Foto eines Graffittis von Banksy, Details siehe Artikel unten, Quelle: WikiCommonsDa hatte ich nun den Segelschein gemacht und kaufte mir mein erstes Boot, es wäre eine Yxilon-Jolle aus Plastik. Das besondere war, dass  ich sie nach dem Segeln in der Box mit einer speziellen Hebelkonstruktion aus dem Wasser heben konnte. Das gefiel mir gut. Nach ein paar Jahren hatte ich davon genug und neue  Pläne. Ich wollte mit dem Boot auf Tour gehen. Also verkaufte ich die Jolle und besorgte mit einen Jollenkreuzer, was bekanntlich eine etwas größere Jolle mit Kajüte ist. Das war das perfekte Schiff für längere Touren, weil man da prima drauf leben und in der Kajüte wunderbar übernachten konnte. Das ganze hatte nur einen kleinen Nachteil: Das Boot war deutlich größer und schwerer und es gab keine Konstruktion mehr, um das Boot aus dem Wasser zu heben.

Am Ende der Saison hatte sich dann immer eine dicke braune Schmutzschicht um die Wasserlinie herum gebildet. Und die galt es dann im Oktober, wenn das Boot aus dem Wasser kam, gründlich abzuschrubben, was bei den Temperaturen im Freien nun gewiss kein Vergnügen ist. Halbwegs erträglich war es, wenn ich das Putzwasser vorher etwas erwärmte. Dann ging es auch leichter.

Eines Tages kam dann Klaus vorbei und sagte: Warum machst Du es Dir denn so schwer? Nimm doch einfach einen Kärcher und kärchere das Boot ab. Klaus war immer für praktische Ratschläge gut. Er lieh mir seinen Kärcher, und jetzt musste ich den nur noch in Bootsnähe an Strom und Wasser anschließen und los ging es. Das war vielleicht eine Freude: Mit dem Gerät musste ich nur noch einmal langsam rund um das Boot gehen und der harte Strahl machte die Arbeit. Bei ganz hartnäckigen Stellen war es hilfreich, mit einer Bürste etwas vorzuarbeiten, damit der Schmutz sich löste.

Später dann habe ich mich einem Segelverein angeschlossen, und der verfügte über zwei Hochdruckreiniger und das war dann arbeitsteilig organisiert. Das heißt, bei jedem Boot, dass dann aufgeslippt wurde, standen zwei Leute bereit, die dann jeweils an einer Seite das Boot reinigten. Für diese Arbeiten habe ich mich dann gerne freiwillig gemeldet, denn es ist ja immer schön, anderen Menschen eine Freude bereiten zu können.

Und dann habe ich nochmal nachgesehen: Ein Kärcher heißt deshalb Kärcher, weil Alfred Kärcher etwa um 1950 den Kärcher, also einen Hochdruckreiniger erfunden hatte. Hätte er nicht Kärcher sondern Kungel geheißen, würde man wahrscheinlich heute kungeln statt kärchern. Aber das ist ein anderes Thema.

Berlin, 08.06.2018
Stefan Schneider

Abbildung: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Banksy_Pressure_Washing_Away_Art.jpg

Foto: Dominique

1962 Wood Badge Monetery - Quelle: WikiCommons, weitere Angaben im ArtikelMeine ersten Erfahrungen mit einem Flipchart machte ich vor mehr als 30 Jahren, gegen Mitte / Ende der 80er Jahre. Damals studierte ich Erziehungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik an der Technischen Universtität Berlin. Eine der wichtigsten Veranstaltungen, an die ich mich bis heute erinnere, war das Diplomanden-Kolloquium bei C.W. Müller. Wir trafen uns während des Semesters immer dienstags vormittags in seinem Büro, es war ziemlich eng. Am Fenster stand sein Schreibtisch, die Wände waren voller Bücherregale. Dazwischen ein langer, schmaler Tisch. Wenn alle ihren Kaffee hatten – C.W. kochte für uns immer Filterkaffee, stellte Milch und Zucker auf den Tisch – ging es los. Reihum hatten wir Studierende die Aufgabe, den anderen unsere Diplomarbeitsidee vorzustellen. Das wurde dann ausgiebig in der Gruppe diskutiert. C.W. ließ uns erstmal erzählen, stellte Verständnisfragen, griff selten in die Diskussion ein.  

