Plakat der Kulturrevolution von 1971 - Quelle: WikiCommons[Umkämpfte Herrschaft] Als Mao Zedong am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik China ausrief, war China eines der ärmsten Länder der Welt. Das verwundert um so mehr, als das China auf eine lange Kulturgeschichte zurückblicken kann. Die Schrift und der Buchdruck sollen hier erfunden worden sein, es gab mächtige Dynastien und große Flotten, die die Ozeane der Welt bereisten. Aber offenbar ging es bei diesen Formen der Herrschaft um vieles, um Macht, Einfluss und Geld, und nicht darum, das gute Leben aller zu gewährleisten. Im Jahr 1911 schafften es die bürgerlichen und revolutionären Kräfte, die Quing-Dynastie zu stürzen. Die kuriose Geschichte des letzten Kaisers von China, der als Kind auf den Thron kam und später als einfacher Gärtner arbeitete, war ein großer Kinoerfolg von Bernardo Bertolucci aus dem Jahr 1987. Die Streitigkeiten darüber, wie es weiter gehen sollte, führten zu einem mehr als 20 Jahre dauernden Bürgerkrieg, bei dem sich letztlich die Kommunisten durchsetzen konnten.

[Kulturkampf] Einen wirklichen, funktionierenden Plan zur Beseitigung von Armut hatte Mao auch nicht. Sein Rezept war – auch nach dem Sieg der Kommunisten – ein permanenter Klassenkampf, der täglich, monatlich und jährlich zu führen war. Dies versuchte er beispielsweise in der Großen Proletarischen Kulturrevolution durchzusetzen, die aber letztlich alle ihre Ziele nicht erreichen konnte. Nach dem Tod Maos setzten sich seine politischen Widersacher innerhalb der KP Chinas durch. Als Jahre später auf dem Platz des Himmlischen Friedens Arbeiter und Studenten für mehr Demokratie demonstrierten, ließen die Nachfolger von Mao Panzer rollen. In neuester Zeit hat der Künstler Ai Weiwei Aufsehen erregt: Wegen seiner Kritik an den bestehenden Verhältnissen wird er seit 2011 von Chinas Machthabern festgehalten – mit immer neuen, erfundenen Vorwürfen. Die Versuche der Regierung, durch Zensur des Internets die Freiheit von Information und Meinung zu beschränken, sind ein politisches Dauerthema. Und die Bilder im Fernsehen zeigen China als etwas seltsames, waffenstarrendes kapitalistisches Land mit Einparteiengerontologie, Umweltzerstörung, Verkehrschaos, Wohnghettos, Korruption, Ausbeutung und Todesstrafe.

[Augenschein] Höchste Zeit also, im Zeitalter der globalen Weltgesellschaft dieses bizarre Superland zu besuchen. Bei Chinatours sind Reisen mit unterschiedlichen Schwerpunkten buchbar, an denen unter fachkundiger Führung wichtige Orte besucht werden können. Ein ganz hervorragender Rahmen also, um vor Ort etwas über und von China zu lernen. China, das ist eben mehr als Große Mauer und Terrakotta-Armee.

Berlin, 30.06.2013

Stefan Schneider

[Abbildung] Image shows three young Chinese Red Guards from the Cultural Revolution 1971, http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Red_Guards.jpg

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