Für mich als gebürtigem Mariendorfer ist der am Teltowkanal gegenüber dem Ullsteinhaus  gelegene Hafen Tempelhof sozusagen der Heimathafen. In der Tat bin ich in meiner Kindheit- und Jugend unzählige Male daran vorbeigegangen oder gefahren - beispielsweise auf dem Weg zur Stadtbücherei Tempelhof oder zum Rostbratwurststand von Maximilian. Zum Segeln bin ich erst in meiner Studienzeit gekommen, durch die Idee von Chrissi, dass der Hochschulring der KSJ, dem ich damals angehörte, doch einen Segeltörn auf einem historischen Segelschiff, der Rakel machen könnte. 

Der im Grunde in Auflösung begriffene Hochschulring konnte sich nicht  entscheiden, ob nach einer Straßbourg-Fahrt zum Europäischen Parlament und einer Reise nach Moskau nun entweder Albanien oder aber Cuba probate und politisch korrekte Reiseziele wären. So war Segeln auf der Ostsee ein guten Kompromiss. Auf diesem Törn von Kiel über Bagenkop und Sonderbog nach Kiel zurück wurde mir klar, dass ich eines Tages würde segeln lernen. Eine Art innere Gewissheit, kein Plan, kein Vorsatz. Tatsächlich habe ich dann im Jahr 1990 meinen Segelschein gemacht und hatte im Jahr darauf mein erstes Schiff, eine rote Yxilon.

 Das machte auch viel Freude, und die Yxilon hat im Sommer wie im Winter immer gut gelegen auf dem Wassersportgelände der Humboldt-Universität am Zeuthener See. Mit der Entscheidung, diese im Jahr 1994 zu verkaufen und im Frühjahr 1995 einen 15er Jollenkreuzer zu erwerben, brauchte ich einen neuen Liegeplatz, im Sommer wie im Winter. Im Sommr konnte ich in Schmöckwitz bleiben, und für den Winter habe ich mich in jenen Jahren entschieden für den Hafen Tempelhof. Er war verkehrmässig mit der U-Bahn Linie 6 gut zu erreichen (Bahnhof Ullsteinstraße) und in der Nähe meiner Eltern, die noch immer in Mariendorf wohnten. Im Herbst motorte ich also von meinem Liegeplatz zum Hafen Tempelhof, wo mich vom am Hafen gelegenen Schrottplatz ein Kram mit langen Schläuchen an einer Traverse aus dem Wasser hob und zum Liegeplatz an Land auf 2 Holzböcken fuhr.

 Der Diebstahl  meiner Badeleiter und ein weiterer Diebstahl von diversem Werkzeug sowie die Tatsache, dass ich aufgrund diverser Reparaturarbeiten und mangelhafter Selbstdisziplin doch immer nur im Juli oder Augst wieder ins Wasser kam, veranlasste mich  dazu, nach einem Segelverein, dem ich mich anschließen konnte, Ausschau zu halten. Aber das ist eine andere Geschichte. Im Jahr 2007 jedenfalls ist mit einem schon seit längerem diskutierten Plan bekonnen worden, nämlich ein riesengroßes Event- und Einkaufszentrum darum zu bauen und das alte Lagerhaus mit einzubeziehen. Schon jetzt kann ich sagen, ausser dem unter Denkmalschutz stehenden Lagerhaus und den Kränen und der ungefähren größe des Hafenbeckens im Grunde nichts bleibt, wie es einmal war.

Planung Hafen Tempelhof - Quelle: TagesspiegelWie es einmal aussehen wird, zeigt die Skizze hier. Auch und übrigens: Der alte Maximilian-Stand mit Rostbratwurst vom Holzkohlegriil und Zigeunersalat - damit bin ich praktisch großgeworden - an der Ordensmeisterstraße wurde auch abgerissen. Im Moment steht ein Provisorium auf der Stubenrauchbrücke am Tempelhofer Damm. Auch langfristig soll Maximiliam erhalten bzw. in das neue Zentrum integriert werden. Warten wir es ab. Jedenfalls bin ich praktisch nie durch den Teltowkanal gefahren, ohne am Hafen Tempelhof Station zu machen. Nicht wegen des Hafens - wegen der Rostbratwurst mit Zigeunersalat. 

Maximilian Imbiss - nicht der, der dort war, aber doch stilistisch vergleichbar

Berlin, 27.09.2007, Stefan Schneider 

Fotonachweis: Planungszeichnung Hafen Tempelhof: http://www.tagesspiegel.de/images/tempelhof/1259136/2.jpg?format=format14

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