Das Hauptproblem auf diesen Sitzungen war – so meine Erinnerungen – daß die meisten Arbeiten interessegeleitet waren. Wir hatten alle irgendwo entsprechend unserer Wünsche und Vorlieben in einer Einrichtung der Sozialen Arbeit ein Praktikum absolviert, wir fanden diese Einrichtung gut und wollten darüber unsere Arbeit schreiben. Unsere Diskussionen kreisten regelmässig um die Frage, um was genau es in dieser Arbeit dann gehen sollte. Meistens an dieser Stelle griff C.W. ein. Er griff sich einen Filzer, ging zum Flipchart und schrieb eine Überschrift: „Stadtteilarbeit in Schöneberg“ oder „Karate in der Sozialen Arbeit mit Jugendlichen“ oder „Suchtberatung bei Heroinabhängigen“ … was eben das Thema war.  Und dann folgte in der Regel eine messerscharfe Frage: „Was genau ist denn das Problem?“ So entwickelten wir Stück für Stück anhand konkreter Fragestellungen das übliche Instrumentarium des wissenschaftlichen Arbeitens. Problem – Stand der Forschung – Hypothese – Methodologie – Untersuchung – Ergebnisse – Bewertung.

Am Ende des Kolloquiums riss C.W. das vollgeschriebene Papier vom Flipchart und überreichte es dem Studierenden mit dem Satz: „Hier, schenke ich Dir!“ Meistens enthielt dieses Papier eine von uns allen gemeinsam erarbeitete fertige Grobstruktur der geplanten Diplomarbeit und wer sich mehr oder weniger daran hielt, musste sich um seine Diplomarbeit keine großen Sorgen mehr machen. Mit selbst ging es nicht viel anders.

Auch bei mir steht heute noch – neben einer großen Pinnwand – ein Flipchart im Büro. Flipcharts wie meins kann man auf dieser Seite unkompliziert auswählen und bestellen. Wenn ich für mich alleine bin, reicht mir ein Blatt Papier auf dem Schreibtisch, aber insbesondere dann, wenn ich mit anderen etwas bespreche, greife ich gerne zum Filzstift und versuche, meine Ideen oder meine Sicht des Problems auf dem Flipchart festzuhalten. Meistens ergeben sich dann in gemeinsamer Arbeit brauchbare Lösungen, auf die ich alleine nicht gekommen wäre. Inzwischen gibt es sogar schon digitale Flipcharts, aber das ist ein anderes Thema.

Berlin, 10.04.2018
Stefan Schneider

Abbildung: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:1962-wood-badge-monterey.jpg:1962-wood-badge-monterey.jpg,
Quelle: WikiCommons,
Urheber: Szentkiralyi

Gefangener Maulwurf, Quelle: WikiCommons; Fotograf Michael DufekVor einigen Jahren traf ich mich mit Ulla in Mannheim. Ich war gerade in der Nähe und hatte einen Vormittag lang Zeit. Wir sprachen über meine beruflichen Perspektiven und dass ich in nächster Zeit viel unterwegs sein würde. Das wäre natürlich klasse, wenn ich von überall gut arbeiten könnte. Im Internet. Einen großen Teil meiner Arbeit kann ich im Internet erledigen. „Dann richte Dir doch einen Hot-Spot ein!“, sagte Ulla. „Einen Hot-Spot?“, fragte ich und muss dabei geguckt haben, wie ein Auto. Sie zückte ihr Smartphone, drückte eine paar Tasten und sagte: „So, jetzt mach‘ mal Deinen Klaprechner an und log Dich ein!“ Das klappte auch, ich konnte meine Emails abrufen und mir ein paar Seiten im Internet ansehen. Das war ja klasse, ich war begeistert. Mit einem Hotspot könnte ich mir also überall auf der Welt selber einen Internet-Zugang einrichten.

Es dauerte nicht lange und ich besaß ein eigenes Smartphone. Und dann noch einen schönen Vertrag mit einem Internet-Anbieter wie zum Beispiel von winsim.de. Das war toll. Egal wo ich war, ich richtete mir einen Hotspot ein und konnte mit dem Rechner sofort loslegen. So hatte ich mir das vorgestellt.

Was ich nicht wusste und was mir keiner gesagt hat: Gerade auf dem Land ist die Internetverbindung doch recht langsam. Also ein Deutschland. So langsam, dass es einige Minuten dauert, bis eine Seite geladen oder eine email übertragen wird. Unter solchen Umständen ist es natürlich vollkommen sinnlos, sich einen Hotspot einzurichen. Ganz offenbar sind die Internet-Netzanbieter der Meinung, dass Fuchs und Hase kein Internet brauchen. Wildschweine und Igel auch nicht. Und Wälder, Wiesen und Felder prinzipiell auch nicht.

