Draussen aufgehängte Wäsche in New York 1935 - Quelle: WikiCommonsFarben. Als ich im Alter von 19 Jahren von zu Hause auszog, nahm ich auch den Stapel Schiesser Unterwäsche mit. Dieser Stapel war im Verlauf der Jahre gleichsam als Serviceleistung vom Hotel Mama entstanden. Aus eigenem Antrieb habe ich selbst sicher nichts angeschafft, da ich das sauer verdiente Taschengeld für alles mögliche, aber sicher nicht für Unterwäsche ausgab. Der übliche Verschleiß wurde regelmäßig zu Weihnachten ausgeglichen, deshalb blieb der Bestand über die Jahre hinweg mehr oder weniger konstant. Das einige, was ich änderte, war, dass ich die Unterwäsche nicht mehr bügelte. Aber das wahr eher Faulheit als alles andere. Irgendwann in den späten 80er Jahre ist in die Kochwäsche ein rotes T-Shirt hineingeraten, was dazu führte, dass mein gesamter Bestand an Unterwäsche über Jahre hinweg rosa war – ich brauchte Jahre, bis das Phänomen entsprechend dem oben genannten Mechanismus der Erneuerung vollends verschwunden war.

Impulse. Alles änderte sich, als A. in mein Leben trat. A. ist, wie es sich für eine dynamische Frau von heute gehört, sehr stilbewußt und machte mir mehr oder weniger direkt deutlich, dass sie mich mit dieser Unterwäsche nicht mehr sehen wollte. Seit dem fahre ich zweigleisig und habe neben der bewährten Feinrippunterwäsche auch richtig modische Sachen. Aber auch die müssen erneuert werden in regelmäßigen Abständen. Deshalb ist es gut, dass es jetzt im Internet Shops gibt gibt, wo ich nach der neuesten Mode Ausschau halten kann. Zum Glück habe ich mit A. nur so eine Art Fernbeziehung, so dass ich die alten Bestände auch noch weiter nutzen kann. Meine Mutter ist inzwischen auch in die Jahre gekommen, und jetzt ist es so, dass nicht mehr sie für mich, sondern eher ich für Sie einkaufe, weil es ihr doch zunehmend schwerer fällt, aus dem Haus zu gehen. Überhaupt ist es im fortgeschrittenen Alter auch für mich immer wichtiger geworden, gepflegt auszusehen. Ich kaufe Oberhemden und Jacketts, gehe regelmäßig zum Friseur, rasiere mich weitaus häufiger als früher, lasse mir regelmäßig mit Wachs die Haare aus den Ohren entfernen, creme meine Haut ein, habe eine kleine Auswahl an Parfums und so weiter. Aber begonnen hat diese Erkenntnis mit der Aufforderung, mir doch mal schicke modische Unterwäsche zuzulegen.

Warschau, 14.02.2012
Stefan Schneider

PS: Was Lingerie ist? Das alte Wort für Unterwäsche. Habe ich bis heute auch nicht gewußt.

Abbildung: http://commons.wikimedia.org/w/index.php?title=File:Rows_of_laundry_outside_a_New_York_City_apartment_house,_1935.tif&page=1&uselang=de

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