Klaus Stark über die Berliner U-Bahn und Berufe, die man nicht wirklich haben will

Wenn man viel mit der Berliner U-Bahn unterwegs ist, trifft man ab und zu einen Trupp Plakatierer. Die nehmen die riesigen Werbetafeln an der Wand über den Schienen herunter, bestücken sie auf dem Bahnsteig mit neuen Plakaten, klettern übers Gleis zurück und bringen sie wieder an ihren alten Platz. Da verschwindet dann das angeblich klimaneutrale Atomkraftwerk schon mal blitzschnell unter dem neuesten Harry-Potter-Film.

Zwei kleben, einer hält die Leiter, ein Vierter trägt die Verantwortung. Ganz so wie im realen Leben, denkt man sich. Und das alles in den kurzen Pausen zwischen zwei U-Bahn-Zügen.

Das Schlimmste, was einem in der U-Bahn passieren kann, am frühen Morgen, ohne Kaffee und ohne Frühstück im Magen, ist aber eine Schulklasse. Alle drängeln wild durcheinander, reden gleichzeitig und ihre schrillen Stimmen vertreiben die letzten Reste von Schlaf und Traum.

Man fängt die gequälten Blicke der berufsmäßigen Betreuer auf und wenn dann innerhalb von nur fünf Stationen zum dritten Mal einer die Obdachlosenzeitung „Straßenfeger“ verkaufen will, denkt man sich: Ach, eigentlich ist man doch ganz zufrieden mit dem eigenen Job.


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