Also überall, wo nicht gerade Stadt ist, lässt die Internet-Geschwindigkeit schwer zu wünschen übrig. Mein Arbeitsplatz in Niedersachsen befindet sich in einem Dorf, in dem es wahrscheinlich mehr Maulwürfe als Bewohner gibt. Und jetzt dürft ihr mal raten, wie schnell dort die Internet-Verbindung ist? Genau. Es liegt also an den Maulwürfen. Vor allem an den Maulwürfen. Anders kann es nicht sein.

Zum Glück blicke ich ja gelegentlich über den Tellerrand. So war ich im letzten Jahr in den Niederlanden und in Polen. Und dort gab es auch auf dem Land ein schnelles Internet. Seit dem überlege ich, auszuwandern. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich wäre dann so etwas wie ein Wirtschaftsflüchtling. Genauer gesagt, ein Internet-Flüchtling. Und alles das nur, weil deutsche Maulwürfe kein Internet brauchen.

Berlin, 27.03.2017

Stefan Schneider

Abbildung: Maulwurf gefangen; Quelle WikiCommons; Urheber/ Fotograf: Michael Dufek

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Maulwurf_gefangen2007.jpg

 

JMW Turner - Flint Castle 1838 - Quelle: WikiCommonsIch schlafe gerne lange. Meistens ist es am Abend vorher spät geworden. Nicht das ich an Schlaflosigkeit leide, aber ich liebe die Einsamkeit der Nächte. Keine – oder fast keine – Anrufe, niemand – oder fast niemand - der oder die spontan noch vorbei kommt, keine Nachtpost und sonstige Störungen. Ich kann für mich sein, meinen Dingen nachgehen und das ist schön. Und das halte ich auch im Urlaub so.

Nun bin ich Segler, und wenn ich erst im Verlauf des Tages los fahre und mir weite Strecken vornehme, dann   kommt früher oder später die Dunkelheit. Das ist soweit nicht schlimm und es gibt auf dem Wasser genug Leuchttürme und blinkende Tonnen, aber auch ich muss gesehen werden, das ist Vorschrift und unabhängig davon eine sinnvolle Verabredung. Grünes Licht an Steuerbord, rotes Licht an Backbord, nach hinten raus ein weißes Licht und, wenn ich unter Motor fahre, ein weißes Licht.

Nun war es so, dass mein erstes Boot gar keine Lichterführung hatte, ich musste nachrüsten. Als langjähriger Abonnent vom Palstek wusste ich, dass LED-Positionslampen der neueste Schrei waren und zwar vor allem wegen dem unschlagbar niedrigen Stromverbrauch und der langen Lebensdauer. Ich griff also tief in die Tasche und leistete mir Positionslampen von LOPO-Light – echte, nahezu unzerstörbare Qualitätsware.

Zeitgleich traf die Jahresabrechnung von meinem Stromanbieter ein und mir war sofort klar, dass ich auch hier etwas tun konnte. Ich hatte zufälligerweise gerade etwas mehr Geld, als ich brauchte und begann zu investieren: Flur, Küche, Bad, Wohnzimmer, Arbeitszimmer – alle wichtigen und häufig benutzten Lampen wurden Schlag auf Schlag durch Osram-LEDs ersetzt. Es war wie ein Rausch – für den Deckenfluter gab es LEDs, für die Schreibtischlampe, für die Nachttischlampe, für das Badezimmerschränken, das Licht auf und unter dem Hochbett, die Weihnachtsbaumbeleuchtung und weiteres mehr. Für alles gab es Lösungen. Natürlich kostete das ein Vermögen, aber da musste ich immer an meine Freundin denken, die für solche Fälle die Losung parat hatte: Ich bin zu arm, um mir billige Dinge zu leisten. Ja, diese Investitionen würden sich langfristig auszahlen. Und so kam es auch. Ein Jahr später bei der Jahresrechnung des Stromanbieters hatte ich ein Guthaben von über 200 Euro. Damit konnte ich fast schon eine Kurzreise unternehmen und im Folgejahr sanken die monatlichen Abschläge.

Und noch mehr. Die meisten Lampen werden die angegebene Betriebsdauer von 20.000, 30.000 oder sogar 50.000 Betriebsstuben zu meinen Lebzeiten nicht im Entferntesten erreicht haben. Wer immer also in hoffentlich ferner Zukunft mal meinen Haushalt auflösen wird, wird überall, wo es etwas zu Leuchten gibt, LEDs finden, die ihren Zenit noch lange nicht erreicht haben. Ob die Menschen, sich dann um meinen Nachlass kümmern, dieses auch zu schätzen wissen, ist eine ganz andere Frage.

