31.01.2007 - Berliner Abendblatt - bw - Ein Verein hilft Hilflosen

mob e.V. hat ein durchdachtes Konzept für Obdachlose

Konsistorialpräsident Ulrich Seelemann (re.) und sein Team machen Obstsalat für Obdachlose.	Foto:Wels

        Konsistorialpräsident Ulrich Seelemann (re.) und sein         Team machen Obstsalat für Obdachlose. Foto:Wels

Prenzlauer Berg. Schnippeln für den guten Zweck hieß es für den Konsistorialpräsidenten der evangelischen Kirche, Ulrich Seelemann, und sein Team.

Sie waren in der vergangenen Woche zu Gast im Kaffee Bankrott von mob e.V. Dort machten sie einen Obstsalat für das Café. „Mit solchen Aktionen wollen wir die Aufmerksamkeit auf die Probleme der Obdachlosen lenken“, sagt Seelemann.

Der mob e.V. versucht, Obdachlosen ihr schwieriges Leben etwas leichter zu machen. Und dazu haben die Mitarbeiter sowie einige Obdachlose selbst einiges auf die Beine gestellt. In dem Haus in der Prenzlauer Allee 87 gibt es das erwähnte Café mit Küche, eine Notunterkunft, einen Trödelladen und dort sitzt auch die Redaktion für den Straßenfeger.

Die Notunterkunft hat Platz für zehn Männer und fünf Frauen. Sie finden dort ein Bett und einen Spind für ihre persönlichen Dinge sowie sanitäreAnlagen mit Dusche. „Die Leute könen hier maximal zwei Monate bleiben“, erläutert Anne Sommer. „Wenn alles nach Wunsch läuft, haben sie danach einen Platz im betreuten Wohnen. Viele gehen aber auch zurück auf die Straße.“ Anne Sommer ist Studentin der Sozialpädagogik und leistet in der Einrichtung sehr engagiert ihr Praktikum. Überhaupt profitiert der mob e.V. von den vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern, jungen Leuten im freiwilligen sozialen Jahr, Menschen, die im Rahmen von „Arbeit statt Strafe“ kommen und vielen Ein-Euro-Jobbern. Sie alle tragen dazu bei, dass die Einrichtung so wie sie ist bestehen kann.

Ein wichtiger Anlaufpunkt für die Obdachlosen oder Menschen mit wenig Geld ist das Café. Dort bekommen sie für wenig Geld ein warmes Essen. Eine Mahlzeit wird direkt vor Ort in der Küche gekocht, andere Mahlzeiten werden angeliefert, kommen von Krankenhäusern oder Schulen. Die Berliner Tafel, die schon seit Jahren für Obdachlose Essen in Restaurants sammelt, liefert Kuchen und Brot.

Einer der Stammgäste im Café Bankrott ist René: „Ich komme jeden Tag her, das ist ein fester Punkt für mich. Ich lebe zwar in meiner Wohnung und nicht auf der Straße, aber ich habe nur wenig Geld und hier gibt es preiswert richtig kräftige Hausmannskost. Außerdem finde ich hier immer jemanden zum Quatschen und muss nicht allein zu Hause hocken.“

Im Café wird auch die Obdachlosenzeitung „Der Straßenfeger“ ausgeteilt. Jeder, der verkaufen möchte, kann hier für einen geringen Obolus Exemplare erstehen und sie dann auf der Straße, auf Bahnhöfen oder wo auch immer weiterverkaufen und so einen kleinen Gewinn erwirtschaften. Den dürfen sie selbstverständlich behalten, ebenso wie die Spenden, die manche Leute zusätzlich zum Kauf der Zeitung geben.

Ein weiteres Standbein des Vereins ist der Trödelladen. „Für uns ist es vor allem gut, wenn Leute umziehen. Die wollen sich von vielem trennen. Wir holen die Sachen dann ab und können sie bei uns weiterverkaufen. Der Erlös fließt wieder dem Verein zu“, erlärt Anne Sommer. Ein Besuch im Trödelladen lohnt sich auf jeden Fall, denn dort gibt es wirklich alles: Möbel, Kühlschränke, Herde, Fahrräder, Porzellan sogar Schlittschuhe und jede Menge Bücher.

Wer lieber Geld spenden möchte, kann das auch tun. Informationen dazu gibt es unter Tel. 46 79 46 11. bw

aus: Berliner Abendblatt, Ausgabe Prenzlauer Berg, Nr. 5, 31.1.07, Seite 2.

Mit freundlicher Unterstuetzung von Britta Wels.
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