Edito

Der große WYGOTSKIJ prägte einmal den Begriff von der "Tätigkeit in der Zone der nächsten Entwicklung". Er meinte damit den engumgrenzten Bereich zwischen den endlosen Variationen des gegenwärtig Gekonnten und Erreichten einerseits und der vollzogenen (Selbst)Überschätzung mit den Resultaten Überforderung, Überlastung, Resignation und letztendlichem Stillstand oder gar Rückzug andererseits. Allein in diesem Raum, der wohl nie genau beschrieben werden kann, weil er so relativ ist, sei, so die darin enthaltene Aussage, ein relevantes, beständiges und stabiles individuelles als auch gesellschaftliches Vorwärtskommen möglich. Alles andere ist vorübergehend, schöner Schein und letztendlich Selbstbetrug.

Ein Jahr Aufruhr ist ein Anlaß, einmal kritisch zu bilanzieren: Was war denn konkret an Tätigkeit und an neuer Qualität... Präziser gefragt: Beweg(t)en wir uns denn - das gilt sowohl für Einzelne als auch für das Projekt selbst - in dieser "Zone der nächsten Entwicklung"?

Dies zu bewerten, ist nicht in erster Linie unsere Aufgabe - aber trotzdem wird sich an dieser Frage entscheiden, ob wir als Selbsthilfeprojekt dauerhaft erfolgreich sein können. Und ergänzend dazu thematisieren wir denn auch rückblickend in dieser Ausgabe: Was tut not, um herauszutreten aus dem Zustand entwürdigender Obdachlosigkeit? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit jemand von sich sagen kann: Ich bin nicht mehr auf der Straße, ich bin nicht mehr obdachlos?

Ich meine, wir haben einiges bewegt und werden weiter bewegen. Aber lesen und urteilen Sie bitte selbst.

Wie auch immer: Obdachlosenprojekte wie mob e.V. und strassenfeger sind (gesellschaftliche) Tätigkeit und noch immer in (der Zone der nächsten) Entwicklung - auch wenn einer motzt!

In diesem Sinne

Stefan Schneider

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