Eigentlich, so könnte eins meinen, sollte sich diese Erkenntnis überall durchsetzt haben. Aber weit gefehlt. Da lernte ich doch vor gut zweieinhalb Jahren meine Traumfrau kennen und musste zu meiner Überraschung feststellen, dass es in ihrem Haushalt noch ziemlich viele konventionelle Glüh(heiz)birnen gibt. Ich meine, es lohnt eben nicht zu warten, bis diese musealen Schätzchen ihren Geist aufgeben, sondern ein Austausch kann sofort und unmittelbar vorgenommen werden. Naja, und ab und zu mal bringe ich ihr tatsächlich eine neue LED-Leuchte mit – statt eines Blumenstraußes. Romantisch ist es trotzdem.

Berlin, 17.10.2017,
Stefan Schneider

PS: Das obige Bild ist ein Aquarell aus dem Jahre 1838 in Joseph Mallord William Turner, der nicht umsonst als "Meister des Lichts" geschätzt und bewundert wird.

Abbildung: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/97/Joseph_Mallord_William_Turner_-_Flint_Castle.jpg

Essensausgabe in einer Kaffee-Kooperative bei Matagalpa in Nicaragua 1987, Foto: Stefan SchneiderEines war sonnenklar: Ich brauchte dringend einen Tapetenwechsel. Nicaragua, das war ziemlich weit weg, und außerdem war da seit einigen Jahren eine Revolution im Gange, die Unterstützung brauchte. Also meine Unterstützung. Kaffee pflücken in einer Solidaritätsbrigade. Das hieß: Spanisch lernen, mir die Geschichte des Landes und der Sandinisten drauf schaffen, mich in die Zusammenhänge von Kaffeeproduktion und Welthandel hineinzudenken, ein Visum zu beschaffen und weitere Reisevorbereitungen  zu treffen. Vor allem aber musste Geld her: Für den Flug hin und zurück über Havanna, und auch Geld zum Leben vor Ort. Was also lag näher als mich nach einem Job umzusehen?

Ich war jung und ich brauchte das Geld. Ausgeschrieben war ein Job über 6 Wochen, mit mehr als 12 Mark die Stunde halbwegs gut bezahlt, bei FKF, einer Fleischkonservenfabrik. Ich bekam den Job über eine Zeitarbeitsvermittlung. Das ist heute noch aktuell, siehe hier. Die ganze Sache hatte einen kleinen Haken. Arbeitsbeginn war immer schon um 6 Uhr.  Andererseits war schon um 14:45 Uhr Feierabend. Dann wäre noch Zeit für die Universitätsbibliothek, ich hatte noch eine Hausarbeit zu erledigen. So der Plan. Der ganze Job brachte zwei Probleme mit sich. Zum einen die Arbeit selbst. Ich hatte den ganzen Tag Konservendosen zu stapeln. Sie kamen noch lauwarm von der Verarbeitung und mussten auf das Laufband der Etikettiermaschine gestellt werden. Unablässig. Die Zeit wollte nicht rumgehen und die einzige Chance, sich davor zu drücken, war die Raucherpause. Ich glaube, ich habe noch nie so viel geraucht wie in diesen 6 Wochen. Das andere Problem war der Arbeitsanfang. Dieser lag mitten in meiner üblichen Hauptschlafenszeit.

Um den Arbeitsbeginn um 6 Uhr überhaupt schaffen zu können, musste ich mir am Abend zuvor alles zurecht legen: Socken, Hose, Schuhe, Hemd, dazu eine bereits vorbereitete Thermoskanne Kaffee und Stullen für den Tag. Wenn der Wecker um 5:23 Uhr schrillte, hatte ich genau 2 Minuten Zeit, um unter Auslassung des Zähneputzens angezogen mit Provianttasche das Haus zu verlassen und das Fahrrad zu besteigen. In Höchstgeschwindigkeit unter Missachtung jeglicher roter Ampeln gelang es mir nahezu immer, gegen 5:57 das Werksgelände zu betreten, die Klamotten in den Spind zu schmeißen, mich in die Arbeitsklamotten zu zwängen und gegen 05:59 die Stechuhr auszulösen. Gotcha! Ich war hellwach und schweißnass, hatte aber nichts weiter zu tun als Konservendosen zu stapeln. Gelegentlich wurde ich gefragt, ob ich auch Samstag arbeiten kommen könne. Die Arbeit begann immerhin erst um 7:00 Uhr, dauerte auch nur bis 12:30 und wurde mit 15 Mark die Stunde auch gut  bezahlt. Mehr Geld für Nicaragua, dachte ich nur und zog das gnadenlos durch.

