strassenfeger und mob e.V. in Prenzlauer Berg – ein kleines Portrait

Der strassenfeger und mob – obdachlose machen mobil e.V. sind weitaus mehr als nur eine Straßenzeitung und ein Obdachlosenverein. Unter dem Dach von mob e.V. gibt es zudem eine Notübernachtung für Männer und Frauen, einen offenen Treffpunkt mit Internetnutzung und sozialer Beratung, der für alle offen ist und auch von der Nachbarschaft genutzt wird, sowie ein Projekt Trödelpoint – Gebrauchtwarenkaufhaus und Wohnungseinrichtungen. Und das alles in Prenzlauer Berg. Ein Bericht von Stefan Schneider.

„Guten Tag, ich bin der Alex, bin seit zwei Jahren obdachlos, und verkaufe hier die neueste Ausgabe vom Obdachlosenmagazin strassenfeger ...“ So oder so ähnlich beginnen die Sprüche, mit denen Verkäuferinnen und Verkäufer auch in Prenzlauer Berg durch die Gegend ziehen vorstellen, um ihr Produkt an den Mann oder die Frau zu bringen. Sie haben für die Zeitung den Anteil des Vereins an der Ausgabestelle bereits im voraus bezahlt, und versuchen nun, durch den Verkauf der Zeitung den anderen Teil für ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Während die Obdachlosenzeitungen wie Stütze, motz oder eben der strassenfeger stadtbekannt sind, wissen nur die wenigsten, dass der Verein mob – obdachlose machen mobil e.V., der den strassenfeger herausgibt, seit 1998 in Prenzlauer Berg ansässig ist. Es war zuerst das Kaffe Bankrott, welches in der Schliemannstraße 18 die ehemaligen Räumlichkeiten der Umweltbibliothek nutzen konnte. Es war der damalige Bürgermeister von Prenzlauer Berg, Reinhard Kraetzer (SPD), der sich gegenüber der WIP dafür stark machte, dass mob e.V. die Räume nachnutzen konnte. Der Kontakt war über den damaligen Redakteur Karsten Krampitz zustande gekommen, der Leute aus dem Umfeld von der Umweltbibiothek dafür begeistern konnnte, für den Strassenfeger gelegentlich Beiträge zu schreiben.

Ein Jahr später bezog mob e.V. weitere Räume in Prenzlauer Berg, die Geschäftsstelle und Redaktion fand 1999 ein neues zu Hause auf dem Pfefferberg. Peter Neumann, der verantwortliche Koordinator der Jugendhilfe bei der Pfefferwerk Stadtkulturgesellschaft sprach die Einladung aus. Da die Pfefferwerk Stadtkulturgesellschaft sich stark für die Anliegen von Trebe- und Straßenkinder einsetzte, erhoffte sich Peter Neumann davon eine produktive Zusammenarbeit in einem sehr schwierigen Arbeitsfeld. Auch sein erstes Trödelprojekt konnte mob e.V. in den Garagen im Nordhof der Pfefferberges eröffnen. Inzwischen mit mob e.V. fester Partner im Pfefferwerk Verbund.

Lange währte die Freude allerdings nicht, wegen dem Beginn der Sanierungsarbeiten musste und wollte mob e.V. den Pfefferberg verlassen. Eine weitere Zwischenstation war das Selbsthilfebauhaus in der Oderberger Str. 12. Die Geschäftsstelle und die Redaktion zogen dort vorübergehend ein, um das Bauvorhaben in Schwung zu bringen. Von September 2001 bis September 2002 machte der Verein hier Station.

Im Sommer 2002 fand der Verein dann in der Prenzlauer Allee 87, direkt gegenüber vom S-Bahnhof Prenzlauer Allee Räumlichkeiten, in denen er auch heute noch anzutreffen ist. In den Räumen der ehemaligen Tischlerei wurden zuerst Büroräume fertig gestellt und genutzt, dann zog die Redaktion hier ein, während eine Baugruppe kontinuierlich daran arbeitete, die Fabrikräume weiter auszubauen. Im Dezember 2003 wurde der Treffpunkt Kaffee Bankrott (vorher in der Schliemannstraße) hier neu eröffnet, eine provisorische Notübernachtung fertig gestellt. Auch diese ist inzwischen ausgebaut um beinhaltet eine separate Unterbringung für 8 Männer und 6 Frauen. Sowohl die Notübernachtung als auch der offene Treffpunkt sind ganzjährig geöffnet.

Auch das Selbsthilfehaus in der Oderberger 12 ist fertig geworden, 18 Wohneinheiten wurden komplett saniert und modernisiert und sind inzwischen komplett vermietet, zum überwiegenden Teil an die Selbsthelfer, allesamt Menschen, die aus schwierigen Wohnverhältnissen kommen oder obdachlos waren, und zu einem kleinen Teil an sanierungsbetroffene Umsetzmieter aus dem Sanierungsbezirk Prenzlauer Berg.

Mob e.V. erhält für seine laufende Arbeit keine staatlichen Zuwendungen und muss alle seine Projekte selbst finanzieren. Die Zeitung strassenfeger und der Treffpunkt Kaffe Bankrott tragen sich selbst, für die Notübernachtung wirbt eine Spendenkampagne der Zeitung mit dem Slogan „Ein Dach über dem Kopf!“ Ein wichtiges ökonomisches Standbein ist der Trödelpoint im Keller der Prenzlauer Allee 87. Auf 400 qm werden Haushaltsgegenstände aller Art preisgünstig abgegeben. Zum einen, um obdachlosen Menschen beim Start in eine eigene Wohnung zu erleichtern, zum andere, um armen Bürgern die Möglichkeit zu geben, preisgünstig hochwertige gebrauchte Einrichtungs- und Haushaltsgegenstände zu erwerben. Die Erlöse dienen dazu, die Kosten zu decken und Arbeitsplätze zu schaffen.

Seit kurzem hat mob e.V. im Souterrain in der Oderberger Str. 12 in 10435 Berlin ein weiteres Standbein eröffnet. Der Laden O12 ist spezialisiert auf retro-style und die 70er Jahre. Damit ist strassenfeger/ mob e.V. weitaus mehr als nur ein Obdachlosenverein, sondern ein soziales Projekt im und für den Stadtteil.

Stefan Schneider

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