SelbstHilfe - Der Mensch ist Mittelpunkt!

Nach unseren Schätzungen werden - allein im Land Berlin - im Jahr mehr als 1.000 Menschen von SelbstHilfegruppen im Bereich Wohnungslosenhilfe erreicht. Erreicht bedeutet hier, daß diese Menschen in irgendeiner Form eingebunden werden dergestalt, daß damit eine, manchmal unmittelbare, manchmal nachhaltige Verbesserung der Lebenslage erreicht wird. Setzen wir diese Zahl ins Verhältnis zu den weniger als 10.000 im Land Berlin registrierten Wohnungslosen, dann heißt dies, daß deutlich mehr als 10% der Wohnungslosen in SelbstHilfegruppen eingebunden sind. Mit Blick auf die bisher entstandenen Initiativen und Gruppierungen ist zu erwarten, daß dieser Bereich auch in den nächsten Jahren noch weiter zunehmen wird, sowohl was die Vielzahl der Projekte angeht, als auch in Bezug auf den Anteil der erreichten Personen. Hinzu kommt der Anteil der Wohnungslosen, die, in welchen Formen auch immer, an den vielfältigen Aktivitäten im Bereich des ehrenamtlichen und bürgerschaftlichen Engagements eingebunden sind. Das fängt an bei Menschen, die in kirchlich organisierten Suppenküchen mitarbeiten und geht weiter bei den Wohnungslosen, die bei den Tafeln als Beifahrer zum Laden tätig sind. Auch in den konventionellen Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe wird ein Großteil der Arbeit und der Angebote nur deshalb bestritten, weil Wohnungslose oder ehemals Wohnungslose dort tätig sind, oftmals ehrenamtlich oder mit nur geringer Entlohnung. Auch dies sind SelbstHilfepotentiale, auf die hier zurückgegriffen wird. Oftmals ist es doch so, daß Menschen, die in akuter Not waren, nach der Überwindung der schlimmsten Zeit für sich selbst das Bedürfnis entwickeln, wiederum anderen helfen zu wollen. Schon jetzt ist der Anteil von SelbstHilfe und SelbstHilfestrukturen oder Ansätzen und Potentialen dafür wesentlich größer, als wir vielleicht wahrzunehmen bereit sind.

Angesichts dieser Bedeutung von SelbstHilfe in der Wohnungslosenhilfe fordern wir

  • eine systematische Finanzierung für Initiativen, Gruppen und Verbände sozialer SelbstHilfe und bürgerschaftlichen Engagements auf den Ebenen EU, Bund, Länder und Kommunen,
  • Programme der Wohnungspolik, die es vorrangig Wohnungslosen und SelbstHilfegruppen ermöglichen, über Grund und Boden, Immobilien und die Finanzierung von Bauvorhaben in Eigenregie zu verfügen, ohne daß ein etablierter Hilfeträger dazwischen geschaltet werden muß,
  • innovative Modelle im Bereich der Arbeitsmarktpolitik, wo ganz klar beschrieben und gefordert werden muß, daß immer da, wo Obdachlose und engagierte Bürger jenseits von konventionellen Beschäftigungsformen anfangen, Arbeitsstrukturen aufzubauen, eine ganz deutliche Selbstbestimmung gegenüber den Ämtern erreicht werden muß, in dem Sinne, sich selbst eine ABM oder SAM oder IdA-Stelle schaffen zu können oder als Projekte ganze Maßnahmen gefördert zu bekommen. Und natürlich ganz klar, eine vorrangige Förderung von Arbeits- und Sozialamt bei Initiativen, die in SelbstHilfe etwas aufbauen wollen,
  • die Anrechnung ehrenamtliche Arbeit in Projekten sozialer SelbstHilfe bei Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern: Wo SelbstHilfeinitiativen oder -potentiale da sind, sind diese auch vorrangig zu unterstützen.

Professionelle Hilfe, ehrenamtliches und bürgerschaftliches Engagement sowie SelbstHilfe sind drei gleichberechtigte Säulen der Wohnungslosenhilfe, die sich einerseits unterscheiden und in Konkurrenz zueinander stehen, die sich aber auch in wichtigen Bereichen ergänzen. Bei allen Diskussionen um Hilfe, SelbstHilfe und Hilfe zur SelbstHilfe sollte nicht vergessen werden: Der Mensch ist Mittelpunkt, eine Bank ist kein Zuhause.

Jutta Welle/ Stefan Schneider

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