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Containertransport - Briefmarke der DDR 1978 - Quelle: WikiCommonsSchallplatten. In unserer großen Wohnung in der Hauptstraße hatten wir eine Kammer, die sicher keine ein Meter sechzig breit war, aber doch fast vier Meter lang und – weil Altbauwohnung – sehr hoch. Und es gab ein großes Fenster zu unserer Balkonterrasse. Also baute ich eines Tages dort ein Hochbett ein für unsere Gäste. Nach einem knappen Jahr kam Petra an und sagte, ein Freund von ihr käme aus beruflichen Gründen von Düsseldorf nach Berlin und bräuchte erstmal eine Unterkunft. Tatsächlich wohnte Dirk – statt ein paar Tagen oder Wochen – so ziemlich ein ganzes Jahr bei uns. Recht früh am Morgen verließ er das Haus, kam abends in der Regel recht spät von Arbeit nach Haus, leerte dann noch ein oder zwei Bier in der Küche und verzog sich dann in die Kammer auf sein Hochbett. Dirk war ein fürchterlicher Chaot, der überall in der Kammer seine dreckige Wäsche verteilte, so dass es fortan in der Kammer immer nach Stinksocken roch. Beeindruckend war aber seine Plattensammlung, die fast die ganze linke Seite von der Tür bis zum hinteren Wandschrank ausfüllte, also gute vier Meter. Ich hatte die Erlaubnis, seine Bestände zu sichten und so machte ich Bekanntschaft mit Siglo XX, Pere Ubu, Kevin Coyne, Peter Hammill und vielen anderen interessanten Musiker_innen.

Schwankungen. Dirk arbeitete bei einer Spedition und auch ich habe dann bald einen guten Studentenjob da gehabt. Klar, dass bei dem täglichen Betrieb mehrerer größerer LKW bis zu einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 7,5 Tonnen, die ich ja bis heute mit meinem Führerschein fahren darf, der eine oder andere Schaden passierte. Meistens waren das abgefahrene Außenspiegel oder irgendwelche Kratzer oder Beulen, die selbst erfahrenen Kraftfahrern hin oder wieder passierten. Über die Firma waren wir damals versichert. Ich denke, dass Dirk damals einen guten Verkehrsrechtsschutzversicherung Vergleich vorgenommen hat, um für die Firma die beste Versicherung zu ermitteln. Ich persönlich erinnere mich speziell an eine Begebenheit in Bremen, wo es ja durchaus enge Straße gibt, die zudem noch Einbahnstraßen sind. Ich war auf dem Weg zu einem Kunden und zwängte mich mit dem großen LKW durch die Straßen. Mit eingeklappten Außenspiegeln war exakt an jeder Seite noch 2 cm Platz, um durch die Straße zu fahren. Also fuhr ich los. Was ich nicht beachtete war, dass während der Fahrt auf den holprigen Kopfsteinstraßen in den Bremer Innenstadt der Kasten vom Fahrzeug ziemlich bedenklich ins Schwanken geriet und dadurch doch ein Außenspiegel eines anderen Fahrzeugs zu Bruch ging. Und Außenspiegel gerade von größeren Fahrzeugen sind nicht unbedingt preisgünstig. Aber darum musste ich mich glücklicherweise nicht kümmern, das regelte ja die Spedition.

Berlin, 06.06.2012

Stefan Schneider

Abbildung: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a2/Stamps_of_Germany_%28DDR%29_1978%2C_MiNr_2327.jpg