Chales Vetter Der Viktualienmarkt in München - Quelle: WikiCommons[Warenbewegung] Das moderne Einkaufszentrum ist im Grunde eine Wiederholung der altbekannten Markthalle. Unter einem riesigen Dach vereint sind eine ganze Vielzahl von Buden, Ständen und Läden. Die Form der Markthalle ist historisch sehr alt. Schon von den ersten Basiliken der Christen hieß es, dass sie vor der Nutzung als Kirche eigentlich Marktorte waren. Dass es einen Markt geben muss, hat damit zu tun, dass überall auf der Welt unterschiedliche Waren hergestellt werden. Die Gründe dafür sind sehr vielfältig. Zum einen liegt es an den klimatischen Bedingungen. Produkte, die sehr viel Wärme benötigen, wachsen nicht überall. Ein zweiter Grund sind die Fundorte von Rohstoffen. Nur an ausgewählten Orten gibt es etwa Salzvorkommen, die abgebaut werden können. Ein weiterer Grund ist die Bodenbeschaffenheit. Erst bestimmte Böden geben dem Wein seine charakteristische Geschmacksnote. Und so lassen sich immer weitere Gründe für die Differenzierung der Waren ausmachen. Wer also nicht selbst ständig reisen möchte, um eine Vielfalt zu konsumieren, ist auf einen Markt, zu dem die Dinge gebracht werden, dringend angewiesen.

[Warenumgebung] Allerdings sind die modernen Markthallen konfektioniert. Ob in Delhi, Glasgow, Warschau, Barcelona, New York oder Santiago, sie sehen alle mehr oder weniger gleich aus. Auch die Läden darin sind alle mehr oder weniger gleich, von ein paar regionalen Unterschieden vielleicht abgesehen. Das weist darauf hin, dass der Markt von heute von einigen wenigen weltweit dominanten Marken bestimmt ist. Der damit verbundene Profit gelangt letztlich nur in die Hände weniger. Natürlich hat diese Vereinheitlichung auch enorme Vorteile. Ich kann im Grunde hinfahren, wo ich möchte, und doch sicher sein, dass ich dort vor Ort alles finde, was ich brauche: Angefangen vom Kaffee, über T-Shirt und Zahnbürste bis hin zu Schuhen. Alles mehr oder weniger so, wie ich es gewohnt bin. Damit wird ein uralter Menschheitstraum wahr. Überall, wo ich bin, bin ich zu Hause. Jedenfalls, wenn mit Zuhause eine gewohnte Umgebung von Dingen gemeint ist.  

[Einkaufserlebnis] Mit den neuen Medien ist es möglich, von jedem Computer der Welt aus einkaufen zu gehen. Kein Wunder also, dass das Eingangsportal von Shopping24 aussieht wie einer der vielen Shopping-Tempel. Natürlich wird hier wie überall mit Sonderangeboten geworden. Das folgt der Erkenntnis, dass wenn Kunden erstmal angelockt sind, sie wahrscheinlich auch kaufen werden. Werfen wir einen Blick in die Zukunft. Was heute der Kauf vom IPhone oder vom Tablett aus ist, wird in Zukunft ein holografisches Einkaufszentrum sein, dass ich mir gestalten kann, wie ich es gerne möchte. In den Farben, die ich mag, mit den Shops, die ich sehen möchte, mit virtuellen Verkäufertypen, die ich mir ganz nach meinen Wünschen am Computer zusammen stelle - angefangen von der Haarfarbe über Stimme bis hin zum Charakter. In diesen virtuellen Markthallen kann ich mich mit Freund_innen treffen, vieles ausprobieren, nur neugierig entlang schlendern, lästern, mich amüsieren und natürlich auch einkaufen. Und die Sachen, die ich haben will, werden mir vielleicht noch am gleichen Tag dorthin geliefert, wo ich sie in Empfang nehmen möchte.

München, 16.09.2012

Stefan Schneider  

[Abbildung] Charles Vetter: Der Viktualienmarkt in München. Gemälde. Quelle:
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Charles_Vetter_Viktualienmarkt.jpg

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