Poster: Pueblo Heroice EsteliDie drei Monate in Nicaragua waren eine großartige Zeit. Ich verkürzte durch unangepasstes Verhalten die Zeit in der Solidaritätsbrigade auf 4 Wochen und zog danach im Land umher, half einem Deserteur, unerkannt nach Hause zu kommen, trampte durchs Land und besuchte Baumwollfelder, badete im Pazifik, fuhr über den Nicaragua-See und war auf dem Solentiname Archipel und beobachtete Affen, aß 3 mal täglich Langusten auf Corn Island und war Stammgast in der Kneipe von Myers, besuchte die alte Piratensiedlung Bluefields und versoff meine letzten Dollars auf dem Flughafen von Prag beim Warten auf den Anschlussflug nach Berlin. Was für eine Reise.

Auch im Nachhinein betrachtet war das Konservendosenstapeln und die anschließende Reise nach Nicaragua ein sinnvolles Gesamtkunstwerk. Das eine war eine gesellschaftlich notwendige Tätigkeit, eine Arbeit auf Zeit, das andere war eine im weitesten Sinne politische Reise, die mein Verständnis für globale Zusammenhänge schärfte. Zwar würde ich nicht mehr so ohne weiteres einen Arbeitsbeginn um 6:00 Uhr akzeptieren, aber für ein vergleichbares Projekt würde ich jederzeit wieder ein paar Wochen hart malochen.

Norddeich, Sonntag, 13.08.2017

Stefan Schneider

Foto 1: Essensausgabe in einer Kaffeekooperative bei Matagalpa, Nicaragua, Foto: Stefan Schneider
Foto 2: Pueblo Heroico Esteli, Plakat 1987, Nicaragua

Dresden: Kindergarten vor modernem Wohnhaus 1977 - Quelle: WikiCommons, siehe Artikel untenDie Digitalisierung aller Lebensbereiche hat das gesellschaftliche Leben grundlegend verändert, aber vieles ist auch gleich geblieben, was am Beispiel der Casinos und Glücksspiele eindrucksvoll gezeigt werden kann. Für Casinospieler gibt es Onlineportale wie besteslots.de, auf denen Spielfans unzählige Variationen von Roulette, Video Poker, Blackjack, Vegas Slots, Tischspiele, Jackpotspiele und Rubellose, Spielautomaten aller Art, Multiplayer-Pokerräume und weiteres mehr finden können. Und auf der anderen Seite: Das Casino von Euskirchen beispielsweise wurde bereits 1867 gegründet und existiert noch heute in Trägerschaft eines gemeinnützigen Kultur- und Fördervereins und bietet ein abwechslungsreiches Programm. Die einen gehen nach wie vor in ein konventionelles Casino, die anderen sind im Online-Casino unterwegs, weitere nutzen beide Formen und das ist kein Gegensatz.

Aber eigentlich wollte ich meine Geschichte über das Spielen mit der Bemerkung beginnen, dass ich meine ersten Lebensjahre mehr oder weniger in einer Erwachsenenwelt verbracht habe. In dem Haus am Mariendorfer Damm gab es gar keine Kinder in meinem Alter, und mein kleiner Bruder kam erst zur Welt, als ich bereits fünf Jahre alt war und mit dem Säugling war ja die erste Zeit nicht viel anzufangen. Und die anderen Kinder später im Kindergarten merkten recht schnell, dass ich von den vielen anderen Kindern ziemlich überfordert war. Ich wusste ja im Grunde gar nicht, wie Spielen mit anderen Kindern überhaupt funktioniert.

Mein Lieblingsspiel bestand dann auch folgerichtig darin, dass ich im Kindergarten den Sand vom einen Buddelkasten in den anderen schippte. Zufälligerweise gab es zwei Buddelkästen, und mein Ziel bestand darin, dass der eine Buddelkasten ganz voll und der andere ganz leer werden sollte. Ein Spiel, dass ich nur mit mir alleine spielte. Jeden Tag, wo wir draussen spielen durften, konnte ich ein kleines Stück daran arbeiten. Nach einigen Wochen war der Effekt kaum noch zu übersehen. Ob ich noch in diesem Sommer das Projekt würde vollenden können? Bis zur Oberkante der Begrenzung wollte ich den Sand aufhäufen. Doch das entging auch der Aufmerksamkeit der Kindergartentanten nicht. „Stefan, was machst Du da?“ rief eines Tages eine Erzieherin. „Lass doch den Sand da im Buddelkasten. Der ist schon ganz leer!“ Fortan stand ich unter Dauerbeobachtung und das Projekt Voller Buddelkasten war mehr oder weniger gestorben. Aber immerhin war noch Jahre später der unterschiedliche Füllstand der Buddelkästen für Eingeweihte deutlich erkennbar.

