jutta 2007Es ist Zeit, Abschied zu nehmen von

Jutta Irma Wilma Welle
01.01.1963 - 21.06.2021

Jutta ist für uns alle ganz überraschend und unerwartet verstorben.

Alle Menschen, die dabei sein möchten, sind eingeladen, sie auf ihrem letzten Weg zu begleiten.

Die Beisetzung wird am

Freitag, den 20.08.2021 um
13:00 Uhr auf dem
FriedWald Mühlenbecker Land

sein.

Bitte verzichtet auf Blumen und Gestecke, diese sind im Wald nicht zulässig.
Für die Anreise wird es Fahrgemeinschaften geben. Wer mitgenommen werden möchte oder anderweitig Unterstützung für die Teilnahme an der Beisetzung benötigt, wende sich bitte an Torsten Levold.

Informationen zum Ablauf

Wir treffen uns um 13:00 am Eingang vom Friedwald und gehen von dort aus gemeinsam den kurzen Weg zum Andachtsplatz.

Dort hören wir einige Lieder und dazwischen wird es kurze Ansprachen geben von Angelika, Stefan und allen anderem Menschen, die etwas sagen möchten.

Gegen 13:40 machen wir uns auf den kurzen Weg zu dem Baum, an dem die Urne von Jutta ihren Platz haben wird - nur weniger Meter vom Andachtsplatz entfernt. Die Urne wird ins Grab versenkt und alle können Abschied nehmen.

Im Anschluss an die Beisetzung sind alle Trauergäste herzlich zum Beisammensein im Gedenken an Jutta in die

Gaststätte Zum Eisernen Gustav
Hauptstraße 59a
13127 Berlin-Französisch Buchholz

eingeladen. Die Kosten für Essen und Getränke werden übernommen.

Informationen zur An- und Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Der Friedwald ist erreichbar vom S-Bahnhof Mühlenbeck-Mönchmühle mit dem Bus 806 Richtung Zühlsdorf, Bahnhof, Abfahrt um 12:42 Uhr.
Der Ausstieg ist nach 14 Minuten an der Haltestelle Summt, Seegarten. Von dort aus geht ihr in Fahrtrichtung etwa noch 100 Meter. Der Eingang ist auf der rechten Seite.
ACHTUNG: Der BUS 806 fährt nur stündlich, also bitte pünktlich sein.


Ablauf der Andacht

    • Lied zur Einstimmung: Böse Onkelz -28
    • Zweites Lied: Gotthard – Heaven
    • Begrüssung durch Stefan
    • Lied: Böse Onkelz - Nur die Besten sterben jung
    • Worte zur Erinnerung an Jutta (Stefan, Ergänzungen durch Gabi, Kerstin, Sabine, Lenin und Holger)
    • Lied zum Aufbruch: Twilight Soundtrack - Bellas Lullaby


Rede zur Eröffnung der Trauerfeier - Abschied von Jutta Welle

Guten Tag,

der Grund, warum wir heute hier zusammen gekommen sind, ist kein schöner, sondern ein trauriger.

Wir sind heute hier, um uns von Jutta Welle zu verabschieden und sie auf ihrem letzten Weg zu begleiten.

Jutta Welle war für uns

    • Tochter
    • Ehefrau,
    • langjährige Kollegin und Mitstreiterin,
    • Mitbewohnerin,
    • Freundin,
    • Nachbarin.

Ihr Tod am 21. Juni 2021 – Mitsommertag – kam für uns alle unerwartet und überraschend.

Sie hatte zwar ein Jahr zuvor – mit Beginn des 1. pandiemiebedingten Lockdowns Anfang März eine schwere mehrstündige Operation – ein gutartiger Tumor wurde aus ihrem Kopf entfernt, sie wurde in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt und kämpfte sich danach mit großem Willen und einer eisernen Energie
wieder in das Leben zurück.

