Liebe Leserin, lieber Leser,

Kommunikation, so hat mir mal ein Bekannter erzählt, ist vermittelt durch ein gegenständliches Drittes. Hoppla, was ist das denn, fragte ich mich. Ich brauchte eine ganze Weile, um dahinter zu kommen. Damit der eine sich mit dem anderen verständigen kann, muß etwas Drittes hinzukommen.  Ja, aber wieso denn, ich mache meinen Mund auf und sage ganz freundlich Guten Tag und trage mein Anliegen vor! Ja eben, meinte mein Bekannter, und dann sprecht ihr über irgend etwas Praktisches, etwas Gegenständliches eben - und das ist immer so. Stelle Dir einfach vor, Du bist auf der Baustelle, und jemand sagt Dir: Gib mir mal den Hammer! Und das ist immer so. Man kann nicht mit jemandem kommunizieren, ohne daß irgend etwas Drittes, irgendein Sachverhalt im Spiel ist. Das ist auch bei anderen Formen der Kommunikation der Fall: Was im Radio gesendet wird, was in der Zeitung steht, im Fernsehen gezeigt wird. Jemand schreibt oder zeichnet etwas auf, es geht um einen bestimmten Sachverhalt, und Du liest, hörst oder fühlst es denn. Auf diese Weise bekam ich eine kurze Einführung in die Grundlagen der modernen Medientheorie.

Um das Thema Medien geht es auch in dieser Ausgabe, wobei die Zeitung selbst ein Medium darstellt im Sinne dieser Theorie. Als der Verein mob - obdachlose machen mobil e.V. vor nunmehr acht Jahren damit begann, eine Strassenzeitung herauszugeben, stand im Vordergrund die Idee, Armen und Obdachlosen eine Möglichkeit zu eröffnen, über den Verkauf der Zeitung ein paar Mark zu verdienen in Würde als Alternative zum Betteln. Gleichzeitig war allen Beteiligten wichtig, mit dieser Zeitung ein Stück Öffentlichkeitsarbeit zu leisten, die Bevölkerung, also Sie, zu informieren über die Situation von armen und obdachlosen Menschen in dieser Stadt und so ein Stück weit Lobbyarbeit zu betreiben. Beide Aspekte haben sich im Verlauf der Jahre wesentlich verschoben: Neben der Zeitung selbst haben alles Vereine weitere Hilfeformen entwickelt, wie Notübernachtungen, Beschäftigungs-, Recycling-, Wohn- oder Integrationsprojekte. Verschiedene Vertreibungs- und Ausgrenzungsphänomene konnten trotz der Lobbyarbeit der Vereine nicht verhindert werden. Und auch die Verkäufer beklagen, daß es immer schwieriger geworden ist, die Zeitung an den Mann oder an die Frau zu bringen. Das kennen wir schon - ist ein häufig gehörtes Argument, oder: Da steht doch immer nur das gleiche! Das könnte, liebe Leserin, lieber Leser, sogar so sein: Daß das, was wir aus unserer redaktionellen Sicht als große Themenvielfalt angesehen wird, von Ihnen als langweilig und sich immer wiederholend wahrgenommen wird.

Aus diesem Grund möchten wir Sie ermutigen, uns Rückmeldung zu geben, was Ihnen an unserer Zeitung ärgert, stört, langweilt, anregt, interessiert, bewegt, fehlt oder was immer Ihnen dazu einfällt. Sie erreichen unsere Redaktion in der Oderberger Str. 12 in 10435 Berlin. Auf jeden Fall haben Sie durch den Kauf unserer Zeitung die Bereitschaft gezeigt, einen armen Menschen zu unterstützen - womöglich haben Sie darüber hinaus auch Interesse an den Themen, über die wir in dieser und in den regelmäßig erscheinenden Ausgaben berichten. Aus Sicht der Verkäufer, von denen in der Zeitung regelmäßig einige berichten, ist der Strassenverkauf jedenfalls so ein gemeinsames Drittes, eine Möglichkeit der Kommunikation von Mensch zu Mensch.

In diesem Sinne wünschen wir eine schöne Osterzeit!

Stefan Schneider

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