Liebesgedicht zum 1. Mai

Zärtlichkeit macht unpolitisch
und spätestens, wenn
Gedichte zu Sentimentalitäten verkommen
im Irrlicht der Gefühle und Duseleien...

Es ist doch so:
Die warme Sommernacht im Mondenschein
bricht an bricht ein
wenn wir uns auf die Straße
setzen, und Dire Straits hören,
Vodka auf Orangensaft trinken
und den Geschmack der großen weiten Welt
rauchen.

Unsere Liebe wird öffentlich sein, polltisch
vor aller Welt
und unsere Kinder werden sagen
wir bekennen, sie haben gelebt, sie haben
geliebt
und wir werden nicht mehr aus Angst
auf die Straße gehen
und uns in den Ecken und Nischen lieben
und leben und denken ...

Auf der Straße werden wir unser neues
Leben zelebrieren und lachen und lieben
und wir werden sagen Zärtlichkeit ist sehr politisch

- und unsere Politik ist zärtlich.

Für Martina aus Duisburg.
Und wenn es niemand weiß, es ist dennoch wichtig.
Und wenn - irgendwannmal vielleicht - die ganze Welt diese Zeilen liest,
die ganze Welt soll fragen, wer ist diese Martina ?

Stefan

Editorische Notiz:

Interessant, dass ich damals daran dachte, dass die ganze Welt diese Zeilen lesen könnte. Martina war Martina Stiefel, und sie arbeitete bei Atlas Film Verleih in Duisburg. Ich habe sie nie persönlich getroffen. Ich war mit ungefähr 19 Jahren im Club Maria Frieden, dem Jugendclub der gleichnamigen katholischen Kirchengemeinde, der Filmreferent und dafür zuständig, etwa alle 6 -8 Wochen einen Film vorzuführen. Es gab damals die 16 mm Filmprojektoren zu leihen, und vom Atlas Film Verleih kamen die Filmspulen in schweren Paketen per Post, in der Regel schon ein paar Tage früher. Weil wir das irgendwann kapierten, veranstalteten wir regelmäßig in unserer WG in der Hauptstraße ein sogenantes Preview. Das heißt, wir spannten im großen Erkerzimmer ein oder zwei Laken, öffneten die Flügeltür und positionierten im Flur den Projektor. Das ergab ein einigermaßen großes Bild. Zur Filmvorführung besorgten wir dann ein paar Kästen Bier, luden unsere Freunde ein und Menschen, auf die wir Lust hatten, und sobald es dunkel war - und das insbesondere im Sommer doch sehr spät. Ging es los. Weil ich dann den Film schon kannte, konnte ich am darauffolgenden Abend in den Clubräumen mich aufs Knutschen konzentrieren, was mir ausgesprochen Freude machte.
Und mit Martina aus Duisburg habe ich immer ausgiebig geflirtet, wenn ich sie anrief um einen neuen Film zu bestellen. Sie arbeitete damals in der Dispostion.

Warschau 09.01.2012 Stefan Schneider

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