Probleme, Grenzen und Chancen von sozialen (Selbsthilfe-)Treffpunkten mit Essensversorgung am Beispiel vom Kaffee Bankrott, Prenzlauer Berg, Berlin

Vortrag und Präsentation zum 2. Tafel-Symposion Esslingen 2012

Treffpunkt Kaffee Bankrott 1998 - Foto: mob - archivUpdate 30.03.2012, 00:54 Uhr, Karmeliter - Esslingen. Meine Präsentation ist fertig auf Prezi zu finden. Im Unterschied zum Abstract ist der Teil zum Kaffee Bankrott deutlich gestraffter, die skizzierten Perspektiven nehmen einen größeren Raum ein. Angeregt durch die Debatten des ersten Tages finde ich in der Erzählung des Pidder Lüng  (Achim Reichel/ Detlev von Liliencron (1844–1909) - eine radikal andere Position.

http://prezi.com/htbxrtrahtrg/schneider-stefan-prinzip-tafel-esslingen-2012/

Bezugsrahmen. Der Treffpunkt Kaffee Bankrott ist im Sommer 1998 entstanden, weil die Räume der selbstorganisiertennn Notübernachtung der Strassenzeitung strassenfeger zu klein wurden und die Projekte des Selbsthilfevereins mob – obdachlosen machen mobil e.V. sich weiter konsolidierten. Der Umzug nach Prenzlauer Berg an den Helmholtzplatz, damals ein sozialer Brennpunkt und für einige Jahre sogar ein Gefährlicher Ort, bedeutete einen Funktionswandel von einer Notübernachtung mit Essensselbstversorgung und gelegentlichen Gästen hin zu einem Treffpunkt mit planmäßigem Essensangebot und angeschlossener Notübernachtung. Ein solcher Entwicklungsschritt wäre nicht vorstellbar gewesen ohne die Versorgungsleistung der Tafel und erforderte bereits nach kurzer Zeit, sich davon zu emanzipieren, eigene konzeptionelle Wege zu gehen, um die wachsenden Bedarfe mit Hilfe einer von der Tafel weitgehend unabhängigen Infrastruktur zu gewährleisten. Über verschiedene Etappen entwickelt sich ein von offizieller Förderung unabhängiger Selbsthilfetreffpunkt mit dem Schwerpunkt Armut, der zum einen mit den Angeboten der Wohnungslosenhilfe eng vernetzt ist, zum anderen aber auch Züge eines Stadtteilzentrums aufweist und somit eine eigenständige sozialpolitische Funktion erfüllt, die es zu untersuchen gilt.

Fragestellungen. Anhand dieses Beispiels seit seinen Anfängen im Jahr 1998 bis etwa 2008 sollen typische Probleme eines unabhängigigen sozialen Treffpunktes und seiner Versorgungsfunktion herausgearbeitet werden, beispielsweise

  1. wie die Versorgung des wachsenden Bedarfes an Lebensmitteln organisiert werden konnte,
  2. wie eine eigene Versorgungslogistik aufgebaut wurde,
  3. wie Fragen der Lagerung, Haltbarkeit und Hygiene gelöst wurden,
  4. wie sich die Zusammenarbeit mit dem Lebensmittelamt und anderen Aufsichtsbehörden gestaltete,
  5. wie die Öffnungszeiten und die Personalausstattung gewährleistet werden konnten,
  6. wie die Finanzierung, Preispolitik und individuelle Anschreibe- bzw. Schuldenproblematik gehandhabt bzw. gelöst wurde,
  7. welche Missbrauchs- und Betrugsversuche unternommen und wie sie aufgedeckt wurden,
  8. welche Formen von Partizipation und Empowerment der Gäste entwickelt worden sind,
  9. welche Kommunikationsstrukturen und Hierarchien zwischen Nutzer_innen und Anbietern entstanden und welche Dynamik sie nahmen,
  10. welcher Nutzerkreis das Angebot tatsächlich in Anspruch nahm und wie diese Angebot genutzt und bewertet wurde und vor allem,
  11. welche kulturelle und sozialpolitische Bedeutung diesem Treffpunkt sowohl innerhalb des Stadtteils sowie insgesamt innerhalb von Selbsthilfe und Hilfe für Ausgegrenzte zukommt, und
  12. welche Fehler gemacht, welche Chancen genutzt und welche verpasst worden sind.

Verfahren. Datenbasis für die Untersuchung sind

  • eigene Erfahrungen in diesem Zeitraum als verantwortliches Vereinsvorstandsmitglied,
  • die Selbstdarstellungen des Treffpunktes im Wandel der Zeiten
  • die Eigenberichterstattung über die Jahre hinweg  in der 14tägig erscheinenden Straßenzeitung strassenfeger,
  • eine Sammlung von Presseberichten aus dem Zeitraum
  • eine Evaluation der Nutzer-/Gästezufriedenheit der Besucher des Treffpunktes Kaffee Bankrott 2007 (zusammen mit Anne Sommer)
  • Experten-Gespräche mit ehemaligen Mitarbeiter_innen und Nutzer_innen sowie
  • wenige auswertbare Publikationen.

Ergebnisse und Transfer. Auf Grundlage der Analyse und Bewertung der Daten soll eine Verallgemeinerung der Erfahrungen und Ergebnisse  in Hinblick auf Probleme, Grenzen und Chancen selbstorganisierter sozialer Treffpunkte vorgestellt und diskutierbar gemacht werden. Ist die Tafelbewegung wirklich nur ein entpolitisierter Versorgungsmodus Bedürftiger und welche Chancen bestehen, die entstehenden sozialen Kristallisationen auf Seiten von Anbietern und Nutzern aufzugreifen und zu transportieren in Projekte mit kulturellem, sozialem, politischen und emanzipatorischem Anspruch.

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