Asbest und Knöterich

Der Stand der Bauarbeiten in der Prenzlauer Allee            (4180)

"An und für sich", sagt Andreas B., "ist das ganz einfach: Also, zuerst wird das Dach neu gedeckt. Dann wird der Raum für die Notübernachtung fertiggestellt. Und wenn wir in der Zwischenzeit noch den Sanitärbereich fertig stellen, haben wir gewonnen." Andreas arbeitet bei mob - obdachlose machen mobil e.V. Weil er in seinem früheren Leben eine Baufirma hatte, kennt er sich aus im Baugeschehen, kann sagen, was zu tun ist.

Die alten Räume in der Schliemannstrasse 18 waren einfach zu eng geworden. Ohne staatliche Förderung und allein aus eigener Initiative betreibt mob e.V. am Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg den Treffpunkt Kaffe Bankrott mit sozialer Beratung und Notübernachtung. Insbesondere für obdachlose Menschen ist dieser Ort als Anlaufstelle von besonderer Wichtigkeit. Deshalb hat der Verein mob e. V. in der Prenzlauer Allee 87, also nicht weit vom alten Standort entfernt, neue Räumlichkeiten angemietet, die um einiges mehr Platz bieten für die unterschiedlichen Nutzungen. Das Ganze hat nur einen kleinen Haken: Die Räumlichkeiten müssen noch instandgesetzt werden. Und das unter Zeitdruck: Bis Mitte Oktober, also mit Beginn der kalten Jahreszeit, muss wenigstens der Notübernachtungsraum fertig sein. Weil aber auch die neue Überdachung des Hofes, die Fertigstellung der Toiletten und das Verlegen der Fußböden dazugehören, kommt langsam Stress auf.

Unser Bauleiter vor Ort schildert, worum es geht: "Als wir das Objekt Prenzlauer Allee 87 vor Einzug besichtigten, sahen wir eine von beiden Seiten beplankte Dachkonstruktion. Von oben war diese mit wunderschönem Wildbewuchs überzogen. Dieses war zwar sehr ökologisch sehr schön, doch unser Innenhof hatte kontinuierliche Wasserschäden: Mit anderen Worten, das Dach war undicht. Eine erste Prüfung ergab: Die Eindeckung bestand aus Leichtmetallwellplatten. Doch denkste: Nur die Hälfte war Leichtmetall, und die andere unsäglicherweise aus Wellasbestplatten. Eine Mitbewohnerin des Hauses, die sich über unsere Entgrünung des Dachbereiches aufgeregt hatte - diese war notwendig geworden, um die undichten Stellen freizulegen - schickte uns die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Abteilung Lärm- und Staubbekämpfung, zur Mithilfe. Man kann sich gar nicht vorstellen, welche Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden müssen, um Asbest fachgerecht abzumontieren und dann anschlieflend zu entsorgen. Dieser Kostenaufwand für diese Arbeiten war uns in diesem Ausmaße nicht bewusst. Unter Anleitung eines Architekturbüros führten diese Arbeiten ehrenamtliche Mitarbeiter unseres Vereines durch. Das heiflt, die Arbeiten müssen beaufsichtigt werden von einem Beauftragten für Arbeitsschutz, das Dach selbst muss beim Abbau ständig gewässert werden, um sicherzustellen, dass keine Asbestfasern freigesetzt werden. Damit der Schutz der arbeitenden Menschen gewährleistet ist, sind alle Mitarbeiter, die auf dem Dach arbeiten, gehalten, Vollschutz zu tragen. Und außerdem ist eine sehr kostenintensive und fachgerechte Entsorgung vorgesehen, die wir mit weinendem Auge - mit Blick auf die Kosten - auch umsetzen, damit das Asbest keinen weiteren Schaden mehr anrichtet."

Als nächstes großes Vorhaben steht der Fußbodenaufbau für die zukünftigen Räumlichkeiten des Kaffe Bankrott auf der Tagesordnung. Ehemaliger Gefälleestrich muss zu einer ordnungsgemäßen ebenen Fläche hergestellt werden. Das ist der nächste große Kostenfaktor. Gebraucht werden Zement sowie 0,8 mm Kies gewaschen und Estrichbewehrung. Das wird wieder ein großer Drahtseilakt, dieses zu finanzieren.

Von daher benötigt mob e.V. die Unterstützung von Leserinnen und Lesern des strassenfegers bei der Suche nach Material. Auch Geldspenden für die neue Notübernachtung sind nützlich, weil hiervon Material für den laufenden Ausbau angeschafft werden kann. Oder, wie Andreas B. es treffend formulierte: "Weil dann die Betten gerade stehen können. Die Firma Hellweg half uns schon mit Fußbodenfliesen. Vielleicht finden sich für die anderen Dinge auch noch edle Spender." Er ist optimistisch, dass zu Beginn der kalten Jahreszeit das wichtigste fertig wird. Zeit läuft.

Stefan Schneider

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