Eklat bei der PDS

Obdachlose fordern Schadenersatz

Mittlerweile ist die PDS fest im parlamentarischen System der Bundesrepublik verankert. So die Partei sich nicht mit sich selbst beschäftigt, wähnt sie sich gar auf dem Weg zur bundesweiten Regierungsverantwortung. Doch kaum, da§ Bisky und Gysi ihren Rückzug erklärt haben, weht auch schon ein anderer Wind im Liebknecht-Haus. Zu spüren bekamen das zuerst die Ausgegrenzten, Stigmatisierten, Marginalisierten und an den Rand der Gesellschaft Gedrängten.

Am Freitag, den 29. April, kam es in den späten Nachmittagsstunden vor der PDS-Zentrale am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin-Mitte zum Eklat: Zwei unbedachte Mitarbeiter des überaus unterhaltsamen wie intellektuell stimulierenden Obdachlosenperiodikums "strassenzeitung" wollten die Genossen mit Plakaten zum 1. Mai auf eine Veranstaltung der besonderen Art aufmerksam machen. Unter dem Motto "Draussen ohne Tür; (K)eine Wohnung - (K)eine Arbeit" treffen sich die Unbehausten der Hauptstadt ab 12 Uhr im Biergarten auf dem Pfefferberg.*

Das Interesse der Sozialisten an der Wohnungslosenproblematik scheint sich sich jedoch in Grenzen zu halten. Wie anders ist es zu bewerten, da§ das ästhetisch durchaus ansprechende Plakat zu diesem Event umgehend entfernt wurde. Dem noch nicht genug, riss ein Angestellter des Hauses den Eimer mit dem Kleister an sich. So sind sie, die Kommunisten: Obdachlosen den Kleister-Eimer wegzunehmen...

Der Verein "obdachlose machen mobil", mob e.V., sieht in diesem skandalösen Vorfall nicht nur einen zu ahndenden Diebstahl, sondern auch einen Indikator für die Politikunfähigkeit der PDS, sie ist keine Partei der Schnorrer.

Da die Machtverhältnisse auf der PDS-Bundesebene nocht nicht geklärt sind, sieht sich mob e.V. gezwungen, den Berliner Landesverband in die Pflicht zu nehmen. Obgleich wir wissen, dass Petra Pau nicht für jedes ihrer Mitglieder die Verantwortung übernehmen kann, denken wir, dass in diesem Fall eine Grenze überschritten worden ist. Wir fordern daher die PDS-Landesvorsitzende auf Schadenersatz zu leisten (DM 4,95) bzw. unserem Sozialprojekt einen (auch neuen) Eimer zur Verfügung zu stellen.

Der Herausgeberverein der strassenzeitung behält sich weitere Schritte vor.

Berlin, 30.04.2000

Für die strassenzeitung und deren Herausgeberverein mob - obdachlose machen mobil e.V.

Stefan Schneider

Vorsitzender

*) Journalisten haben selbstverständlich frei Zugang. Für Essen & Trinken ist gesorgt, desgleichen für Live-Musik. Es spielen auf: Big Joe Stolle & Band, die Cellolitas, André Herzberg (Ex-Pankow) und Dirk Michaelis (Ex-Karussell).

Adresse: Pfefferberg, Schönhauser Allee 176, U-2 Senefelder Platz


Editorische Notiz: Diese Pressemitteilung hat im wesentlichen Krampitz formuliert. Ob sich dieser Zwischenfall so zugetragen hat oder nicht, ist zweitrangig. Getreu nach dem Motto: Nicht zu Politiker benutzen uns, sondern wir benutzen die Politiker, haben wir versucht, mit einem "Skandälchen" die Aufmerksamkeit der Medien zu erlangen. Eine stinknormale Pressemitteilung wäre mit Sicherheit nur im Papierkorb gelandet.

Berlin, 24.04.2011, Stefan Schneider

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