Als Schüler hatte ich eine Lego-Eisenbahn, die beständig größer wurde. Insbesondere für die Ferientage dachte ich mir Fahrpläne aus, die der Zug fahren sollte. Das war aber gar nicht so einfach, denn zwischen zwei Zugfahrten musste ich mich irgendwie beschäftigen und dann fiel mir erst wieder Stunden später ein, dass ja etliche Zugfahrten ausgefallen waren, weil ich den Fahrplan komplett vergessen hatte. Dann ärgerte ich mich für einen Moment und nahm mir vor, am nächsten Tag den Fahrplan aber ganz genau einzuhalten.

Beeindruckt hatte mich auch der gebrauchte Flipperautomat in der Wohngemeinschaft von Siggi, Josie und Peter im Mehringdamm 77, in der ich mal für einen Monat wohnte. Die Vorstellung, einen Flipper in der eigenen Wohnung zu haben, war für mich unvorstellbar. Er könne sich sehr gut beim Flippern entspannen, erklärte mir Siggi diese Anschaffung. Ich selber hatte nicht genug Geduld und war schnell frustriert, wenn die Kugel immer wieder im Nichts versank.

Jahre später las ich von einer Studie, dass unter den Politikern überproportional viele Menschen vertreten seien, die früher in ihrer Kindheit – im Vergleich zu anderen Kindern - weniger Spielmöglichkeiten hatten. Zu dem Zeitpunkt, als die Studie veröffentlicht wurde, war ich selbst Kommunalpolitiker. An der These war schon irgendwas dran. Einen politisches Vorhaben zu formulieren und dann zu versuchen, dafür Mehrheiten zu finden, das war schon eine sportliche Herausforderung. Aber das ist ein anderes Thema.

Insgesamt glaube ich, dass die Welt eine bessere sein würde, wenn wir alles nicht immer so ernst nehmen und statt dessen mehr spielen würden. Dazu ein anderes Mal mehr.

Berlin, 30.05.2017

Stefan Schneider

Abbildung: Dresden, Städtischer Kindergarten um 1970.
Quelle: WikiCommons/ Deutsche Fotothek: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/48/Fotothek_df_ps_0003045_Kinder_%5E_Kinderdarstellungen_%5E_im_Kindergarten_%5E_Wohnh%C3%A4us.jpgFotograf: Richard Peter (1895-1977)

Lange Zeit habe ich mich gefragt: Wie macht er das nur? Durch einen Zufall bekam es heraus. Er trägt Inkontinenz Unterhosen. Und das ist die Geschichte:

Joshua Slocum (1844 - 1909), Erster Einhandweltumsegler auf der Webseite der Slocum Spray Society of Australia Inc. Fritz (aus Gründen der Diskretion habe ich den Namen geändert) ist ein echtes Vorbild. Der Mann ist schon über achtzig und seit bestimmt fünfzig Jahren Mitglied im Segelverein. Den Jollenkreuzer, den er immer noch segelt, hat er sich damals selbst gebaut. In den Sommermonaten kommt er Tag für Tag in den Verein, steigt auf sein Boot, entfernt die Plane, schlägt die Segel an, wirft die Leinen los, schiebt das Boot aus der Box und hisst die Segel. Gelegentlich mit Begleitung, aber meistens alleine. Dann ist er für ein paar Stunden unterwegs, fast immer die gleiche Strecke. So, als müsse er persönlich kontrollieren, ob alles noch so ist wie am Vortag. Ganz im Sinne von Otto Niemeyer-Holstein, der einmal sagte: Das Meer ist jeden Tag anders. Und das gilt sicher auch für Binnenreviere. Fritz liebt das Segeln über alles, den Kontakt mit den Elementen und der Natur, und insgeheim wünsche ich mir, dass ich selbst im Alter noch so agil bin wie Fritz. Wahrscheinlich ist er genau deshalb noch so jung geblieben, weil er noch jeden Tag segeln geht, auch wenn ihm bisweilen anzusehen ist, dass es ihm schwer fällt.

