Krause hat Fenster  

In den letzten Ausgaben hat der strassenfegers kontinuierlich dafür geworben, den Verein mob - obdachlose machen mobil e.V. darin zu unterstützen, Räume auszubauen, um für den Winter eine Notübernachtung für Bedürftige fertigzustellen. Das Motto dieser kleinen Kampagne war: Fenster für Krause. Krause, selbst zur Zeit obdachlos, war mit einer der vielen Freiwilligen, die eigentlich Tag für Tag auf der Baustelle vor Ort waren, um zu helfen. Im Sommer klafften in der Tat im ersten Stock noch riesige Löcher. Die Feststellung, dass das Dach erneuert werden musste, weil es mit defekten, asbesthaltigen Platten gedeckt war, hielt den Verein noch zusätzlich auf. Der eine oder andere Leser mag sich vielleicht erinnern an die spektakulären Bilder von Menschen, die in Vollschutzanzüge, wie Kosmonauten verkleidet, auf dem Dach fuhrwerkten. So erforderten es die Bauvorschriften, so wurde es auch umgesetzt. Inzwischen gibt es ein neues, dichtes Dach und die Arbeiten konnten fortgesetzt werden. Auch Krause war dabei. Im nächsten Schritt gelang es dem Verein, isolierverglaste Fenster zu besorgen - Spenden natürlich - die vom Format auch in die Öffnungen der ehemaligen Lackiererei passten. Die Löcher in der Wand mussten noch etwas aufgemauert werden, die Rahmen wurden sorgsam eingesetzt, und gestern meldete der bauleitende Mitarbeiter: Die Fenster sind jetzt drin - kannste gucken. Damit ist dieser Teil der Arbeit geschafft, aber noch immer ist das Ziel der Fertigstellung der Notübernachtung in weiter Ferne. Das liegt daran, dass die Arbeiten sich bisher konzentrierten auf die Fertigstellung der Treffpunkträume. Im Aufenthaltsraum wurde Fussbodenestrich gegossen um die Voraussetzungen für das Fliesen der Fußböden zu schaffen. In dem Bereich der Küche wurde daran gearbeitet, einen Fußbodenabfluß zu gewährleisten, um die Küche gut reinigen zu können, sowie die notwendigen Zu- und Abflüsse für die Spüle zu gewährleisten. Auch an die notwendigen Stromanschlüsse musste gedacht werden. Ein weiteres großes Thema waren die Toiletten. Im Moment ist es so, dass alle in dem Standort arbeitenden Menschen sich eine Toilette teilen müssen. Und die Redaktion sitzt genau im Durchgangszimmer. Deswegen wurde - auch Krause war mit dabei - gleichzeitig ganz intensiv daran gearbeitet, einen Toilettentrakt fertigzustellen, der sich vom Treffpunktraum her erschließt. Und zwar zum einen eine behindertengerechte Toilette, ein Pissoir für die Männer und eine zweite Toilette. Die Redaktion dieser Zeitung wird dankbar sein, wenn sie dann etwas ruhiger arbeiten kann. Und zugleich hat die Haustechnikabteilung die ersten Lichtanschlüsse für den Treffpunktraum gelegt. Damit ist klar: In den letzten Wochen ist ganz viel passiert, aber in Sachen Notübernachtung ist nichts weiter geschafft worden außer, dass Krause jetzt seine Fenster hat. Ansonsten ist die zukünftige Notübernachtung ein einziger, etwas grau und traurig guckender Rohbauraum.  

Was ist hier los? Kriegen die das nicht hin? Dazu ist es notwendig, sich den Charakter dieser Baustelle vor Augen zu führen. Der Verein mob e.V. ist weder finanzstark noch verfügt er über einen Sponsor. Vielmehr basiert die Arbeit des Vereins auf ehrenamtlichem Engagement vieler Menschen und der Bereitschaft, Menschen die Gelegenheit zu geben, ihre gemeinnützige Arbeit oder ihre Freie Tätigkeit - salopp gesprochen: Arbeit statt Strafe - oder ihr Praktikum bei uns abzuleisten. Arbeit ist somit für alle Beteiligten eine Chance, sich in ein laufendes Vorhaben aktiv einzubringen, den guten Willen zu zeigen und mitzuwirken bei einem Prozeß, bei dem man Schritt für Schritt Resultate sehen kann. Hinzu kommt, dass alle Mitwirkenden neben der Mitarbeit in unserem Projekt noch ihre privaten Angelegenheiten regeln müssen. Ich kann morgen nicht kommen, weil ich erst mal zum Sozialamt muß, ist ein Satz, der häufig fällt. Oder zum Wohnungsamt, oder zum Arbeitsamt oder irgendwelche anderen wichtigen Besorgungen. Diesem an und für sich wichtigen Anliegen kann man nur schwer widersprechen, weil eben ein Ziel des Vereins auch ist, dazu beizutragen, dass Menschen ihre Lebenslage verbessern. Auch wenn es sich dann gerade im konkreten Fall genau um den Menschen handelt, der gerade den Wasseranschluß legen oder die Wand verputzen könnte. Wenn man dazu weiß, dass im laufenden Ausbau im Prinzip nur gespendete Materialien verarbeitet werden können, wird klar, dass es nur langsam vorangehen kann. Was zus‰tzlich an Material eingekauft werden muß, muß der Verein mob e.V. mühselig erwirtschaften durch das gemeinnützige Trödelprojekt. Damit ist das Vorhaben Fenster für Krause ein Geduldspiel, ein riesengroßes Puzzle. Gefragt ist von allen Beteiligten eine buddhistische Grundhaltung, eine große Gelassenheit. Um so mehr ist es wichtig, dass der Verein Unterstützung erfährt durch interessierte Leserinnen und Leser, die dieses Grundanliegen unterstützenswert finden und bereit sind, Geld, Material oder Zeit zur Verfügung zu stellen. Fenster für Krause, ein wichtige Hürde hat der Verein mob e.V. nehmen können.  

Bruno Katlewski 

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