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Stefan rauchend bei der Wohnungsrenovierung 1984Rauchen ist heute nicht mehr das, was es mal war. Zahlreiche Gesetze unterbinden das Rauchen in der Öffentlichkeit, zugleich existiert aber seit einigen Jahren eine Alternative zum Verbrennen von Tabak, der neben dem gewünschten Niktotin auch unbestreitbar jede Menge gesundheitsschädlicher Zusatzstoffe enthält. Wie bei www.steamo.biz www.clicksmoker.com gut nachzulesen ist, wird bei der E-Zigarette im wesentlichen verflüssigtes Nikotin verdampft (und nicht etwa verbrannt). Aber es gibt auch Liquids ohne Nikotin. Hätte es die E-Zigarette vor 35 Jahren schon gegeben, meine Raucherkarriere wäre sicherlich völlig anders verlaufen.

Rauchen, das war von Anfang an mehr als nur ein Zu-sich-Nehmen von Nikotin. Es erfüllte im Verlaufe vieler Jahre ganz unterschiedliche Funktionen. Ich fing an, weil es die anderen machten. Meine zumeist älteren Freunde. Die schon studierten, während ich noch zur Schule ging. Die viel mehr Zeit hatten als ich, der ich jeden Morgen um 8 Uhr in der Schule sein musste. Vorlesungen fingen so um 10 Uhr an. Frühestens. Es blieb natürlich nicht beim Probieren, und schon bald war ich regelmäßiger Raucher. Vor Schulbeginn eine erste Zigarette zu rauchen, selbst auf die Gefahr hin, verspätet zu erscheinen. Die Lehrer waren ohnehin froh, wenn jemand zum Unterricht erschien. Separate Raucherräume für Schüler gaben einem das Gefühl, jemand besonderes zu sein und im Lehrerzimmer wurde ohnehin geraucht. Und nicht wenig.

Später war die Raucherpause ein soziales Event auf Tagungen. Die Nichtraucher schätzen wir als eher langweilig ein. Die wirklich taffen Leuten standen draussen, quatschen, hekten Pläne aus oder lästerten ab und rauchten. Das gegenseitige Feuer geben oder Zigarette anbieten war eine wortlose Solidarisierung und funktionierte prächtig. „Komm, lass und eine rauchen gehen!“ und sobald die Zigarette qualmte, hieß es: „Ist der Vortrag nicht fuchtbar? Kaum auszuhalten!“ Aber auch im privaten Leben war die Zigarette ein Heilmittel für alles und jedes. Eine Arbeit ist erledigt? Zur Belohnung eine Zigarette. Eine zündende Idee wird gesucht? Vielleicht kommt die ja bei der Zigarette. Eine Sache soll zu Ende kommen? Gerne nach einer kurzen Zigarettenpause. Einen Grund zum Rauchen gab es eigentlich immer – und sei es, dass man erstmal nicht wusste, über was man tun sollte.

Natürlich gab es schon damals Berichte über die gesundheitlichen Gefahren des Rauchens, und die waren auch schwerlich zu bestreiten. Aber die Lungenkrebserkrankten, Beinamputierten waren weit weg. Die waren alt und wir waren jung. Und aufhören konnten wir immer noch – später, in einer nicht genauer bestimmten Zukunft. Die kam auch, und dann ging es bergab mit der Kondition. Astma kam dazu und mußte behandelt werden. Irgendwie ging es immer weiter. Es gab auch keine wirkliche Alternative. Aufhören? Die Nichtraucher waren ja noch immer uncool. Spießig. Sex and Drugs and Rock and Roll. Dann kam der Husten dazu. Immer morgens beim Kaffee mit den ersten Zügen der Morgen-Zigarette. Kein Hüsteln, sondern ein schwerer, grollender, schleimiger Husten aus der Tiefe der Lunge. Wirklich unangenehm und körperlich anstrengend. Erste Gedanken kamen auf. Was mache ich hier eigentlich? Ein sonniger Tag beginnt und ich schütte Gift in mich hinein? Eines Tages war dann Schluss damit. Keine Zigaretten mehr, dafür ein halbes Jahr lang nicht abebben wollende Nervosität. Nikotin – ja, das ist ein Nervengift.
Heute kann ich rauchen, ohne die Lunge zu Teeren, wie wir damals sagten. Ein wichtiger Fortschritt. Mit Hilfe der E-Zigarette.

Berlin, 15.12.2014

Stefan Schneider

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