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Jagow - Behandlung in der Dorfpraxis 1965 - Quelle WikiCommons[Verfallen] In der Phase, in der ich mich überwiegend damit beschäftigt habe, ausgeleerte Bierdosen in Richtung Papierkorb zu werfen, hatte ich keine Zeit – und auch kein Interesse – mich um meine Zähne zu kümmern. Als das dann vorbei war, begannen die Aufräumarbeiten, und die waren umfangreich. Vor allem brauchte ich eine gute Zahnärztin, und als ich die dann fand – nach einigen Empfehlungen – war ich gut anderthalb Jahre wenigstens einmal bei ihr – und es gab immer was zu tun. Das Ergebnis dieser Bemühungen konnte sich sehen lassen: Mein Gebiss war wieder einigermaßen in Ordnung – und auch nicht mehr überwiegend braun, sondern tendenziell weiß. Dass es eine gute Zahnärztin ist, erkenne ich daran, dass es bei meinen regelmäßigen halbjährlichen Besuchen nur selten Reparaturarbeiten gibt.

[Verglichen] Etwas anderes war es mit meiner Zahnlücke unten. Wir diskutierten verschiedene Optionen, damit umzugehen, und eines Tages schickte mich meine Zahnärztin zu einem Gutachter, der sich die Sache mal ansehen sollte. Nun stand aber statt eines Zahnarztes ein Cowboy vor wir: Mit Stiefeln, Jeans, Riemenschnalle, Karo-Hemd, Weste und Hut – eben der ganze Wichs. Darauf angesprochen knurrte er nur: Ich gucke mir das doch nur an – ich behandele Sie doch nicht. Am Ende des Gesprächs war ich sehr zufrieden, denn mir war klar, dass ich das Problem kieferorthopädisch richten wollte. Das war weder die preisgünstigste noch die schnellste Variante, aber doch die schonendste. 

[Verdrahtet] Der Kieferorthopäde, den mir meine Zahnärztin empfahl, murmelte etwas von 1.800 Euro und einem Jahr Zahnspange. Wochen später, die Geschäfte liefen gerade gut, schmiss ich ihm ein Bündel mit den Geldscheinen auf den Tisch und die Behandlung begann. Ich bekam sogar Rabatt dafür, dass ich die ganze Summe im Voraus zahlte. Das Ergebnis war wirklich eindrucksvoll: Die Lücke war weg und sogar meine Zahnärztin staunte. Nur an den feinen Draht, der hinter meinen Zähnen verklebt wurde, habe ich mich bis heute noch nicht so richtig gewöhnt. 

[Versäumt] Im nächsten halben Jahr würde wieder eine kleine Behandlung anstehen, sagte meine Zahnärztin bei meinem letzten Besuch. Sie würde dann wieder einen Heil- und Kostenplan aufstellen und das meiste werde ich wohl wieder selbst bezahlen können. Zum Glück gibt es ja seit einiger Zeit den Zahnarzt Preisvergleich, der mir die Möglichkeit eröffnet, höchstpersönlich zu checken, ob das in Ordnung geht. Trotzdem gibt es in Sachen Zähne noch ein ziemliches Defizit in meinem Leben. Das betrifft das Thema Putzen. Aber davon ein anderes mal. 

Berlin, 25.02.2013

Stefan Schneider

[Abbildung] Bundesbildarchiv in WikiCommons

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-D0817-0005-001,_Jagow,_Behandlung_in_der_Dorfpraxis.jpg?uselang=de

Original Bildunterschrift:

Jagow, Behandlung in der Dorfpraxis

Zentralbild Franke 17.8.1965 Volkswahl 1965 Landambulatorium Jagow im Kreis Straßburg Bezirk Neubrandenburg Mit Unterstützung des Staates und durch die vorbildliche Einsatzbereitschaft des Kollektivs der Mitarbeiter, konnte die gesundheitliche Betreuung der Landbevölkerung der Gemeinde Jagow wesentlich verbessert werden. Zahnarzt Arnim Merthers und seine Helferin Käthe Vohs befreien, Elsbeth Meahler aus der Feldbaubrigade der LPG "Freide Erde" von ihren Zahnschmerzen. (unser Bild).

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/da/Bundesarchiv_Bild_183-D0817-0005-001%2C_Jagow%2C_Behandlung_in_der_Dorfpraxis.jpg?uselang=de