12.08.2006 - Berliner Morgenpost - A. Popovic und B. Jänichen: Roter Teppich für Gäste von Campino & Co

Dreigroschen-Punk: Klaus Maria Brandauer mit seinem Mackie Messer, Campino (li.) von den Toten Hosen. Foto: AP
Dreigroschen-Punk: Klaus Maria Brandauer mit seinem Mackie Messer, Campino (li.) von den Toten Hosen. Foto: AP

Eröffnung des neuen Admiralspalastes mit mehr als 2700 Gästen - Party im Rohbau

Und der Haifisch, der hat Zähne/ Und die trägt er im Gesicht/ Und Campino, der hat ein Messer/ Doch das Messer sieht man nicht. Was hatten sie sich in den vergangenen Tagen gefetzt - die Macher, Schauspieler und Produzenten im Admiralspalast. Schreianfälle auf der Straße, Zitterpartien um die Bauabnahme, Klage-Androhungen (wir berichteten). Gestern Abend dann das vorläufig gute Ende eines "Pre-Premieren-Dramas": Standesgemäß mit Roten Teppich wurde an der Friedrichstraße 101 mit 1700 geladenen Gästen die Wiedereröffnung des Admiralspalast gefeiert.

Auf dem Programm die Aufführung des Klassikers Dreigroschenoper (Brecht/Weill), für die Rolle des Mackie - jener gar nicht feine Herr mit Messer - hatte Klaus Maria Brandauer sich Campino von den Toten Hosen ausgesucht. Kultursponsoring durch die Deutsche Bank, die Berliner Szenegröße Falk Walter als Admiralspalastbetreiber und gestandene Schauspieler wie Katrin Saß und Gottfried John in der Besetzungsliste hatten für eine interessante Gästemischung gesorgt: Erwartet wurden Musiker Till Brönner, Star-Fotograf Jim Rakete, Bildhauer und Objektkünstler Günther Uecker, Multitalent Meret Becker, TV-Legende Alfred Biolek, die Regisseure Ralf Schmerberg und Andreas Dresen, die Schauspieler Daniel Brühl, Nina Kronjäger, Peter Lohmeyer und Minh-Khai Phan-Thi sowie die Produzenten Oliver Berben und Claus Boje.

Auch für Tessen von Heydebreck, Vorstandsmitglied Deutsche Bank, hatte man im Theatersaal einen Platz reserviert. "Ich hoffe, dass es eine ganz neue Dreigroschenoper wird", so der Manager vor der Premiere. Besonders freue von Heydebreck sich auf Campino, er sei einer der Kreativsten seiner Generation.

Filmproduzentin Regina Ziegler sagte gestern dieser Zeitung: "Ich bin sehr gespannt, wie Herr Brandauer als Regisseur mit diesem Stück umgeht." Sänger Max Raabe, der gestern zur Premiere kommen wollte, sagte uns: "Falk Walter gehört ein Orden umgehängt, allein für die Tatsache, dass er den Admiralspalast wieder zu neuem Glanz verholfen hat. Immerhin stand vor drei Jahren der Abriss des Hauses zur Debatte." Und Helga Ballhaus, die mit Kamera- und Ehemann Michael Ballhaus (stellt in Berlin gerade den Scorsese-Film "The Departed" fertig) zur Premiere der Dreigroschenoper kommen wollte, sagte: "Wir haben in den letzten Tagen mitgezittert und sind nun sehr erleichtert, dass die Premiere doch noch pünktlich über die Bühne gehen kann. Auf die Inszenierung sind wir ebenso gespannt wie auf das neue Haus."

Dieses sollte gestern Abend breitflächig bespielt werden: Neben den 1700 gesetzten Premierengästen wurden weit über 1000 weitere Gäste zur Party erwartet. Gefeiert werden sollte im Theater selbst (die Sitzreihen lassen sich durch raffinierte Technik zusammenschieben), in den beiden Foyers des Haupthauses und in den Rundgängen, außerdem in Rohbau-Atmosphäre im Grand Café und im Admiralspalast-Club, der unter dem Innenhof entsteht.

Die Deko überließ das Team des Admiralspalastes Bob Young (kennt man in der Stadt noch aus Gründungszeiten des Clubs 90 Grad), das Catering der Firma Einhorn. Showacts: das Capital Dance Orchestra mit Johannes Heesters und Barbara Schöneberger, Sänger Benni Hemmhemm und Band (in Island Kult), sowie DJ Djan und DJ Zoe. Der 102jährige Heesters hatte bereits vor 66 Jahren mit "Der lustigen Witwe" im Admiralspalast Erfolge gefeiert. Eine ungewöhnliche Aktion hatten sich Mitarbeiter des Obdachlosenmagazins "Straßenfeger" ausgedacht. Sie wollten für "Drei Groschen" (drei Euro) Marken verkaufen, die die Gäste gegen Suppe tauschen konnten.

Und der Haifisch, der hat Zähne: Auf Wunsch der Bühnentruppe hatte man im zweiten Stock übrigens einen "Ensemble-Rückzugsbereich" eingerichtet. Trotz der Umschiffung des Begriffes VIP-Lounge nach der Aufführung eines sozialkritischen Stücks wie der Dreigroschenoper neudeutsch gesagt eine total uncoole Aktion.

A. Popovic und B. Jänichen

Quelle: Berliner Morgenpost 12.08.2006
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