Was einE PraktikantIn bei mob e.V. alles wissen sollte

Aufgeschrieben von Stefan Schneider.

Vorbemerkung.
Wenn Du Dich für ein Praktikum bei mob - obdachlose machen mobil e.V./ strassenfeger bewirbst, gehen wir davon aus, dass Du genau weißt, was Du tust. Wir sind eine Selbsthilfeorganisation von armen und wohnungslosen Menschen, und wer bei uns mitarbeiten möchte, sollte sich darüber im klaren sein, dass die direkte Auseinandersetzung, das Gespräch, der Kontakt und die Zusammenarbeit mit armen und wohnungslosen Menschen eine wichtige Voraussetzung ist, um erfolgreich ein Praktikum leisten zu können. Und der Selbsthilfecharakter von mob e.V./strassenfeger bezieht sich auch auf PraktikantInnen in dem Sinne, dass eine große Selbständigkeit vor Dir erwartet wird.

1) Zuerst: Alles genau erkunden
Bevor Du Dich für ein Praktikum bei mob e.V. entscheidest, schau Dir den Verein und seine Projekte erstmal in Ruhe an. Lasse Dir die Selbstdarstellung geben, gucke Dir möglichst viele Räume an, guck Dir an, welche Leute da sind, wer Deine zukünftigen KollegInnen, KundInnen, Chefs bzw. PraxisanleiterInnen sind.

2) Urteilen
Sage nicht sofort ja, sondern erst, nachdem zu wenigstens eine Nacht darüber geschlafen hast.
Im Zweifelsfall höre auf das, was Dein Gefühl Dir sagt.

3) Prüfen: Was sind die Auflagen?
Wenn Du an einer Schule, Oberschule, Fachschule, Fachhochschule, Hochschule oder Universität lernst oder studierst, gucke Dir bitte an, ob es eine Praktikumsordnung gibt und was die Praktikumsordnung alles vorsieht. Wirst Du das, was Du dort tun sollst, bei mob e.V. tun können?

4) Du lernst oder studierst irgendetwas Soziales?
Wenn Du etwas Soziales lernst oder studierst, ist Deine Hauptzuständigkeit in der Regel bereits festgelegt: In der Notübernachtung des Vereins. Und zwar deshalb, weil dort die meisten sozialen Anliegen zu finden sind. Wir gehen hier bei mob e.V. davon aus, dass Praktikantinnen nicht den ganzen Tag unter Beweis stellen müssen, dass sie Kartoffeln schälen, Kaffee kochen oder kopieren können.

5) Handeln
Wenn Du entschlossen bist, Dein Praktikum zu machen, mache bitte die Prakereinbarung klar. Dazu gehst Du in die Personalabteilung, und kümmerst Dich darum, dass

a)    vor dir eine PraktikantInnenakte angelegt wird
b)    Du in den PraktikantInnenplan eingetragen wirst
c)    Dein zukünftiges Team Bescheid weiß

Da es bei mob e.V. sehr viele Anfragen auf ein Praktikum gibt, solltest Du nicht erst auf den letzten Drücker ankommen.
Absagen: Und wenn Dir klar geworden ist, dass Du KEIN Praktikum bei mob e.V. machen willst, sei bitte so höflich und sage Bescheid. Die Leute wissen dann, woran sie sind.

6) Ziele festlegen
Solltest Du Dich für ein Praktikum entschieden haben, solltest Du für Deine Praktikumszeit wenigstens drei klar umrissene Ziele haben. Diese können sich im Verlauf des Praktikums natürlich immer ändern oder verschieben. Sprich die Ziele unbedingt mit Deiner Praktikumsanleitung ab, ob das so okay und umsetzbar ist. Anhand dieser Ziele wirst Du immer erkennen können, ob das Praktikum für Dich ein Erfolg wird.

7) Praktikumsvereinbarung
Du fängst mit Deinem Praktikum erst an, wenn Du eine unterschriebene Praktikumsvereinbarung in den Händen hältst. Vorher nicht.  Das hat zwei Gründe:

a)    In der Vereinbarung sind Versicherungsfragen geregelt.
b)    Hier werden Deine Rechte und Pflichten festgehalten, aber auch die von mob e.V. Wenn alles gut läuft, ist das nicht wichtig. Sobald aber Probleme auftreten, ist eine solche Vereinbarung wichtig, weil beide Seiten dann gucken können, was sie vereinbart haben.

