26.01.1999 - Berliner Kurier - kah - Bahn AG verklagte Zeitungsverkäufer

Bahn AG verklagte Zeitungsverkäufer

TIERGARTEN - "Ich verkaufe hier die Straßenzeitung..." Welchem Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel begegnet nicht täglich mindestens einer der bis zu 150 Obdachlosen, die so ihren Lebensunterhalt aufbessern. Doch wenn es nach der Bahn AG geht, soll damit Schluß sein: Sie erstattete gegen einen der Verkäufer Anzeige wegen Hausfriedensbruchs. Gestern stand er vor dem Amtsrichter.

Vor zwei Jahren hatte Konrad G. (41) an den Fernbahnsteigen des Bahnhofs Zoo mit dem Verkauf des "Straßenfegers" begonnen. Hausherr und Wachschützer tolerierten den Verstoß gegen die Hausordnung. G., weder Alkoholiker noch Junkie: "Ich habe mich immer korrekt verhalten." Doch im Mai '97 bekam er plötzlich Bahnhofsverbot. Er ließ sich nicht vertreiben, "sammelte" 49 Anzeigen.

"Fahrgäste hatten sich beschwert, sie fühlten sich genötigt", führte Wachschützer Michael B. (36) ins Feld. G. habe "herumgelungert", ohne Reiseabsichten. Der Richter unterbrach auf Wunsch der Verteidigung den Prozeß. Die will bis Montag die Bahn dazu bewegen, die Anzeigen zurückzuziehen.

Bahn-Sprecherin Marlene Schwarz: "Fliegender Handel - womit auch immer - ist bei uns nicht gestattet." Trotzdem sei man immer gesprächsbereit. kah

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