In einem langen Prozess der Genesung vom Rollstuhl über den Rollator zum Gehstock bis hin zum freihändigen Gehen wurde sie wieder die Jutta die wir kannten, auch ihr Sehvermögen besserte sich, noch wenige Tage vor ihrem Tod berichtete sie von einem Ausflug, den sie alleine mit ihrem Auto nach Müggelheim unternommen hat, um Christine zu besuchen. Auch hatte sie inzwischen wieder eine Arbeit als Buchhalterin aufgenommen.

Leider verlief die Genesung nicht so ganz, wie sich Jutta das vorstellte; es gab Anzeichen, dass der Tumor, der bei der Operation im vergangenen Jahr nicht ganz entfernt werden konnte, wieder Probleme machte. Geplant war eine Strahlentherapie. Jutta litt wieder an Sprachbeschwerden und Sekundenschlaf, aber noch bevor die Therapie beginnen konnte, wurde Jutta von uns allen unerwartet vom Tod eingeholt und Alina hat sie dann schließlich im Bett liegend tot – aber mit einem friedlichen Gesichtsausdruck verstorben – vorgefunden.

Nun stehen wir hier versammelt an ihrer Urne, um uns von ihr zu verabschieden.

Wir hören eine Lieder, die Jutta gut gefallen haben.

Wir werden jetzt ein Lied hören, danach werde ich versuchen, im Gedenken an Juta einige Dinge vorzutragen, die ich erinnere und die es zu würdigen gilt. Und auch Ihr werdet im Rahmen dieser Trauerfeier sagen können, was Euch wichtig ist, wenn ihr Jutta erinnert.

In Begleitung eines Trompeters gehen wir dann alle gemeinsam die wenigen Meter zu dem Baum – einer jungen Eiche – an dem dann die Urne mit Jutta Asche in die Erde versenkt werden wird.

Und jetzt nehmen wir uns Zeit, uns von Jutta zu verabschieden.

Stefan Schneider (unter Mithilfe von Kerstin und Sybill)


Traueransprache für Jutta Welle

Jutta wurde am 01.01.1963 in Mettmann geboren.

Ihr Geburtstag am Neujahrstag war immer immer etwas besonderes für sie sagt. Sie sagte zum Silvesterfeuerwerk immer, dass das ihr Geburtstagsfeuerwerk sei. Sie knallen alle wegen mir.

Sie war Einzelkind. Sie wurde in Mettmann groß und orientierte sich schon bald Richtung Düsseldorf. Sie machte eine Ausbildung zur Steuerfachgehilfin. Ein Berufsbezeichnung, die überhaupt nichts aussagt über ihre Qualifikation und ihre fachlichen Kompetenzen. Dazu später.

In Düsseldorf kam sie, soweit wir wissen, in Kontakt zur Messebau-Szene. So lernte sie ihren späteren 1. Ehemann Marko Mehlhase kennen. Diese Geschichte ging nicht gut aus. Amphetamine, um wach zu bleiben, fehlende Zahlungen, Schulden, die Jutta bis zum Schluss beglichen hat, weil sie – ohne über mögliche Konsequenzen nachzudenken - für Mehlhases Geschäfte eine Bankbürgschaft unterschrieben hat. Die Beziehung war auch von Gewalt bestimmt. Überhaupt hat Jutta in ihrem Leben viel Gewalt erfahren.

Vor Mehlhase ist Jutta nach Dresden geflüchtet, wo sie einige Zeit in Dresden Neustadt lebte. In Dresden kam Jutta auf den Hund – und das war Joker, den sie bereits als kleinen, nur wenigen Wochen alten Welpen zu sich nahm. Joker war für Jutta ein treuer Begleiter.

Von Dresden aus kam sie im Winter nach Berlin, wo sie zunächst in der Wagenburg Wuhlheide lebte. Das war ihr Einstieg in das Thema Wohnungslosigkeit. Jutta hat sich dann bald eine Wohnung besorgt, kam in Kontakt zur Theatergruppe „Ratten 07“. Die Verbindung zu den Ratten blieb auch später: Oft genug hingen wir in der Kantine der Volksbühne, wo die Ratten ihre Hinterbühne hatten. Wichtig war ihr auch die Freundschaft mit einigen der Ratten: Mit Uwe Hundertmark wohnte sie einige Zeit zusammen. Gemeinsam haben wir ja dann Uwe Hundertmark auch beerdigt. Auf jeden Fall: Jutta auchte dann in jener Zeit, Mitte der 90er Jahre, eines Tages beim Mob-Magazin in der Kleinen Hamburger Straße auf.

