Vorbemerkung der Redaktion: Unser langjähriger Mitarbeiter Bruno Katlewski wirkte in den letzten Wochen immer so deprimiert. Um ihn ein bißchen aufzumuntern, gaben wir ihm zwei Karten für das Musical RENT und baten ihn, das Stück zu rezensieren. Was nach dem Besuch bei RENT mit ihm passiert ist, wissen wir nicht so genau. Angeblich hat sich Bruno in die Einsamkeit der Lüneburger Heide geflüchtet und arbeitet dort in einem abgestellen Bauwagen an einem eigenen Musical, Arbeitstitel "KNALT". Auf seinem seit einer Woche verwaisten Schreibtisch fanden wir folgende Notizen:

Was ein Musikell ist:

RENNT ist ein Musikell. Ein Musikell hat, wie der Name sagt, was mit Musik zu tun. So war es denn auch.

Woran man RENNT erkennen kan:

Wieso die bei der ganzen Werbung zu RENNT das immer falsch geschrieben haben, weiß ich auch nicht. Ich habe mir extra die Mühe gemacht und im Duden nachgeschaut. Auf Seite 596 steht es. Und RENT gibt es gar nicht. Aber man kann auch nicht an alles denken. Auch dass die Musiker immer frische Noten haben und dass die Requisten am richtigen Platz liegen. Wer soll das alles im Kopf behalten. Man kann also RENNT erkennen an Plakaten, wo RENT draufsteht.

Ob die Werbung für RENNT gut ist:

Die Gesichter auf den Werbeplakaten spielen auch in echt. Das ist von Vorteil, denn so erkennt man sie wieder. Nur auf den Fotos sehen sie ungünstiger aus. Aber das ist mit dem Foto auf meinem Personalausweis ganz genauso.

Wie RENNT funktioniert:

Das ganze Musikell besteht aus der ersten Halbzeit, der Halbzeitpause und der zweiten Halbzeit. Als ich da war, gab es auch noch eine Verlängerung. Also genauso wie beim Fußball, nur ohne Ball aber mit Mannschaft. Wenn man also kurz nach halb acht da ist, um die Karten zu holen, ist man um 11 Uhr wieder auf der Strasse, um nach Hause zu gehen. Ob es immer eine Verlängerung gibt, weiß ich nicht. Ohne Verlängerung ist es denn früher zu Ende, vielleicht um halb 11.

In der Halbzeitpause kann man gut pullern gehen, was ich dann auch tat. Trotzdem war genug Zeit, um draußen noch gemütlich eine zu rauchen.

Vor dem Anpfiff und in der Halbzeitpause kann man was zu trinken kaufen. Als ich gesehen habe, dass selbst Cola schon 5 Mark kostet, hab ich gar nicht mehr nach dem Sekt gefragt. Deswegen kann ich nur empfehlen, genug Bier in der Tasche mitzubringen. Kontrollen gibt es keine. Die Dosen kann man auch ruhig liegen lassen, denn nach dem Ende laufen Leute durch und räumen alles weg. Und die wollen auch was zu tun haben.

Ob die Schauspieler von RENNT sexy sind:

Leider gibt es keine richtigen Nacktszenen, sondern nur fast. Alle sind ganz jung, so zwischen zwanzig und dreissig. Nur die Musiker wirken älter, aber die spielen ja auch nur Musik und keine Rolle. Aber so ist für jeden Geschmack etwas dabei. Auch die Jungs sind sehr knackig. Wenn man ganz vorne sitzen tut, sieht man natürlich am meisten. Allerdings kann man nicht in den Ausschnitt gucken, vielleicht wenn man oben sitzen tut. Ich glaube, jetzt verstehe ich, warum die Leute in den Opernhäusern immer mit Fernglas hingehen.

Woher die Handlung kommt.

Die Handlung kommt, weil Herny Murger ein Buch geschrieben hat, das La Boheme heißt. Dann kam Giaccomo Puccini und hat aus dem Buch eine Oper gemacht. Karismäki, so ein Filmemacher aus Finnland, hat die Oper dann verfilmt, allerdings nur in schwarzweiss. Und weil das heutzutage unmodern ist, gibt es jetzt dazu das ganz frische Musikell. Wahrscheinlich mußte man deswegen auch den Namen ändern und die Handlung sowieso.

Wie die Handlung ist.

