Leider ist die Arbeit eines Straßenzeitungsverkäufers (oder einer Verkäuferin) noch nicht zu vergleichen mit einem normalen Arbeitsplatz inclusive Sozialversicherung und Urlaubsgeld. Aber es ist ein Anfang, eine Chance, um sich wieder zu sortieren, Geld zu verdienen und wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen. In einem sozialen Straßenzeitungsprojekt ist dies aber noch längst nicht alles: Ganz selbstverständlich lebt diese Zeitung von den Texten der Verkäufer, von ihrer Organisation der Vertriebsstrukturen, von den selbst aufgebauten Treffpunkten, Notübernachtungen und den Wohngemeinschaften, die gebildet wurden. Regionale Selbsthilfetreffpunkte entstanden und entstehen weiterhin beispielsweise im Odenwald, in Berlin, Bremen, Tübingen, im Ruhrgebiet und an vielen Orten in ganz Deutschland. Hier wachsen und gedeihen Orte und Strukturen von gegenseitiger Hilfe. Die Zeitung ist dafür ein Instrumentarium, ein Vehikel. Von daher ist es eine Selbstverständlichkeit, daß die Verkäufer und Verkäuferinnen an zentraler Stelle über das Gesicht der Zeitung entscheiden. Sie treffen sich auf Verkäuferversammlungen und sie sind organisiert in gemeinnützigen Vereinen, die diese Zeitung herausgeben. Das Votum der Verkaufenden: Die Gestaltung sollte übersichtlicher, der Inhalt vielfältiger und die Themen politischer werden. Dies haben auch viele Leser und Leserinnen in Rückmeldungen an uns bestätigt.

Ein weiteres Anliegen der Verkäufer: Um einen größeren Spielraum für Honorare, soziale Projekte und die Finanzierung von Arbeitsplätzen für ehemals obdachlose Mitarbeiter in Vertrieb und Redaktion zu haben, muß die Zeitung kostengünstiger produziert werden. Somit verzichten wir in Zukunft auf buchbinderische Arbeiten und auf die bisher umfangreiche farbige Gestaltung der Zeitung. Mit den Ihnen hier vorliegenden Veränderungen haben wir diesen Wünschen und Vorstellungen Rechnung getragen. Und noch eins: Die aus Looser und Strassenfeger entstandene Zeitung soll endlich einen gemeinsamen Namen haben, der beschreibt, um was es geht: Auf der Rückseite können Sie schon mal sehen, was wir ab Januar regelmäßig herstellen werden: Die Strassenzeitung. Damit wollen wir auch anderen Städten und Gruppen wohnungsloser Menschen in Deutschland die Möglichkeit geben, sich als Verkaufs-, Redaktions- und oder Vertriebsgemeinschaft an dieser Zeitung zu beteiligen und sich als Gruppe zu organisieren. Gemeinsam sind wir stärker. Ansonsten bleibt alles wie gehabt. Bitte unterstützen Sie auch in Zukunft unsere Arbeit. Vielen Dank und eine frohe Zeit vor Weihnachten.  

Werner Picker, Erbach

Stefan Schneider, Berlin

Joomla templates by a4joomla