Vielleicht sollten wir segeln drei Wochen lang zusammen auf den Masurischen Seen, in dem Land wie Feuer und Eis, mit Farben unglaublich, und Du würdest etwas lernen können und verstehen, von dem, was mich bewegt, was wir wichtig, was mir heilig ist, ein für alle mal. Ich sage es einmal provozierend und in der Hoffnung, da§ es Deine Begeisterung weckt: Was weißt den Du schon über das Treideln in den Kanälen, über die Insel der Kormorane, über die verwunschene Insel Gilma, über den Gewölbekeller in Stynort, von der Maly Galeria meines Freundes Piotr in Gizycko und den liebenswerten und häufig angetrunkenen Hafenmeister, über die Schleuse und das Holzsägewerk in Ruciane Nida und das Venedig des Ostens und über die Halbinsel Kula und über den Stinthengst bei Mikoleiken und über die Blaubeerwaffeln dort mit Sahne. Und was weißt Du über Wengorszewo und über Pisz und über diesen gewaltigen See Sniardwy, auf dem ich selber nur einen kurzen Schlag lang war, und der riesig gro§ ist und gefährlich wegen der Winde und der Wellen und der unbrechenbaren Wetterlage und der heimtückischen Untiefen und der knapp unter dem Wasser liegenden Steine. Aber was nicht alles gibt es dort zu sehen? Kormorane, Störche, Biber und Tiere, dessen Name ich nicht kenne, aber an deren Schönhheit ich mich berausche.

Das ist mein Trip, auf den ich Dich einladen kann und einladen werde, weil ich weiß, was ich kann und worauf ich mich einlasse, und weil ich etwas vom Segeln verstehe und kein unnötiges Risiko eingehe und auf der sicheren Seite bleibe und verantwortlich bin und handeln werden gegenüber denen, die sich mir anvertrauen.

Stefan Schneider

 

Editorische Notiz:

Diesen Text fand ich wieder beim Aufräumen auf meinem Computer. Er beschreibt in hymnischer Sprache, vielleicht ein bischen schwülstig, meine Begeisterung über die Gegend der Masurischen Seen. Zweimal, in den Jahren 1992 und 1993 war ich zusammen mit Chrissi für jeweils 3 Wochen da und wir sind zusammen gesegelt. Insbesondere die erste Reise habe ich noch in guter Erinnerung. Für wen ich diesen Text geschrieben habe, weiß ich gar nicht mehr. Wahrscheinlich für einen Mneschen, dien ich sehr liebte.

Warschau, 14.01.2012

Stefan Schneider

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