Bruno Katlewski
c/o mob - obdachlose machen mobil e.V.
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An
Bezirksamt Pankow von Berlin
- Bezirkswahlamt -
Rathaus Pankow
Breite Str. 24A - 26
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Berlin, 29.08.2002

Rückgabe meiner Stimme zur Bundestagswahl 2002

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich hoffe, daß ich mich noch rechtzeitig in einer außerordentlichen Angelegenheit an Sie wende. Ich möchte Sie nämlich hiermit höflichst um Rückgabe meiner Stimme für die Bundestagswahl 2002 bitten. Sie erreichen mich unter o.g. Anschrift.

Zur Begründung:

Vor ein paar Wochen kam per Post Ihre Wahlbenachrichtigung für den 22. September. Weil ich jetzt noch nicht weiß, was ich am 22. September mache, habe ich dann Briefwahl beantragt. Vielleicht fahre ich am 22. September ins Grüne. Ich kann mich auch daran erinnern, daß ich bei einer Wahl verschlafen hatte. Als ich dann um halb 7 aufwachte, war die Wahl schon vorbei. Dann vor ein paar Tagen kamen Ihre Wahlunterlagen dann ja auch per Post. Ich habe den Zettel dann durchgearbeitet und erstmal beiseite gelegt.

In der Zwischenzeit habe ich für meine Stimme ganz viele Überlegungen angestellt. Ob ich doch Stoiber wählen soll, damit Rot-Grün in 4 Jahren wieder eine neue Chance hat, alles besser zu machen. Oder PDS, damit Rot-Grün noch ein bißchen Linke Positionen einnehmen muß, wenn es doch für Schröder reicht. Oder ob ich doch SPD wähle, damit es den Arbeitslosen eventuell besser geht, als wenn Schwarz - Gelb regiert. Aber das geht Sie ja eigentlich gar nichts an. Kurzzeitig habe ich auch mal überlegt, ob ich meinen Wahlzettel nicht bei e-bay zum Verkauf anbieten soll, damit ich mit meiner Freundin mal gut essen gehen kann. Aber dazu bin ich irgendwie nicht gekommen, weil ich mich mit der Technik nicht so gut auskenne.

Auf jeden Fall bin ich gestern abend nach Hause gekommen und war der Meinung, daß ich jetzt mal meinen Schreibtisch aufräumen muß. Ich habe Mietminderung bei meiner Hausverwaltung beantragt, weil nebenan eine Baustelle ist. Dann habe ich geduscht und irgendeiner Computerfirma geschrieben, daß ich ihre Werbeprospekte nicht mehr haben will - weil ich mir das doch nicht leisten kann. Dann habe ich meine Blumen gegossen und dann Ihren Briefwahlschein abgearbeitet. Ich habe dann irgendwas geniales ausgedacht, angekreuzt, alles in dem Umschlag getan, unterschrieben und zugeklebt. Gleich noch am selben Abend auf meiner Gassi-Runde mit meinem Hund habe ich dann den Briefwahlzettel in den Postkasten geworfen und weg war er.

Und jetzt mein Problem: Ich habe leider inzwischen vergessen, was ich auf dem Stimmzettel angekreuzt habe. Normalerweise mache ich mir von meinen Briefen immer eine Kopie für meine Unterlagen - aber in diesem Fall gab es ja für den Briefwahlschein gar keinen Durchschlag. Und ich habe in der Aufregung - schließlich ist Wahl ja nicht so oft - völlig vergessen, wofür ich mich dann schließlich entschieden habe. Mit anderen Worten: Ich möchte meine Bestellung nochmal rückgängig machen. Wenn Sie mir meinen Wahlschein also nochmal zurückschicken, kann ich mein Wahl nochmal überprüfen und vielleicht sogar ändern oder sogar verbessern. Und dann werde ich mir davon auch eine Kopie machen, damit ich weiß, was ich gewählt habe.

Außerdem führe ich als Argument an, daß ich natürlich wissen muß, was ich gewählt habe, damit ich denn am Wahltag bei den Hochrechnung oder am nächsten Tag in der Zeitung vergleichen kann, was dann mit Hilfe meiner Stimme herausgekommen ist. Sonst ist das für mich ja nicht mehr spannend.

Weil ich natürlich weiß, daß auch das Bezirkswahlamt Geld sparen muß, lege ich diesem Brief einen frankierten Rückumschlag bei. In der Hoffnung, daß ich noch rechtzeitig vor der Wahl meine Stimme zurückbekommen kann, verbleibe ich

hochachtungsvoll

Ihr

Bruno Katlewski

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