Pfefferberg, Eingang zum Biergarten Ansicht 2004 - Quelle: WikiCommons[Landpartie] Zu den Leidenschaften, denen die Berliner gerne frönen, gehört mit Sicherheit der Sonntagsausflug. Das ist weitgehend dokumentiert, beispielsweise im dem Lied von Bolle. Dort heißt es:

Bolle reiste jüngst zu Pfingsten,
Nach Pankow war sein Ziel;
Da verlor er seinen Jüngsten
Janz plötzlich im Jewühl;

Pankow, das war damals vor hundert Jahren so ziemlich das erste Dorf, wenn mensch Berlin Richtung Norden verließ, und ein bekanntes Ausflugsziel.[1] Eine sogenannte Landpartie. Viele kamen erst gar nicht so weit. Der clevere bayerische Brauer Joseph Pfeffer errichtete 1841 auf dem Weg nach Pankow eine Brauerei und für die Sonntagsausflügler einen Biergarten. Damals war es sogar möglich, sich selbst Kaffee mitzubringen und in der Schankhalle des Biergartens selbst aufzukochen – heutzutage völlig undenkbar.

[Attraktion] Diesen Biergarten gibt es heute immer noch, die ehemalige Brauerei steht unter Denkmalschutz und auf dem grundlegend sanierten Gelände mit seinen vielen Gebäuden haben sich viele Unternehmen angesiedelt – darunter ein Theater, ein Hostel, Ateliers, eine Designerschule, mehrere Galerien und demnächst sollen sogar die alten Kellergewölbe wieder für die Öffentlichkeit geöffnet werden. Obwohl laut Nutzungsplanung auf dem Gelände keine Nutzung zu Wohnzwecken erfolgen sollte, ist es doch ein offenes Geheimnis, dass im Laufe der Umbauarbeiten dort einige Appartements entstanden sein sollen. Aber bitte, wer will einen Künstler ernsthaft daran hindern, in seinem Atelier zu wohnen? Oder einen Besucher, sich für längere Zeit in einem Hostel einzumieten? Der Pfefferberg als bauliches Ensemble hat eine ganz eigene Aura und übt auch heute noch eine große Anziehungskraft auf Besucher aller Art aus – heute sind es Ausflügler_innen aus der ganzen Welt, die hier einen Stopp einlegen. Es ist sogar in Planung, dort wieder Bier zu brauen.

[Privileg] Ich selbst hatte für drei Jahre meinen Arbeitsplatz auf diesem Gelände, davon gute zwei Jahre in Haus 13 direkt am Biergarten. Das war – jetzt allein vom Gesichtspunkt des Arbeitsortes – eine der besten Zeiten meines Lebens. Die großen Bäume des Biergartens sorgten im Sommer für eine angenehme Kühle und ein entspanntes Arbeiten im Schatten, aber es war jederzeit möglich, etwa für kurze Besprechungen in den Biergarten zu wechseln und die Sonne zu genießen. Und wenn abends gegen 20:00 Uhr die Events begannen, war das ein deutlicher Hinweis, nun endlich Feierabend zu machen. An so etlicher Veranstaltung habe ich teilgenommen, in dem ich einfach durch das Fenster in den Biergarten stieg und so die Einlasskontrolle umgehen konnte. Es gibt also gute Gründe, über denkmalgeschützte Immobilien länger nachzudenken. Die Investition Baudenkmal lohnt sich. Unter anderen Umständen hätte ich mich damals einkaufen sollen in den Pfefferberg – dann hätte ich heute einen repräsentativen Standort für mein Unternehmen. Es ist anders gekommen, aber das ist eine andere Geschichte.
Berlin, 08.06.2013

Stefan Schneider

[Abbildung] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mk_Berlin_Pfefferberg.jpg Foto: Magadan, 2004

[1] Heute ist Pankow bei Berliner Bezirk mit mehr als 350.000 Einwohner_innen und damit so groß wie die Stadt Bochum.

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