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Der fleissige Student - Quelle: WkiCommonsAusflüge. Mein Übergang in eine wirtschaftlich unabhängige Existenz vollzog sich mehr oder weniger schleichend.Ich weiß noch, dass ich als 16jähriger Schüler in Erfahrung brachte, dass mir möglicherweise Schüler-BAföG zustehen könnte. Mein Vater verdiente als Schlosser zwar so viel, dass er uns alle gut über die Runden bringen konnte, aber doch nicht so viel, dass wir wohlhabend waren. Um in den Genuss der Leistungen zu bekommen, musste ich seine Verdienstbescheinigung einreichen und ein eigenes Konto bei der Postbank eröffnen. Ich meine, dass ich damals 160,00 DM monatlich an Ausbildungsförderung erhielt. Zusammen mit dem Taschengeld war ich für meine Begriffe von einen Tag auf den anderen unvorstellbar reich – was sich in zahlreichen Fahrten zu irgendwelchen Jugendtreffen und -tagungen ausdrückte. Ich war praktisch jedes Wochende unterwegs.  

Nachtleben. Mit diesem Reichtum war es vorbei, als ich mit dem Studieren begann und auch von zu Hause auszog. Plötzlich kam die Miete dazu und die jährliche Umlage für Briketts und Eierkohlen, dazu die anteiligen Kosten für Strom, Gas und Telefon. Und auch in die Haushaltskasse, die alle Positionen außer Alkohol und Zigaretten einschloss, wollte wöchentlich aufgefüllt werden. Natürlich sahen wir uns um, wo wir Studentenrabatte bekommen konnten. Zwar konnte ich dann Studenten-BAföG (nun ja, als Darlehen) beziehen, aber der Betrag war eher knapp bemessen und es war schon sinnvoll, den einen oder anderen Studentenjob anzunehmen, um finanziell keinen Stress zu haben. Auch war ich dankbar über jeden Gutscheinrabatt.eu. Von meinen Eltern wollte ich zu dieser Zeit kein Geld und auch sonst keine Unterstützung annehmen, das war eine Frage der Ehre und mehr noch des Stolzes. Insbesondere mit meiner Mutter hatte ich damals schwerwiegende Differenzen: Dieses Leben in einer Wohngemeinschaft, das eher schlampige Outfit und vor allem das intensive Nachtleben beurteilte sie eher skeptisch und nicht förderlich für meine Entwicklung.  

Erfolg. Es war im Grunde diese Abgrenzung, dass ich es allein schaffen würde, die mich auch disziplinierte: Natürlich brachte ich mein Studium zu Ende, in zahlreichen Studentenjobs im Bau, bei der Deutschen Post, bei einer Kunsttransportspedition, bei einer Gartenbaufirma, bei einer Konservendosenproduktionsfabrik usw. lernte ich die Arbeitswelt kennen, und weil ich einfach sparsam lebte, konnte ich mit meinen Reisen nach Spanien, Frankreich, England, Nicaragua, Norwegen, Polen, Italien und in die Sowjetunion sogar einiges von der Welt kennen lernen. Zwar wusste ich am Ende meines Studium immer noch nicht, was ich beruflich machen wollte – das ergab sich dann später im Verlauf der Jahre – immerhin hatte ich aber ein Diplom in der Tasche. Ich weiss noch genau, dass ich mit der Urkunde in der Tasche vor lauter Verwirrung Diesel statt Benzin tankte, aber das ist eine andere Geschichte.

Berlin, 24.02.2012

Stefan Schneider

Abbildung: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Der_Fleissige_Student.jpg

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