8) PraktikantInnenakte
In die PraktikantInnenakte kommen alle Sachen hinein, die Dein Praktikum betreffen: Daten zu Deiner Person, Bewerbungsunterlagen, Praktikumsvereinbarung, Praktikumsordnung, Deine Stundenlisten, Krankschreibungen, Urlaubsanmeldungen, Praktikumsbeurteilung, eine Kopie Deines Praktikumsberichtes, sonstige Vermerke.
Hilf den KollegInnen der Personalabteilung dabei, Deine Akte ordentlich zu führen.

9) Zuordnung zu einem Team
Als PraktikantIn gehörst Du einem der Teams an. Erkundige Dich, wer alles zum Team gehört, wer das Team leitet, wie die Aufgaben verteilt sind, wo die Stundenliste geführt wird, wann und wo Teamsitzungen stattfinden.

10) Stelle Dich vor – und zwar im ganzen Verein
Stelle Dich bitte allen vor. Und zwar nicht nur innerhalb Deines Projektes, sondern bei allen Projekten im Verein. Denke daran, dass im Schichtsystem gearbeitet wird. Gehe also ruhig mehrfach durch alle Abteilungen und erkundige Dich, ob Du jetzt alle KollegInnen kennst.
Du wirst schneller mit anderen kooperieren müssen, als Du denkst.

11) Computer-Zugang
Kurz vor Beginn Deines Praktikums gehst Du in die EDV-Abteilung und lässt Dir einen Computer-Zugang einrichten. Damit kannst Du von jedem Rechner aus ins Internet oder auch etwas ausdrucken.

12) Schreibtisch
Wahrscheinlich wirst Du keinen eigenen Schreibtisch haben, sondern flexibel wechseln müssen und/oder aber Dir den Schreibtisch mit anderen teilen müssen. Hinterlasse bitte Deinen Arbeitsplatz so, wie Du ihn gerne vorfinden möchtest: Also ordentlich und sauber.

13) Stundenliste ist Pflicht
Als PraktikantIn trägst Du Dich wie alle anderen MitarbeiterInnen in die Stundenliste ein. Dort dokumentierst Du auch Deine Außentermine und Hospitationen. Sicherheitshalber schreibst Du Dir Deine Arbeitsstunden persönlich auch noch auf. Lass Dir die Stundenliste am Ende der Woche oder am Ende des Monats (je nach Absprache) von der Projektleitung abzeichnen, damit es wegen der Stunden, die Du ableistet, keine Irritationen gibt.

14) Urlaub, Krankschreibung, Fehlen

  • Urlaub: Urlaub meldest Du vorher an und sprichst das mit Deinem Team ab. Menschen mit Kindern haben Vorrang bei der Urlaubsanmeldung.
  • Fehlen: Kannst Du nicht pünktlich zur Arbeit kommen, sagst Du bitte Deinem Team Bescheid.
  • Krankheit: Wenn Du länger krank bist, bringst Du bitte am dritten Tag unaufgefordert Deine Krankschreibung. (Auch sollte Deine Hochschule/Schule/Ausbildungsstelle informiert werden.)

15) Sei erreichbar
Bei Außenterminen: Sage den anderen, wo Du bist, was Du machst und wie Du am besten zu erreichen bist. Gib eine Mobilfunknummer an. Dies gilt umso mehr, je öfter Du unterwegs bist.

16) Sei professionell
KollegInnen sind KollegInnen, Gäste sind Gäste, KundInnen sind KundInnen. Auch wenn das in einem Selbsthilfeprojekt nicht immer völlig eindeutig ist. Wenn Du die KollegInnen, Gäste und Kunden im Verein nicht mehr von Deinen FreundInnen unterscheiden kannst, machst Du etwas falsch. Ein Praktikum zu machen heißt in erster Linie, auf Zeit und in einem geschützten Raum ein neues Aufgabenfeld und Verantwortung zu übernehmen und daran zu lernen, sowie (Berufs-)Erfahrungen zu sammeln und diese auszuwerten.

17) Grundregeln
Die Grundregeln im Verein gelten auch für Dich: Keine Drogen, keine Gewalt, keine sexuelle Belästigung.

18) Wir sind  international
mob e.V./ strassenfeger ist ein international und interkulturell offenes Projekt. Unterstütze Menschen aus anderen Ländern und Kulturen, sich hier bei mob e.V. zurecht zu finden, und sei geduldig mit Menschen, die sich nur mühsam in der deutschen Sprache ausdrücken können. Wenn es notwendig ist, versuche Übersetzungen zu organisieren.

19) Datenschutz
Persönliche Informationen über Menschen, die Du bei mob e.V. kennen lernst, gehen keinen Dritten etwas an.

