"Barka" - ein Projekt in Polen "Barka" bedeutet Lastkahn, Frachtschiff. Ein bißchen klingt die Erinnerung an Arche mit in diesem Wort. Anders als in Deutschland gibt es in Polen kein gewachsenes Netz der Wohnungslosenhilfe. Nach dem frühen Ende des Sozialismus klafft die Schere zwischen Arm und Reich stark auseinander. Kein Wunder, daß viele Menschen auf der Straße landen. Das Projekt Barka wurde vor knapp 10 Jahren gegründet als private Initiative von Barbara und Thomas Sadowski. Sie ließen Obdachlose und verarmte Menschen in ihrem Haus wohnen, bildeten eine Hausgemeinschaft. Inzwischen ist Barka ein Netzwerk von 12 Projekten im Umkreis von Posen/ Poznan und den angrenzenden Regierungsbezirken. Ebenso wie Selbsthilfegruppen in Deutschland ist Barka regierungsunabhängig und auf Spenden und Unterstützung durch die Bevölkerung und Sponsoren angewiesen und muß versuchen, seine Kosten selbst zu erwirtschaften. Neben landwirtschaftlichen Projekten in Dörfern auf Flächen ehemaliger Kolchosen ist ein wichtiges Zentrum von Barka die "Barka"-Schule in der Ulica sw. Wincentego in der Nähe des Stadtzentrums in Posen/ Poznan. Auf einem ehemaligen Betriebsgelände konnte "Barka" leerstehende Baracken zur Verfügung gestellt und konnte nach langwierigen Verhandlungen auch den dazugehören Grund und Boden von der Stadt pachten. Das Gelände ist inzwischen zu einem Anlaufpunkt für Arme und Wohnungslose geworden. Es gibt dort eine Notunterkunft, bei Bedarf werden Kontakte zu weiteren Notunterkünften vermittelt, eine Ambulanz, eine Küche, ein Kindergarten, eine Tischlerei, eine Nähwerkstatt und Kleiderkammer, eine Computer- und eine Autowerkstatt. Insbesondere im Bereich der Werkstätten findet auch Ausbildung statt, aber auch Arbeitsmöglichkeiten werden angeboten, um den mitarbeitenden wenigstens ein Grundauskommen zu sichern. Auf dem Gelände herrscht striktes Alkohol- und Drogenverbot. Der Besucher hat den Eindruck, er sei in einem zwar verarmten, aber funktionierenden Dorf angekommen. Inbesondere überrascht die herzliche Atmosphäre. Überall wird improvisiert, geschraubt, gebastelt. Der Zahnarztstuhl ist eine Spende aus Dänemark, die Autos klappern verdächtig, hinter den Baracken sind sorgfältig gestapelt Baumaterialen für den geplanten Ausbau von weiteren Gebäuden. Wie überall mangelt es an Geld, auch das Telefon steht bisweilen schon mal ein paar Tage still, wenn die Rechnung nicht bezahlt werden kann. In einem ambitionierten Programm sollen Einfachbau-Häuser für Wohnungslose errichtet werden. Ein Gelände in einem der Außenbezirke von Posen / Poznan konnte in den letzten Wochen gepachtet werden, ein erstes Modellhaus wurde erst vor wenigen Tagen errichtet und im Rahmen einer kleinen Feierlichkeit der Öffentlichkeit vorgestellt. Pate dieses Programms ist Maciej Plazynski, der polnische Parlamentspräsident, der extra zu diesem Anlaß aus der Hauptstadt Warschau / Warszawa anreiste. Wie alle Projekte von Barka soll auch dieses Programm zusammen mit Obdachlosen realisiert werden.

Stefan Schneider

Fundacja Pomocy Wzajemnej "Barka"
ul. sw. Wincentego 6/9
61 - 003 Poznan
Tel: +48 61 - 877 - 22 65 oder +48 61 - 877 - 0506
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