Auf kleinen Booten ist das Urinieren ein Problem. Die Boote sind sehr agil und es ist immer sinnvoll, eine Hand am Steuer zu haben. Dann gleichzeitig noch an die Hose zu öffnen, den Eimer zu greifen und alles halbwegs in Balance zu halten, ist schon unter normalen Bedingungen nicht einfach. Eine Strategie besteht darin, möglichst wenig zu trinken, aber das ist aus sportlichen Gründen nicht ratsam. Der Körper dehydriert, Kopfschmerzen und Übelkeit wären die Folgen. Durch Zufall begegnete ich eines Tages Fritz im Toilettenraum des Segelvereins. Er wähnte sich alleine und war damit beschäftigt, seine Sporthose anzuziehen. Für den Bruchteil einer Sekunde konnte ich sehen, dass er darunter eine Einlage trug. Das also war der Trick. Er trug eine Inkontinenz Unterhose.

Sich vor Angst in die Hose machen – das ist so eine Redewendung, die alle kennen. Angst zu haben, das ist nicht schön, gehört aber zum Leben dazu. Und wie verhält es sich mit der Inkontinenz? Wer gibt schon gerne zu, dass er oder sie einnässt? Das Schlimme ist, dass allein schon der Gedanke an Inkontinenz Angst macht. Einige ältere Menschen aus meinem Bekanntenkreis vermeiden es, für längere Zeit das Haus zu verlassen und schränken so ihren Aktionsradius ein. Mit Sorge beobachte ich diese Entwicklung. Für mich persönlich habe ich den Anspruch, auch noch im hohen Alter mobil zu sein. Dank Fritz habe ich jetzt eine Vorstellung davon, wie ich das schaffen kann. Mit Inkontinenz Unterhosen.

Berlin, 11.04.2017
Stefan Schneider

[Abbildung]: Joshua Slocum (1844 - 1909), Erster Einhandweltumsegler auf der Webseite der Slocum Spray Society of Australia Inc.
http://www.slocumspraysociety.asn.au/slocum.jpg

Vielleicht sollte die Geschichte mit der Mitteilung beginnen, dass ich kein besonders gutes Gedächtnis habe. Das gilt im Guten wie im Bösen. Ich vergesse viele Dinge einfach nach einer bestimmten Zeit. Das ist wahrscheinlich eine Art Selbstschutz, denn ich bin doch neugierig, vielseitig interessiert und sauge jeden Tag neue Eindrücke auf und starte immer neue kleinere oder größere Vorhaben. Mein Gehirn würde überlaufen, wenn ich mir alles merken würde. Deswegen muss ich mir Bookmarks setzen. Einer dieser Bookmaks lautet: Erfahrungen mit YourFinance AG. Wie ich dazu komme?

Vodkaflaschen verschiedener Hersteller - Quelle: WikiCommons, Autor: Сергей НемановMit den Schulden und dem Schulden machen ist es wohl so wie damals in der Wohngemeinschaft in der Hauptstraße. Ich war zu faul, Bier holen zu gehen, wusste aber, dass bei Bettina im Zimmer noch ein paar Schnapsflaschen stehen. Bettina war nicht da, uns so nippelte ich den Inhalt der Wodka- oder Ginflasche im Verlauf des Abends leer. Natürlich mit dem festen Vorsatz, die Flasche am nächsten Tag zu ersetzen. Ich würde ja ohnehin Einkaufen gehen. Und obendrein, so redete ich  mir ein, könnte ich ja auch gleich noch die erste Hälfte abtrinken, denn halbvoll – oder besser: halbleer - hatte ich die Flasche ja auch vorgefunden. Ich habe bis heute nicht herausfinden können, warum dieser Vorsatz nie funktionierte. Jedenfalls kam Bettina eines Tages vom Urlaub zurück, bemerkte den Schwund und stellte mich zur Rede. Kleinlaut bekannte ich meine Taten und gelobte Besserung.

Erst Jahre später lernte ich, dieses System umzukehren. Ich kam also bei Freunden und Bekannten vorbei und hatte eine Flasche Wodka unterm Arm, die ich mit der Bemerkung: „Hier, für Dich und falls ich mal zu Besuch komme!“ auch gleich da ließ. Das veränderte die sozialen Beziehungen prinzipiell. Jetzt war der oder die andere in meiner Schuld und wahrscheinlich habe ich im Endeffekt mehr Gastfreundschaft erfahren als meine kleine Investition tatsächlich hergab. Das haben wir dann später zum Prinzip erhoben in einem sozialen Treffpunkt. Statt dass die Leute Mitte des Monats immer rumdrucksten und anschreiben lassen wollten, haben wir angeboten, gleich am Monatsanfang das ganze Geld bei uns zu lassen und dann im Verlauf des Monats zu verkonsumieren. Wir nannten das Guthabenkonto und belohnten ein solches Engagement mit einem Bonus von 10 bis 20 Prozent. So waren alle zufrieden. Die Gäste ebenso wie die Betreiber des Treffpunktes. Es war ja immer Geld da.

