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Hugo Oehmichen - Im Kindergarten. Quelle: WikiCommons[Aufmerksamkeit] Natürlich habe ich mir als Teenager eine Freundin gewünscht und sehnlich auf die geguckt, die schon eine hatten. Ich würde auch gar nicht sagen, dass ich besonders schüchtern war. Es war eher so, dass ich keine Ahnung hatte, wie ich das anstellen sollte. Heute würde ich wahrscheinlich hingehen und sagen: Guck mal, ich bin wirklich süß! Willst Du meine Freundin sein? Ich bin auch aufgeschlossener für Signale, also wenn eine Frau mich wirklich attraktiv findet. Gut erinnere ich mich noch an eine Klassenfahrt. Ein Mädchen aus einer anderen Klasse ließ mir über einen Jungen einen Liebesbrief zukommen und ich war total aufgeregt und konnte zwei Nächte lang kaum schlafen. Keine Ahnung, was genau ich antworten sollte. Dabei war das Mädchen gar nicht mal unattraktiv. Aber mein langes Warten hat ihr wohl gesagt, dass ich kein Interesse hätte. Dabei war das pure Hilflosigkeit. Also die Idee, wie ich es wohl anstellen könnte, eine Freundin zu bekommen, fehlte mir. Wie auch, es hat mir keiner beigebracht und ich hatte als Kind und Jugendlicher auch wenig Freunde. Wahrscheinlich lag es daran, dass ich die ersten 5 1/2 Jahre meines Lebens als Einzelkind aufgewachsen war. Zwar hatte ich mit 4 Jahren meine ersten intensiveren Kontakte zu anderen Kindern im Kindergarten, aber diese Situation überforderte mich doch sehr und meine Erinnerungen an diese Zeit sind eher negativ. In der Schule bekam ich mehr Anerkennung. Das war auch einfacher. Man musste einfach still sitzen und dem Unterricht folgen, das war schon alles. Die Pausen auf dem Hof habe ich dann mehr oder weniger gut überstanden. Meine soziale Kompetenz verbesserte sich erst später, als ich mich bewusst kirchlich politischen Jugendgruppen anschloss und dort etwas über Gruppendynamik und Gruppenpädagogik lernte.

[Realworld] Natürlich ist es nicht nur so, dass Männer in Bezug auf Frauen unsicher sind, sondern auch umgekehrt ist es vorstellbar und wahrscheinlich gar nicht mal so selten. Und alle suchen sie im Internet nach einem Ausweg aus diesem Dilemma. Das Problem ist, dass das Internet nur sehr bedingt dafür eine Antwort hat. Letztendlich läuft es dann doch darauf hinaus, nach draußen unter Menschen zu gehen und sich zu trauen, direkt Kontakt aufzunehmen und jemanden anzusprechen. Nicht einmal, sondern immer wieder bis es gelingt, einen Partner zu finden. Aber hilfreich ist schon eine gute Ratgeberliteratur. In diesem Fall gibt es einen Ratgeber mit dem Titel Catch him & Keep Him - Ratgeber. Das ist insofern bemerkenswert, als dass eben nicht mehr davon ausgegangen wird, dass (heterosexuelle) Männer immer und prinzipiell Interesse an Frauen hätten. Sondern vielmehr im Gegenteil, dass auch Männer aktiv anzusprechen sind. Aus unterschiedlichen Gründen, zum Beispiel, weil es ihnen gar nicht auffällt, dass eine Frau an ihnen interessiert ist. Das Bemerkenswerte an diesem Ratgeber ist, dass er von einem Mann geschrieben worden ist, also einer Person, die vielleicht am Besten in der Lage ist, sich vorzustellen, wie und unter welchen Umständen ein Mann anzusprechen und zu erobern ist. Nur eines kann der beste Ratgeber leider auch nicht ersetzen. Nämlich, dass es notwendig ist, die eigenen vier Wände zu verlassen und draußen in der Welt reale Menschen zu treffen.

Gdansk, 02.10.2012

Stefan Schneider

[Abbildung] Hugo_Oehmichen_Im_Kindergarten.jpg (Quelle: WikiCommons)