31.03.2003 - Berliner Zeitung - Stefan Strauss: Wer zieht auf den Helmholtzplatz?

Anwohner und Bezirk streiten um Nutzung des sanierten Trafohäuschens

PRENZLAUER BERG. Schick sieht es aus, das sanierte Trafohäuschen auf dem Helmholtzplatz. 180 000 Euro hat der Senat bezahlt, damit die Kiezbewohner das Gebäude als Gemeinschaftshaus nutzen können. Noch vor Ostern will Umweltstadtrat Mathias Köhne (SPD) entscheiden, wer das Trafohaus beziehen soll.

Aus zwei übrig gebliebenen Bewerbern will Stadtrat Köhne jetzt auswählen: ein Modeladen für recycelte Kinderbekleidung mit Aktionsgalerie oder eine kleine, privat betriebene Sommerbibliothek mit Café-Betrieb, Liegestühlen und Strandkörben. Doch die Betroffenenvertretung Helmholtzplatz hat andere Vorstellungen über den künftigen Nutzer. Aus deren Sicht hätte ein Bewerber das Trafohaus erhalten sollen, der sich mit sozialen Randgruppen auskennt - der Obdachlosenverein Mob e.V. Der Pankower Verein, der eine Straßenzeitung herausgibt, eine Übernachtungsstätte, ein Obdachlosencafé und einen Trödelladen betreibt, wollte im Trafohäuschen einen Probenraum schaffen und zahlreiche Kulturveranstaltungen organisieren. Doch Ende Februar erhielt der Verein die Ablehnung aus dem Bezirksamt. "Sie gehören nicht zum ausgewählten Favoritenkreis", teilte Köhnes Amt Mob e.V. mit.

Die Betroffenenvertretung ist sauer auf den Stadtrat und nennt die Verfahrensweise eine Farce. Zwar habe Köhne nach Protesten der Anwohner ein Interessenbekundungsverfahren eingeleitet, "aber an der endgültigen Entscheidung wurden wir nicht beteiligt", sagt Lore Weber von der Betroffenenvertretung. Die Entscheidung des Bezirkes zeuge von mangelnder Sensibilität gegenüber den sozialen Belangen auf dem Platz. Der Helmholtzplatz gilt seit Jahren als Treffpunkt für Alkoholiker. Die Betroffenenvertretung hätte sich gewünscht, dass im Trafohaus auch Angebote für einkommensschwache und ältere Menschen geschaffen werden - und eben auch für die Trinker, sagt Lore Weber. Nun würden kommerzielle Nutzer das teuer sanierte Trafohaus nutzen. Dabei stünden im Viertel um den Helmholtzplatz genügend Läden leer.

Umweltstadtrat Köhne verteidigt seine Entscheidung: "Die sozialen Probleme auf dem Platz werden nicht durch das Trafohaus gelöst." Der zuständige Quartiersmanager Heinz Lochner teilt diese Auffassung. "Es kann nicht das Ziel sein, den Platz für Trinker attraktiver zu machen", sagt er. Aber vielleicht wäre es besser gewesen, eine Jury hätte entschieden, was aus dem Trafohäuschen wird. Die Betroffenenvertretung fordert jetzt, die Entscheidung des Bezirks rückgängig zu machen und eine einheitliche Planung für den Helmholtzplatz zu suchen. Ein Runder Tisch soll einberufen werden, denn schon bahnt sich ein neuer Konflikt an. Denn auch das Platzhaus neben dem Trafohaus soll neu vermietet werden.

"An der Entscheidung wurden wir nicht beteiligt. " Lore Weber Betroffenenvertretung

31.03.2003 - Berliner Zeitung, Stefan Strauss, Lokales - Seite 24
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