Das war dann der Auftakt zu einer längeren Geschichte. Jutta bot sich an, die bislang in einem Schuhkarton gelagerten Vereinsunterlagen finanzamtstauglich zu bearbeiten. Die weiteren Stationen: motz, strassenfeger, Notübernachtung, Kaffee Bankrott, Vereinsvorsitz, Geschäftsführung, Trödelprojekt und Hausprojekt Oderberger Str. 12 Altbausanierung mittels Fördermittel für "wohnungspolitische Selbsthilfe"; Veranstaltungsorganisation will ich nur kurz andeuten. Was viele vielleicht nicht wissen: Jutta ist auch Buchautorin vom "Leitfaden für Wohnungslose" im Jahr 2004.

Im Zusammenhang mit mob e.V. und Strassenfeger lernt Jutta auch Torsten kennen, den sie dann 2016 auch heiratete. Die Genossenschaftswohnung in der Bremer Höhe in Prenzlauer Berg wurde für die letzten gut 15 Jahre ihr Zuhause. Jutta kochte gerne und auch gut. Marmeladen. Naturverbunden – kannte sich gut mit Kräutern aus. Wenn man bei Jutta vorbei gekommen ist, gab es immer einen Kaffee oder Tee und häufig auch etwas zu essen.

Mit Jutta habe ich einige Segeltouren unternommen, vor allem zur Müritz, wo ihr Vater – in Röbel – geboren ist. Sie träumte davon, ein anderes Leben zu beginnen jenseits von Zahlen und Bilanzen. Sie liebte Musik und dort vor allem Metal und Mittelalter-Musik. Ich erinnere noch Fahrten nach Bremen zum Metallica Konzert, zum Hockenheim Ring zu den Böhsen Onkelz, aber auch Besuchen von In Extremo. Jutta liebte die Berlin – KriminalRomane  von Volker Kutscher und auch die Verfilmungen, die auch im TV zu sehen waren. Und auch Horst Bosetzkys Berlin Romane. Und diese TV-Serie über Hexen, das war ihr eine zweitlang auch sehr wichtig.

Eigentlich wollte sie im Jahr 2015 Torsten heiraten. Statt dessen kamen andere, traurige Ereignisse dazwischen: Sie hat im Jahr 2015 ihren Vater Norbert Welle hier in Berlin beerdigt und ihre Mutter Wilma nach Berlin geholt und sich fortan um sie im Seniorenheim gekümmert.

Jutta war im vergangenen Jahr hier auf diesem Friedwald dabei bei der Beerdigung von Hans Brodthuhn, der lange Jahre ehrenamtlich für den Straßenfeger aktiv war und regelmäßig das Kaffee Bankrott mit Backwaren vom Vortag versorgt hat. Dieser Friedwald hat ihr gut gefallen und deswegen denke ich, dass es in ihrem Sinne ist, dass sie hier beerdigt wird.

Noch einmal: Jutta war bis zum Schluß optimistisch und hat noch viele Pläne gehabt. Nur wenige Tage vor ihrem Tod berichtete sie ganz stolz von einem Ausflug, den sie ganz alleine mit ihrem Auto nach Müggelheim unternommen hat, um Christine zu besuchen. Auch wenn Jutta nur 58 Jahre alt geworden ist – es ist nicht möglich, das reiche Leben von Jutta mit Worten zu erfassen.

Wie gesagt, alles was ich hier vorgetragen habe, können nur Stichworte sein, Stichworte aus meiner Erinnerung, aus meiner Wahrnehmung. Jutta war viel mehr, und Jutta wird uns allen fehlen. Und sie wird bleiben, in unseren Herzen, in unserer Erinnerung. Dafür können wir alle nur Danke sagen.

Bitte, fühlt Euch eingeladen, jetzt zu sagen, was zu Jutta zu sagen ist.

Vielen Dank.

Stefan

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