiert nicht von heute auf morgen, und nicht per Knopfdruck. Es sind letztlich immer noch Menschen, die überzeugen, mitreißen und agieren. Und Menschen, die sich überzeugen und mitreißen lassen und die bereit sind, selbst zu Akteur_innen zu werden. Und es gibt eben auch noch die vielen anderen, die ähnliche oder vergleichbare Blogs betreiben. Das ist das, was der Blogger Michael Seemann alias mspr0 als Ctrl-Verlust bezeichnet. Das heißt, Veränderung zu Beginn des 21. Jahrhunderts muss gänzlich anders als Veränderung zu Beginn des 20. Jahrhunderts verstanden werden. Viele Sachen passieren gleichzeitig, und damit entstehen unübersichtliche Situationen. Wenn also die Menschen, die sich auf dem Treffen der Menschen mit Armutserfahrungen in Berlin getroffen und verabredet haben, an einem neuen Portal mitzuwirken, dies dann doch nicht tun, kann das unterschiedliches heißen. Es kann heißen, dass sie an anderer Stelle tätig sind. Es kann auch sein, dass sie den Sinn noch nicht verstanden haben. Vielleicht fehlen auch noch die richtigen Ideen und Visionen. Das heißt aber nicht, dass deswegen nichts passiert.

Gutenberg - Presse - Quelle: WikicommonsGutenberg - Presse - Quelle: WikicommonsDas wollte ich einmal loswerden und dazu einladen, dass wir bei alle dem, was wir machen, einen langen Atem haben. Denn selbst nach der Veröffentlichung von Was tun? hat es nochmal 15 lange Jahre gedauert, bis es in Russland zu einer Revolution kam, und ob Zeitungen für das Zustandekommen dieser Revolution maßgeblich verantwortlich zu machen sind, möchte ich vorsichtig bezweifeln. Und selbst diese Revolution, die dann stattgefunden hat, war nicht gut genug, was die Millionen Toten des Gulags eindrucksvoll belegen. Nicht zuletzt deswegen ist das Projekt des real existierenden Sozialismus noch im gleichen Jahrhundert wieder beendet worden. Wir stehen jetzt an einer neuen Etappe eine vollends digitalen Weltgesellschaft. Ich glaube, dass überall auf der Welt Orte identifizierbar und ausweisbar sind, wo Menschen, die jetzt kein Dach über dem Kopf haben, warm, trocken, sicher, mit Mindeststandards an Hygiene, Schutz, Sicherheit, Kommunikation und Privatheit dauerhaft und rechtlich gesichert preisgünstig zu den real existierenden Kosten wohnen können. In den sog. armen Ländern können solche Orte preisgünstig hergestellt werden, und in den reichen Ländern stehen geeignete Räume nachweisbar und massenweise leer. M.E. sind das Internet und Portale wie SozIn Instrumente, die gerade arme und wohnungslose Menschen nutzen können, solche Orte zu fordern, sich gegenseitig über solche Orte zu informieren und diese gemeinsam zu besetzen.

Am 21.07.2010 14:27, schrieb SozIn:

Liebe TeilnehmerInnen der Tagung der NAK im Juni 2010,

wie versprochen steht die Webseite www.sozin.de seit 23. Juni 2010 im Netz. Unser Besucherzähler zeigt seit dem 13. Juli  knapp 800 Besucher an. Auf der Tagung in Berlin wurde der Ruf nach Zusammenarbeit aller von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffenen laut. Ist der Ruf verhallt? Die Reaktionen der in Berlin Anwesenden sind äußerst spärlich. Schade! Für uns stellt sich die Frage nach der Mentalität der Deutschen. Schaut euch im Ausland um:

http://lobia.org

http://homelessnation.org/en

http://www.waarkanikheen.nl/portal/

Diese Seiten leben, weil viele leidenschaftlich und gerne mitarbeiten,

Eine Tagung ist dazu da, Leitfäden und Anregungungen zu erarbeiten. Die Umsetzung erfolgt (in der Regel) danach. Vorher meckern darf sein, hinterher machen ist gefordert. Mitmachen ist gar nicht so schwer;

e-Mail sozin at online.de

Ein Kommentarbutton ist unter jedem Artikel zu finden.

Wer nicht Deutsch kann,  --> Translator drücken (Button press, appuyez sur le bouton, Pulse el botón), oder Flagge beachten.

Das Team sozin

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 28. Juli 2010 um 17:38 Uhr
 
Ratten 07 wieder auf tour - 2010
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Ratten Monologe 2010Ratten Monologe 2010Liebe Freunde der Ratten,

wie im Juni schon angekündigt, gibt es nun neue Termine zu unserer Inszenierung Rattenmonologe-Shortversion Dasein.

Am kommenden Wochenende spielen wir am:

16.07. - 20:30 Uhr in der "Spukkommune" - im Rauchhaus, Mariannenplatz 1a

17.07. - 19:00 Uhr im "Studio 1" - im Bethanienhaus, Mariannenplatz 2

(im Rahmen der Ausstellung 11. Kunstkreuz 2010)

Eintritt frei - Spenden sind erwünscht

Vormerken sollte man sich auch unsere Ausstellung "theatERleben" *

in der Zeit vom 20.08 - 17.09.2010

mit o.g. Inszenierung am 04.09.2010 - um 20:00Uhr

in der "Studiobühne" - alte feuerwache, Marchlewskistr. 6

* Flyer folgt noch

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 19. August 2010 um 10:13 Uhr
 
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