A patient having his teeth drawn by a dentist. Etching 1900 - Quelle: WikiCommonsAusnahmsweise beginne ich mit guten Nachrichten. Die Zeit von Versuch und Irrtum, die Zeit, in der Zahnärzte, die sich auf Implantationen spezialisierten, am Patienten lernen mussten, sind vorbei. Es gibt seit Ende der 90er Jahre von einer Göttinger Firma (https://gos-implant.com) entwickelte, hochwertige und ständig verbesserte Modelle zur Simulation der Arbeit, Zahnimplantate vorzubereiten und einzusetzen. Damit kann bereits in der Ausbildung Kompetenz erworben und in der späteren Berufspraxis verfeinert werden. Auch für die Fortbildung von Zahnärzten und Zahnspezialisten sind diese Modelle nutzbar und werden in der Regel von Instituten und Universitäten eingesetzt. Kompetenz durch Lernen am Modell und beruflicher Erfahrung. Wäre das bereits vor Jahrzehnten state-of-the-art gewesen, wäre mir so manche Leidensstunde erspart geblieben. Aber ich bin, wie ich sogleich gestehen möchte, nicht unschuldig daran.

Als ich mit 19 endlich von zu Hause ausgezogen bin, hatte ich die ersten Jahre ganz andere Gedanken als mich um meine Zähne zu kümmern. Warum auch, die waren in Ordnung, und ich wollte das selbständige Leben in vollen Zügen genießen. Lange Jahre während meiner Kindheit trug ich eine Zahnspange, und das beste daran war, wenn einmal wieder eine neue Anpassung nötig war. Dann wurde eine rosafarbene Paste in ein Förmchen gespachtelt und mir auf die Zähne gedrückt. Das machte irgendwie Spaß und schmeckte auch ein bisschen nach Himbeer oder so. Aber das war ein Ding meiner Mutter – also die kümmerte sich um die ganzen Termine und so und dass ich die Spange regelmässig trage. Insgesamt ist mein Gebiss mit dieser Unterstützung gut geraten, würde ich mit einem Abstand von mehreren Dekaden doch feststellen wollen.

Aber damals, in dieser wilden Studentenzeit musste ich alles mögliche ausprobieren und testen, und dazu gehörte auch, mit alten Gewohnheiten zu brechen. Bügeln zum Beispiel. Oder auch Zähneputzen. Ich wahr einfach zu faul dazu. Ein paar Jahre später fing es dann an mit den Zahnschmerzen. Da ich nicht ernsthaft Lust hatte, zum Zahnarzt zu gehen, behandelte ich den Schmerz einfach mit Wodka. Immer schön die Flüssigkeit an die schmerzende Stelle gespült, und tatsächlich, nach drei vier Tagen und etlichen Flaschen war der Schmerz weg. War ich froh. Doch die Ruhe war nur von kurzer Dauer. Kaum ein Vierteljahr später ging es an anderer Stelle wieder los, und als sich nach drei Tagen Wodka-Intensiv-Behandlung kein Erfolg einstellte, war klar, ich muss zum Zahnarzt.

Es folgte eine schmerzhafte Zahnwurzelbehandlung, über die ich eigentlich gar nicht mehr nachdenken möchte. Und es sollte nicht die letzte Zahnwurzelbehandlung bleiben. Zweifel an der Behandlung kamen mir, als der Bohrer, mit dem der Mann mich quälte, abbrach und ein Stück davon im Zahn stecken blieb. Damals war ich nicht mutig genug, hier zu intervenieren. Jahre später wurde der Drahtstift dann anläßlich einer Röntgenaufnahme wieder gesichtet, weil sich in dem Bereich Eiter gebildet hatte.

Ich möchte Euch die Einzelheiten ersparen. Auf jeden Fall bin ich vor gut 15 Jahren bei einer Zahnärztin gelandet, die ebenso umsichtig wie handwerklich kompetent meine Zähne behandelt und die mir zuletzt erst versichert hat, dass dritte Zähne durchaus nicht unausweichlich sind, sondern dass es durchaus möglich ist, dass ich meine Zähne bis hin das hohe Alter behalten kann. Und übrigens, ich putze jetzt auch deutlich öfter die Zähne als früher.

Hamburg und Kopenhagen, 10.08.2018

Stefan Schneider

Abbildung: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:A_patient_having_his_teeth_drawn_by_a_dentist._Etching._Wellcome_L0034618.jpg:A_patient_having_his_teeth_drawn_by_a_dentist._Etching._Wellcome_L0034618.jpg
Quelle: WikiCommons

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