07.02.2007 - Tokio Shimbun - Koki Miura: Obdachlose: In der Kälte Warten auf den Frühling


Auch wenn die (japanische) Regierung von Konjunktur redet, spüren allzuviele Menschen nicht viel davon. Am wenigsten wohl die Obdachlosen, die zur Zeit unter Überführungen und in Parkanlagen Schutz vor dem kalten Winter suchen. Wie ergeht es wohl Obdachlosen in anderen Ländern? Wir haben Behörden und Hilfsorganisationen aufgesucht... (London, Bangkok, New York)

Berlin: Ein kleines Unternehmens-Netzwerk

Von unserem Berliner Korrespondenten Koki Miura

Ein mit Waren wohlgestopfter Laden, ein schon früh am Morgen gutbesuchtes Café, Übernachtunsgmöglichkieten und sogar eine eigene Zeitung: die Berliner Obdachlosenhilfsorgansiation mob e.V. macht mit all ihren Aktivitäten fast den Eindruck einer Unternehmensgruppe. „mob“ steht für „Obdachlose machen mobil“. Bereits 1994 gegründet hilft der Verein ohne öffentliche Zuschüsse, sondern nur mit dem selbst Erwirtschafteten sowie mit Spenden Obdachlosen zurück in die Selbständigkeit. Herzstück der Aktivitäten ist die zweiwöchentlich erscheinende Zeitung „Strassenfeger“. Zur Zeit verkaufen rund 400 Obdachlose jeweils die Auflage von 22.000 Exemplaren und erwirtschaften damit etwa 26.000 Euro (etwa 4,1 mio Yen). Dann gibt es noch einen Trödelladen, in dem gebrauchte Möbel, Elektrogeräte oder Fahrräder verkauft werden. Mit dem Umsatz wird das im selben Haus befindliche Café unterstützt, in dem man für 1,20 Euro eine warme Mahlzeit bekommt. In der Notübernachtung ein Stockwerk höher kommt man für 1,50 Euro pro Nacht unter, Bettwäsche inklusive. Steht man wieder etwas sicherer auf eigenen Füßen, gibt es ein für 18 Bewohner eingerichtetes Wohnprojekt - der Ausstieg aus der Obdachlosigkeit.

Eine Besonderheit dieser Einrichtung ist, dass sie außer für Obdachlose auch für solche Leute offensteht, die potenziell von Obdachlosigkeit bedroht sein könnten. Im Café trafen wir Ute Kahmann (41). „Ich habe als Erzieherin im Kindergarten gearbeitet, doch wegen mobbing am Arbeitsplatz bin ich krank geworden und habe schon sechs Jahre nicht mehr in meinem Beruf arbeiten können. Ich habe eine eigene Wohnung, verkaufe aber auch den Strassenfeger und komme jede Woche so an die dreimal hier vorbei,“ erzählt sie.

Die Sozialpädagogik-Studentin Anne Sommer (22) absolviert hier ihr ein Praktikum Sie weist auf einen wichtigen Punkt für das Projekt hin: „Als der Verein noch neu hier war, gab es ein paar Spannungen mit den Anwohnern, aber das gegenseitige Verständnis ist stetig gewachsen. Mittlerweile bringen sie oft Kleider- oder Essenspenden vorbei.“

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