Schneider, Stefan: Freiwilligenarbeit bei mob e.V. Berlin 2004

Schon immer haben Menschen bei mob e.V. ehrenamtlich und freiwillig gearbeitet. Etwa Verkäufer, die freiwillig bei der Zeitungsausgabe eingesprungen sind, wenn im Vertrieb ein personeller Engpass war, oder Menschen, die in der Redaktion mitarbeiten und ohne Blick auf Zeilenhonorar die eine oder andere Recherche für den strassenfeger erarbeiten. Auch im Treffpunkt Kaffe Bankrott und in den anderen Projekten finden sich immer wieder Menschen, denen die Mitarbeit Spaß macht und die deshalb ihre Freizeit mit konkreten Aufgaben füllen.

Eine neue Qualität der Freiwilligenarbeit bei mob e.V. begann im Jahr 2000, als sich eine junge Frau namens Janne bei mob e.V. meldete mit dem Anliegen, ihr FSJ abzuleisten. Hinter der Abkürzung verbirgt sich die Bezeichnung freiwilliges soziales Jahr. Janne hatte von mob e.V. erfahren und interessierte sich speziell für die Mitarbeit in der Redaktion. Von der Anfrage bis zur Umsetzung war es nur ein kleiner Schritt. Eine Kooperationsvereinbarung mit dem Träger, dem Jugendaufbauwerk Ost, für FSJ musste geschlossen, eine Aufgabenbeschreibung für die Jugendliche erarbeitet werden. Mob e.V. verpflichtete sich, eine regelmäßige Abgabe an den Träger zu zahlen, von der der größte Teil als Taschengeld an die junge Frau weitergereicht wurde. Die Redaktion profitierte von der Mitarbeit durch eine ganze Reihe von Beiträgen in der Zeitung. Beinahe wichtiger aber war die viele Tagesarbeit in der Redaktion und im Verein, Telefonate, Briefe, Besorgungen, Arbeit mit Autoren, die durch diese professionelle Mitarbeit erledigt werden konnte. Damit war dieses Freiwilligenjahr für Janne ein wichtiger Beitrag zur beruflichen Orientierung.

Unter dem Stichwort „Jugend erneuert Gemeinschaft“ rief im Jahre 2001 die Robert-Bosch-Stiftung dazu auf, sich an ihren Förderungsprogramm „Freiwilligendienste in Projekten bürgerschaftlicher Initiative“ zu bewerben. Aufgrund der positiven Erfahrungen mit dem FSJ, beschloss der Verein mob e.V. sich unter dem Stichwort „Projektverbund soziale Selbsthilfe Obdachloser“ zu beteiligen. Vorgesehen war, insgesamt vier Jugendliche / junge Erwachsene auf der Basis einer Freiwilligenvereinbarung für die Dauer von einem Jahr in den unterschiedlichen Projekten von mob e.V. mitarbeiten zu lassen. Diese Maßnahme wurde in der Tat bewilligt und nach einer Laufzeit von mehr als zwei Jahren in diesen Tagen abgeschlossen. Hintergrund dafür ist, sehr sorgsam die Jugendlichen auszuwählen und genau die Arbeitsbereiche zu definieren, so dass immer nur dann eine Freiwilligenvereinbarung abgeschlossen wurde, wenn „alles passte“. So war es möglich, eine junge Frau, Miriam für ein Jahr auf der Selbsthilfebaustelle in der Oderberger Str. 12 zur Unterstützung der Selbsthilfebauleitung einzusetzen. Miriam arbeitet jetzt, nach dem Ende des Freiwilligenjahres, als Festangestellte im Sekretariat des Vereins. Eine andere Freiwillige, Janine, arbeitete in der Personalabteilung, und begann am 01.09.2003 eine dreijährige Ausbildung als Kauffrau für Bürokommunikation bei der Pfefferwerk Stadtkulturgesellschaft. Dort absolviert Janine die theoretischen Anteile der Ausbildung , bei mob e.V. als Kooperationsbetrieb wird Janine an drei Tagen in der Woche unter fachlicher Anleitung in der Praxis ausgebildet. Eine dritte Freiwillige, Tina, arbeitete in der Redaktion und war unter anderem verantwortlich für die Fotoredaktion unter Anleitung eines professionellen Fotografen. Tina beginnt zum Wintersemester 2003 / 2004 ein Studium im Bereich der Kommunikationswissenschaften. Matthias kam zu uns als Computertechniker. Durch seine Arbeit hat der Verein jetzt ein funktionierendes Computernetzwerk mit Internetanschluss. Nicht durchgehend waren die Erfahrungen positiv. Sowohl Ralf als auch André beschlossen nach einem halben Jahr, die Freiwilligenvereinbarung zu kündigen und das Studium (wieder) aufzunehmen. Schlecht für den Verein, gut für die Jugendlichen, die durch diese Möglichkeit der praktischen Erprobung für sich herausfinden konnten, was sie wollen und was nicht. Doch überwiegend waren die Erfahrungen positiv, nicht zuletzt durch die regelmäßige Begleitung durch die Robert Bosch Stiftung und dem System der Mentorinnnen und Mentoren, als Menschen, die die Aufgabe haben, im Verlauf des Freiwilligenjahres Ansprechpartner für die Jugendlichen zu sein. Insgesamt wird mob e.V. auch in Zukunft jungen Menschen die Möglichkeit der freiwilligen Mitarbeit für die berufliche Orientierung und zum Aufbau wichtiger sozialer Kompetenzen eröffnen. Mob e.V. profitiert von den Fähigkeiten und Kenntnissen der jungen Menschen und bietet seinerseits sehr verantwortungsvolle und berufsnahe Arbeitsfelder an.

Gegenwärtig ist bei mob e.V. ein junger Mann, Wadie, aus Brasilien für ein Jahr als internationaler Freiwilliger zu Gast. Was genau sein Aufgabengebiet sein wird, wird in den ersten Wochen mit ihm zusammen erarbeitet werden. Im Unterschied zu den anderen Freiwilligen gab es keine Möglichkeit, ihn vorher kennenzulernen. Der Kontakt kam zustande über ICJA, den Internationalen christlichen Jugendaustausch, der weltweit Freiwilligendienste vermittelt. Wadie stellt sich in dieser Ausgabe selbst vor. Wir alle dürfen gespannt sein, welche neuen Ideen und Projekte sich aufgrund der internationalen Ausrichtung der Arbeit von mob e.V. ergeben.

Stefan Schneider, 21.11.2004

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