18.07.1994 - Berliner Zeitung - Berliner Karrieren - hg: Die Gründungsgeschichte von mob

Vertriebsleiter Horst Heitrich (Anmerkuung: richtig hätte es hier heißen müssen: Horst Hädrich) und Redakteur Heiko-Andre Meyer von der Obdachiosenzeitung "mob" fürchten um ihre Jobs. Das Team hat sich mit dem Herausgeberverein "Berliner Initiative gegen Wohnungsnot" überworfen und kommt nicht mehr an das Bankkonto. Jetzt versuchen die "mob"-Leute das Projekt in Eigenregie weiter zu führen. Geplant ist, daß ein neuer Förderverein die Geschäfte übernimmt und damit die Herausgabe der Zeitung -- derzeit 18 000 Exemplare -- sichert. (...)


Berliner Zeitung, Berliner Karrieren 18.07.1994, Seite 18 Kommentar: Im Grunde ist das die Gründungsgeschichte (oder -legende?) von mob - obdachlose machen mobil e.V.

Zugabe:
hier eines der unnachamlichen Gedichte von Heiko-André Meyer:

DER OBDACHLOSE

Verschämt sieht er die Stadt erwachen,
er wird nun aus durchweichten Sachen
sein Elendsbündel packen.
Der vor Kälte steife Nacken
hindert ihn beim Bücken.
Es schmerzt ihm der gesamte Rücken.

Er trinkt den Rest aus seiner Flasche,
dann durchsucht er seine Hosentasche
nach einem Zigarettenstummel
und verflucht den ganzen Rummel.
Bis Mittag hat er rumzulungern
und um nicht zu verhungern
geht´s dann in die Suppenküchen
zu den Wirsingkohlgerüchen.
Er ist seit Wochen auf den Platten,
jetzt beginnt er zu ermatten.

Die Papiere hat man ihm gestohlen,
er kann sich nicht mal seine Stütze holen.
Bei der Bitte nach ´nem Groschen
haben ihn ein paar Mann verdroschen.
Wie lang, ist die Frage,
erträgt er seine Lage.
Sein Mut, doch noch zu hoffen,
macht mich tief betroffen.

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