15.05.2003 - Oderberger Str. 12 / Wohnungspolitische Selbsthilfe 1999 - 2004

Vorarbeiten und Sanierung (1999 - 2003)

mitten drin im bauprozess ...
mitten drin im bauprozess ...
Im Dezember 1999 hat der Verein mit der Eigentümerin des Grundstücks Oderberger Str. 12 in Berlin - Prenzlauer Berg einen Erbbaurechtsvertrag mit einer Laufzeit von 50 Jahren abgeschlossen. Das Grundstück ist bebaut mit einem Vorderhaus, das zum Zeitpunkt des Vertrages vollständig bewohnt war, sowie mit einem Quergebäude, welches seit der Wende leerstand und zu DDR-Zeiten für einen Außenhandelsbetrieb als Bürogebäude genutzt wurde. Auf dem zweiten Hinterhof stand außerdem eine Remise, die inzwischen abgerissen ist. Beide Häuser wurden um 1880 gebaut und sind in einem dringend renovierungsbedürftigen Zustand.

Zeitgleich zum Abschluß des Erbbaurechtsvertrages mit der Eigentümerin hat der Verein bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in Berlin einen Antrag auf Förderung im Rahmen des Programms „Wohnungspolitische Selbsthilfe", ModInst RL 96 gestellt. Der Fördervertrag konnte im Jahr 2000 abgeschlossen werden. Das Förderprogramm sieht dabei vor, daß wenigstens 15% des Bauvolumens durch die Selbsthilfegruppe in Eigenleistung erbracht werden („Muskelhypothek").

Ausschlaggebend für die Entscheidung des Vereins, mit der Eigentümerin einen Erbbaurechtsvertrag abzuschließen und bei der Senatsverwaltung einen Antrag auf Förderung zu stellen, war die Überlegung, daß auf diesem Wege zunächst Arbeits- und später Wohnmöglichkeiten für obdachlose, ehemals obdachlose, arme und ausgegrenzte Menschen geschaffen werden. Außerdem wird dieses Vorhaben als weiterer Schritt der Institutionalisierung, Verstetigung und Nachhaltigkeit des Selbsthilfeansatzes des Vereins gesehen.

Neben der Nutzung des Hauses durch Wohnungen und gemeinnütziges Gewerbe (Vereinsbüro und Trödelladen) ist die Schaffung von Gemeinschaftsflächen (hier: Ausbau der Durchfahrt des Quergebäudes) sowie eine Hofbegrünung ausdrücklich vorgesehen. Auch ist eine Solaranlage zur Energiegewinnung vorgesehen.

Nach Fertigstellung der Sanierung voraussichtlich im Mai 2003 ist die Vermietung in Selbstverwaltung durch den Verein vorgesehen. Vorrangig ist dabei der Abschluß von Mietverträgen mit armen und ausgegrenzten Menschen, Obdachlosen, ehemals obdachlosen und von Obdachlosigkeit bedrohten Menschen. Weiterhin ist vorgesehen die Nutzung durch gemeinnütziges Gewerbe; das Vereinsbüro wird im Quergebäude einziehen, und im Souterrain im Vorderhaus ist ein gemeinnütziger Trödelladen des Vereins geplant. Nach Fertigstellung der Wohneinheiten im Vorderhaus und Quergebäude in Selbsthilfe durch die zukünftigen Bewohner bzw. Nutzer werden reguläre Mietverträge abgeschlossen. Ausschlaggebend dafür ist die Überlegung, in dem Haus keine Einrichtung der Obdachlosenhilfe zu schaffen, sondern integrierend zu wirken, indem normale Wohn- und Mietverhältnisse hergestellt werden. Durch die Anbindung an den Verein und durch gewachsene Selbsthilfestrukturen, aber auch durch die Einbeziehung von Betreuungsformen im Einzelfall können die Hilfeangebote gewährleistet werden, die im Einzelnen benötigt werden.

Nach Fertigstellung der Wohneinheiten im Vorderhaus und Quergebäude in Selbsthilfe durch die zukünftigen Bewohner bzw. Nutzer werden reguläre Mietverträge abgeschlossen. Der Kreis der Selbsthelfer bildet sich aus Menschen, die über die Arbeit des Vereins „mob - obdachlose machen mobil e.V." und seiner Teilprojekte „strassen|feger" (Strassenzeitung), „Kaffe Bankrott" (Treffpunkt und Notübernachung), „Trödelpoint" (Trödel- und Wohnungseinrichtung) erreicht werden. Ihnen ist gemeinsam, daß sie arm und ausgegrenzt, häufig auch obdachlos oder ehemals obdachlos oder von Obdachlosigkeit bedroht sind. Hinzu kommen häufig eine Reihe weiterer Schwierigkeiten.

Erläuterungen zur Finanzierung:
  • Der Verein mob e.V. hat mit der Eigentümerin des Grundstücks im Jahr 1999 einen Erbbaurechtsvertrag mit einer Laufzeit von 50 Jahren geschlossen.
  • Die Finanzierung des Bauvorhabens erfolgt über das Berliner Förderprogramm „Wohnungspolitische Selbsthilfe", ModInst RL 96 des Landes Berlin. Die Grundsätze dieses Förderprogrammes sind:
    - 42,5 % Förderung,
    - 42,5 % Darlehen,
    - 15,0 % Eigenanteil, der in Eigenleistung („Muskelhypothek") zu erbringen ist.
  • Das Programm "Wohnungspolitische Selbsthilfe", ModInst RL 96 des Landes Berlin wird gegenwärtig (Stand: Juni 2001) in Frage gestellt. Sollte es zu einer Erhöhung des zu leistenden Eigenanteils kommen, werden in Zukunft Projekte wie das unserige grundsätzlich nicht mehr durchführbar sein.
  • Auch ohne diese Einschränkung ist das Programm nicht völlig unproblematisch. Die Förderung bezieht sich ausschließlich auf die Baukosten. Bei dem durchführenden Verein ist damit ein hoher Organisationsgrad vorausgesetzt, um die anfallenden Arbeiten zu leisten. Auch fallen eine Reihe von Gebühren an, deren Finanzierung nicht einfach ist, d.h. der Eigenanteil ist insgesamt wesentlich höher, als allein nur die 15% der zu erbringenden baulichen Selbsthilfe.
  • Nicht gefördert sind zum Beispiel die Kosten und die Arbeit, die dem Verein aus seiner Rolle als Bauherr entstehen. Insbesondere die umfangreichen Vorbereitungsarbeiten wurden ehrenamtlich erbracht. Auch sind wünschenswerte Ausbauten wie die Errichtung einer Solaranlage auf dem Dach nicht aus dem Förderprogramm heraus finanzierbar.
Projektbeteiligte:
  • mob - obdachlose machen mobil e.V.
  • Land Berlin
  • Investitionsbank Berlin
  • Architekten
  • Bauhaupt- und Baunebengewerke
  • Selbsthilfegruppe
  • Selbsthilfebauleiter
  • Mieterberatung
  • Sanierungsbeauftragter des Landes Berlin
  • Bezirksamt Pankow von Berlin - Sanierungsverwaltungstelle
Ansprechpartner:
 
Jutta Welle, Dr. Stefan Schneider
mob - obdachlose machen mobil e.V./ der strassen|feger
Prenzlauer Allee 87, 10405 Berlin
mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Tel: 030 - 46 79 46 11
Fax: 030 - 46 79 46 13
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