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Wasserwerfer - Quelle: WikiCommons[Aufruhr] Es war Hans Klunkelfuß, der die Idee der Häuser gegen die Kälte propagierte. Er war gelernter Drucker, kam aus der DDR, konnte sich nie richtig mit den Verhältnissen in der BRD anfreunden und war viele Jahre mehr oder weniger ohne Wohnung in Deutschland unterwegs. Mit Freunden ließ er sich in Michelbach in einem alten leerstehenden Bahnwärterhäuschen an einer Bahnstrecke, auf der tatsächlich gelegentlich Züge fuhren, nieder. Seine Anschrift lautete kurioserweise Außerhalb 1 und in der Tat war dieser Ort für einige Jahre eine vorzügliche Adresse für außergewöhnliche Ideen. Eine davon war: Häuser gegen die Kälte. Einfachsthäuser für ehemals Obdachlose auf halbwegs attraktiven Grundstücken. Heute verstehe ich, dass es dem Klunkelfuß mit diesen Ideen auch darum ging, so etwas wie Autonomie gegenüber der bürgerlichen Gesellschaft zu bewahren – anpassen an die Spießer wollte er sich jedenfalls nie – und deswegen mussten eben in jeder Hinsicht ungewöhnliche Lösungen her.  

[Erbpacht] Kurz darauf wurde von der gemeinsamen Zeitung von Strassenfeger und Looser das Selbsthilfehaus in Hebstahl propagiert. Ein Haus mit Potential, das aber nie richtig in Schwung kam und deshalb von uns intensiv beworben wurde. Darauf wurde eine Hausbesitzerin aus Berlin Spandau aufmerksam und sie wandte sich an die Herausgeber vom Strassenfeger und bot ihnen ihr vor kurzem rückübertragenes und sanierungsbedürftiges Hinterhaus in der Oderberger Straße an. Nach einiger Zeit des Prüfens und Abwägens kam ein Prozeß in Gang, der dem Verein mob – obdachlose machen mobil e.V. für die Dauer von 50 Jahre das Vorder- und Hinterhaus im Erbbaurecht bescherte und eine Förderung durch das Programm Wohnungspolitische Selbsthilfe (Muskelhypothek) und die Chance, 18 Wohneinheiten für ehemals wohnungslose, auf dem Wohnungsmarkt benachteiligte Mieterinnen sowie sanierungsbetroffene Mieterinnen anbieten zu können. (1) 

[Solar- und Erdwärme] Im Zuge der umfangreichen Sanierung wurde so ziemlich alles erneuert, was zu erneuern war. Besonders auf ökologische Baustoffe, Wärmedämmung und Maßnahmen zur Energieeinsparung wurde größter Wert gelegt, soweit es bei Altbauten aus dem Jahr 1878 überhaupt möglich ist. Installiert wurden unter anderem Isolierglasfenster, eine Dachbegrünung zur Verbesserung des städtischen Mikoklimas, sowie eine moderne, gasbetriebene Heizanlage. Das Blockheizkraftwerk nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung konnte aus Gründen, die ich vergessen habe, nicht installiert werden. Wichtig war auch die Solaranlage auf dem Dach des Hinterhauses - weitere Infos dazu gibt es unter Solarthermie.net – an die ich mich meistens im Sommer erinnere. Denn dann ist das Warmwasser deutlich heißer als im Winter. Das ist für das Duschen nicht unbedingt notwendig, wohl aber für das Abwaschen und die Waschmaschine und ich freue mich jedes Mal, das wir damals so weitsichtig waren, das zu installieren. Mit dem Wissen von heute hätte ich noch viel mehr Engagement darauf verwendet, die Option einer Erdwärmenutzung ernsthaft zu verfolgen, denn als vorsichtiger Mensch gehe ich davon aus, dass in einigen Jahren Erdöl und Erdgas nahezu verbraucht sein werden. Davon aber ein anderes Mal. 

Tczew, 18.07.2012

Stefan Schneider

 

[Abbildung] http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wasserwerfer.jpg

 

(1) Bedauerlicherweise geht der Verein mob – obdachlose machen mobil e.V. sehr sorglos und unsozial mit diesem Besitzstand um. Mit Kai Ratjen wurde seit 2007 ein charakterlich völlig ungeeigneter Hausverwalter eingesetzt, der ein Spezialist dafür ist, Mieter_innen einzuschüchtern, wegen Nichtigkeiten abzumahnen, Kündigungen anzudrohen, Klagen anzustrengen und so statt Wohnsicherheit Angst und Schrecken zu verbreiten.