20) Freiheiten
Als PraktikantIn hast Du ein paar Freiheiten, die andere MitarbeiterInnen nicht haben.

a)  Du darfst Fehler machen. Trotzdem wäre es gut, wenn Du schnellstmöglich Bescheid gibt, wenn Du merkst, dass etwas schief geht.
b) Du darfst Dir alles angucken. Alles heißt alles, wenn es im Zusammenhang mit Deiner Ausbildung von Interesse sein könnte. Eine Praktikum oder Ausbildung zu machen, bedeutet, neugierig sein zu dürfen.
c) Du kannst und darfst an allen Sitzungen und Besprechungen teilnehmen.
d) Innerhalb Deines Praktikums ist der Verein für Dich eine Plattform für eigenständige Initiativen. Nutze die Chancen, solche Initiativen zu entwickeln und mit anderen zusammen zu verwirklichen.

21) Mitarbeiter-Status
Im Kaffee Bankrott gibt es MitarbeiterInnen-Preise. In den Trödelprojekten auch. Als PraktikantIn bist Du MitarbeiterIn. Also nutze die Gelegenheit! Aber Achtung: Das gilt nur für Dich und NICHT für Deine Freunde oder die Freunde Deiner Freunde.
Auch kannst Du Dir ein der Redaktion jeweils ein aktuelles Belegexemplar vom Strassenfeger abholen.

22) Praktikumsbericht
Solltest Du verpflichtet sein, einen Praktikumsbericht anzufertigen, ist es ausgesprochen klug, schon während des Praktikums mit ersten Aufzeichnungen dazu zu beginnen. Und denke bitte daran: Die Zeit, in der Du an Deinem Praktikumsbericht schreibst oder arbeitest, ist Praktikums- und somit Arbeitszeit.
Abschreiben gilt nicht und macht auch keinen Spaß. Wichtig an Deinem Bericht ist vor allen anderen Dingen, wie Du es siehst und empfunden hast. Sei mutig und schreibe genau das auf!
Sprich die grobe Struktur und die Entwurfsfassung vom Bericht nach Möglichkeit vorher mit der/dem PraktikumsanleiterIn ab. Nicht aus Gründen einer Zensur – so etwas gibt es nicht bei mob e.V., alles, was richtig ist, ist erlaubt -, sondern um grobe Falschaussagen über den Verein zu vermeiden.
Es wäre gut, wenn der Verein Deinen Praktikumsbericht veröffentlichen dürfte.

23) Praktikumsbeurteilung
Du hast ein Recht auf eine Praktikumsbeurteilung, die Du zusammen mit Deinem/Deiner PraktikumsanleiterIn erstellst. Daraus geht eindeutig hervor, ob Du das Praktikum bestanden hast oder nicht. Sei vorbereitet und bringe eine Dokumentation Deiner Tätigkeiten mit und überlege Dir, was in Deiner Beurteilung stehen soll.
Deine Praktikumsbeurteilung erarbeitest Du grundsätzlich zusammen mit Deinem/Deiner PraktikumsanleiterIn. Mache also rechtzeitig VOR Ablauf des Praktikums einen Termin und plane hinreichend Zeit dafür ein.

24) Praktikumsanleitung
Deine PraktikumsanleiterIn kann nur so gut sein, wie Du sie einbeziehst. Es ist Deine Aufgabe, im Kopf Deiner PraktikumsanleiterIn präsent zu sein, rüber zu bringen, was Du machst und woran Du gerade arbeitest, anzusprechen, was Deine Anliegen, Fragen und Probleme sind.
Als PraktikantIn hast Du das Privileg, Deine PraktikumsanleiterIn immer „stören“ zu dürfen. Nutze das!
Es ist an Dir, PraktikumsanleiterInnen-Gespräche zu vereinbaren, und auch zwischendurch um kurze Termine oder Gespräche zu bitten.
Grundsätzlich gilt: Lieber einmal zu oft als einmal zu wenig kommuniziert. Woher soll Deine PraktikumsanleiterIn denn wissen, dass irgendwas nicht stimmt, wenn Du es nicht ansprichst?
Also: Sei präsent

25) Verboten
Sage niemals, dass Du PraktikantIn bist – sonst wirst Du auch so behandelt. Und Kaffee kochen, Kartoffeln schälen und fotokopieren konntest Du ja bereits schon vor Deinem Praktikum. Sage, dass Du neue MitarbeiterIn bist oder lasse Dir eine andere wichtige Bezeichnung einfallen.

Wenn Du jetzt immer noch Praktikum machen willst, dann lege los!

Berlin, 18.03.2007


http://www.strassenfeger.org/mob/mitarbeit/0004/
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