Die Handlung habe ich ehrlich gesagt nicht so völlig verstanden. Also da ist einer, der immer Filmaufnahmen macht, und am Ende dann zeigt er auch einen Film. Dann ist da auch eine Frau, also Du denkst, das ist eine Frau, und in Wirklichkeit ist das aber ein Mann. Die Frau kann gut tanzen. Irgendeiner von den beiden stirbt dann auch. Überhaupt wird in dem Stück viel gestorben, vor allem im zweiten Teil. Bei Musikells habe ich mir sagen lassen, dauert das dann immer etwas länger. Das ist dann immer sehr traurig.

Dann soll da noch ein Haus abgerissen werden, wo da aber Obdachlose drin wohnen. Das wird dann geräumt und wieder besetzt und es gibt ein Benifitz-Konzert, wo jemand ganz toll singt. Das ganze spielt übrigens im Winter. Wahrscheinlich sollte ich deswegen auch hingehen.

Das es eine Liebesgeschichte auch noch gibt, ist ja logisch. Die beiden singen dann im Duett.

Die genaue Handlung kann man übrigens nachlesen, weil vorher Zettel verteilt werden, wo einem das erklärt wird. Ich fand das auch ganz schön kompliziert mit den vielen Darstellern, wie man auf dem Foto gut erkennen kann. Wenn da jeder auch nur eine kleine Rolle spielt, kommt ganz schnell ganz viel Handlung auf. Rauchen darf man bei der Vorstellung trotzdem nicht.

Was man bei RENNT mit den Klamotten machen kann:

Es hat dann auch eine Gardrobe gegeben. Weil aber im Sommer keiner Mäntel anhalt, hat man die eigentlich gar nicht gebraucht. Das Geld hätte man sich auch sparen können. Und was am Schlimmsten ist: Die wollten vorher gleich zwei Mark haben, und dann weiß man aber noch gar nicht, ob man das wieder kriegt. Jedenfalls habe ich nicht bemerkt, daß sich da einer beschwert hat. Ich weiß aber nicht, was passiert, wenn man die Sachen noch ein paar Tage länger da lassen tut.

Ob es einen Fanclub von RENNT gibt, habe ich leider vergessen zu fragen. Aber man kann T-Shirts kaufen und Anhänger glaube ich, außerdem schicke Cds die aber ziemlich teuer sind. Ich persönlich habe nichts gekauft, aber andere schon.

Ob man RENT empfehlen kann:

Auf alle Fälle. Man sollte sogar zweimal hingehen. Wenn man beim ersten mal weiß, wie alles geht, kann man beim nächsten Mal viel besser auf die Einsätze achten.

Man kann die Schauspieler sogar auf der Bühne anrufen, dann reden sie mit einem oder singen vielmehr. Ich habe es leider nicht geschaftt, die Telefonnummern herauszufinden. Das finde ich sehr multiaktiv und innoderm. Man muss ja mit der Zeit gehen.

Wie man umsonst da rein kommen kann:

Wenn man eine Schullklasse ist, gibt es eine Ermäßigung. Und wenn man sagt, daß man von einer Zeitung ist, kann man auch Karten bekommen. Allerdings muß man vorher anrufen. Dann haben die sogar an der Kasse einen Briefumschlag mit Informationsmaterial. Da habe ich aber nicht abgeschrieben, weil ich mir liebe meine eigene Meinung bilden tue. Außerdem muß man beachten, daß man sich eine Zeitung sucht, die noch nicht darüber geschrieben hat, sonst tut das auffallen.

Die an der Kasse kennen mich inzwischen schon und fragen mich, für welche Zeitung ich denn heute da bin. Gestern war ich für den Böblinger Kurier da, übermorgen gehe ich für die Spessarter Allgemeine hin. Für nächste Woche muss ich mir noch Zeitungsnamen ausdenken.

Da die mich inzwischen schon kennen, sage ich immer, jede Zeitung will einen Originalbericht haben. Wenn ich zum Beispiel für den Regensburger Boten mir das Stück angucke, dann bin ich doch nicht für das Bielefelder Echo konzentriert und umgekehrt. Umsonste Pressekarten nehmen auch keinem was weg. Und außerdem muss man auch immer seine Zeit opfern, was ich aber für RENNT gerne tue.

Zusammenfassung

Man ist eigentlich ganz gut bedient, weil alles auf einmal ist von Musik und Rollen und bequeme Sitze. Man sollte sehr viel mehr in Musikell machen. Scheint gar nicht so schwierig zu sein.

Bruno Katlewski

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