Berliner Goldhut, Detail - Quelle: WikiCommonsKult. Zu den wohl eindrucksvollsten Exponaten des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte gehört sicherlich der Berliner Goldhut. Er ist das am Besten erhaltene Exemplar einer Gruppe von vier ähnlichen Hüten, die in den vergangenen Jahrhunderten im süddeutschen Raum und in Frankreich gefunden wurden. Seine Entstehung wird auf den Zeitraum von 1.000 bis 500 vor unserer Zeitrechnung datiert. Ohne jeden Zweifel wird der oder die jeweilige Träger_in dieses Hutes eine herausragende Persönlichkeit gewesen sein. Was aber war die Bedeutung dieses Hutes? Die stereotype Antwort der Archäologie in solchen Fällen ist meistens, dass es sich um einen kultischen Gegenstand gehandelt hat, genauere Funktion: unbekannt.  

Kalender. Bei näherer Betrachtung des Goldhelmes fällt sofort die systematische Abfolge der in den einzelnen Bändern angeordneten Ornamente auf. Es handelt sich hier um einen die Mond- und Sonnenzyklen abbildenden Kalender, der es möglich macht, wichtige Zeitpunkte eines Jahres, wie etwa den Beginn des Sommers und des Winters, genau abzulesen. Die Wissenschaft streitet nun darüber, ob dieser Hut das vorhandene Wissen lediglich repräsentieren soll oder ob dieser Hut tatsächlich als Kalender genutzt wurde. Für meine Begriffe gibt das verwendete Gold die Antwort. Die Hersteller wollten uns damit sagen: Dieser Hutkalender ist wertvoll und wichtig. Das, was wir hier festgehalten haben, soll Bestand haben und nicht verloren gehen. Eine bronzezeitliche Gesellschaft, die Ackerbau und Viehzucht betreibt, benötigt zwingend ein Instrumentarium zur Zeitmessung, um die richtigen Zeitpunkte für die Aussaat, das Bestellen der Felder, das Anlegen von Vorräten bestimmen und so etwas wie Planungssicherheit erreichen zu können. Der Hut repräsentiert die Erkenntnis, dass es abgesehen von temporären Schwankungen des Wetters eine Beständigkeit in den Zyklen gibt. Dass das dann ab und zu auch gefeiert wurde, erscheint naheliegend.

Grafik Goldkurs 10 Jahre - Quelle: http://www.gold.de/tools/chart/b/goldkurs_10jahre_euro.jpgKontaktgabe. Auch im digitalen Zeitalter sind die Menschen fasziniert von Gold und nutzen es, wie die Hersteller des Goldhutes, als Wertanlage. Inzwischen gibt es Portale, die darüber kompetente Informationen geben, einen Vergleich der besten Angebote ermöglichen und auch ein aktueller Goldpreis ist dargestellt. Bemerkenswert dabei ist, dass der Goldpreis in den letzten Jahren permanent und offenbar krisenbeständig im Steigen ist. Dennoch ist Gold nicht nur Wertanlage, es erfüllt, wie damals der bronzezeitliche Kalenderhut, wichtige alltagspraktische Funktionen auch im digitalen Zeitalter: In der Elektronikindustrie wird Gold vor allem aufgrund der guten Kontaktgabe, Korrosionsbeständigkeit und der guten Verarbeitbarkeit gerne verarbeitet, zum Beispiel in den Bonddrähten. Das sind die Verbindungsdrähtchen zwischen den Chips und den Anschlüssen Integrierter Schaltkreise. Ein Gramm lässt sich zu einem Bonddraht von mehr als drei Kilometern Länge ziehen. Ohne das Gold in meinem Computer also wäre dieser Beitrag niemals zu Stande gekommen.

Warschau, 14.02.2012, Stefan Schneider

Abbildung: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Berliner_Goldhut_detail.jpg

Grafik: http://www.gold.de/tools/chart/b/goldkurs_10jahre_euro.jpg

Dieser Artikel wurde inspiriert durch Sank Rider

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