Mitte. Ein wenig Staub wirbelten die etwa zwei Dutzend Obdachlosen gestern schon auf: Sichtlich verärgert reagierten einige der Gäste des Hotels Adlon an der Straße Unter den Linden, als die Treber die Eingangshalle für wenige Minuten besetzten. In einem der teuersten Hotels der Stadt demonstrierten sie gegen das Ende der sogenannten "Kältehilfe".

In den Wintermonaten waren in den Bezirken 203 zusätzliche Betten in Notübernachtungen und 490 Plätze in Nachtcafés geschaffen worden. Seit heute sind sie wieder geschlossen. "Wir wissen nicht, wo wir hinsollen. Wir wollen uns nicht auf der Parkbank aufs Maul hauen lassen", sagt der 21jährige Sven. Er hatte sich der Aktion des Vereins "Obdachlose machen mobil (Mob)" angeschlossen. Der Verein fordert unter anderem ein "ausreichendes Angebot an ganzjährigen Notübernachtungen".

Bei der Senatssozialverwaltung kann man diese Forderung nicht verstehen. Helga Burkert, zuständig für Wohnungslosenhilfe: "Es muß keiner auf der Straße schlafen, wenn er nicht will." Dies bestätigt auch Jürgen Mark, Leiter einer Einrichtung an der Franklinstraße mit 73 Plätzen: "Jedem, der sich an uns wendet, kann geholfen werden." Aber nicht jeder wendet sich an die Behörden, haben die Beteiligten erfahren. Die Aktion im Adlon ist nach wenigen Minuten beendet. Die Polizei kommt, zwei Anzeigen wegen Hausfriedensbruch und wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz werden erstattet. Die Gruppe zieht zu einer Kundgebung auf Alexanderplatz weiter.

Quelle: Berliner Morgenpost 1999.04.01

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