Meine Freundin Wilma hat es ähnlich gelöst. Über Jahre hinweg quälten und stressten sie Schulden und die Frage, wie bekomme ich einen Kredit ohne Schufa? Zinsen, Mahngebühren, Verzugszinsen, Zinseszinsen – das wurde ja immer mehr. Eines Tages erhielt sie einen gut dotierten Job, und nach Ablauf der Probezeit ergriff sie die Chance und zahlte alle ihre Gläubiger mit einem Schlag aus und hatte vorher so gut verhandelt, dass ihr ein Teil der Summe erlassen wurde. Die vielen Schulden der früheren Jahre sind weg und verblieben ist nur noch ein Darlehen, das in einem überschaubaren Zeitraum zurück gezahlt werden kann. Aus einem Stressprojekt wurden eine Erfolgsgeschichte. Es sind zwar immer noch Verbindlichkeiten, aber selbstbestimmte Verbindlichkeiten. Und damals gab es YourFinance AG noch gar nicht.

Ich kann gar nicht sagen, welche Strategie im Einzelnen YourFinance AG empfehlen würde und wahrscheinlich gibt es auch keinen Masterplan, um seine Schulden loszuwerden. Aber entscheidend ist, dass es möglich ist, der Schuldenfalle zu entkommen. Ich beispielsweise habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, Leute, die ich beauftrage, sehr zeitnah und durchaus großzügig zu bezahlen, teilweise schon mit Abschlägen im voraus. Dafür bekomme ich eine sehr engagierte, sorgfältige Arbeit von motivierten, gut gelaunten Menschen. Eine Win-Win-Situation für alle und eine Art gegenseitige Versicherung gegen Schulden.

Berlin, 03.04.2017
Stefan Schneider

Abbildung: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Vodka_museum.jpg:Vodka_museum.jpg
Vodkaflaschen verschiedener Hersteller - Quelle: WikiCommons, Autor: Сергей Неманов

1. Öffentliche Bücherbox

Öffentliche Bücherbox in Wuppertal, Friedrich Ebert Str. - Quelle: WikiCommons, Einzelheiten siehe Artikelende

„Ein öffentlicher Bücher­schrank (auch offener Bücherschrank, (Aus)tauschbi­bliothek, (Aus)tausch-bücherei, Straßenbibliothek, Straßenbücherei oder Bücherbox genannt) ist ein Schrank zur Aufbewah-rung von Büchern, der genutzt wird, um kostenlos, anonym und ohne jegliche Forma­litäten Bücher zum Tausch oder zur Mitnahme aufzubewahren und anzubieten. Im öffentlichen Raum existieren spezielle, stabile Konstruktionen, die jedermann zugänglich sind.“
aus: Wikipedia – Artikel Öffentlicher Bücherschrank

Regeln (zum Beispiel)

Bücher machen Freude, Bücher sind Freunde. Dies ist der Blankenburger Bücherschrank !   

Damit alle Blankenburger*innen lange Freude daran haben, gibt es ein paar Regeln:

  • Du kannst den Schrank zu jeder Zeit nutzen.
  • Du kannst Dir ein Buch aussuchen.
  • Du kannst es leihen und zurückbringen.
  • Du kannst es behalten und stellst dann ein anderes, gleichwertiges Buch von Dir in den Schrank.
  • Wenn es Dir so gut gefällt, dass Du es ein bisschen länger behalten möchtest, darfst Du das auch. Aber denke daran, wenn es wirklich so gut ist, sollte es auch ein anderer lesen.
  • Wenn Du zu Hause ganz viele Bücher hast, die Du bringen möchtest, dann bitte nur so viele, wie in den Schrank hineinpassen.
  • Wenn etwas kaputt ist, melde Dich bitte bei xxx xxx

2. BzBm Sören Benn, am 16.01.2017

„Lieber Stefan, folgendes Vorgehen empfiehlt das Amt:
Der Antragsteller wendet sich an das SGA, weil dort die Zuständigkeit für das Thema "Genehmigung von Sondernutzungen" liegt. Wenn das SGA aufgrund der Größe des Bücherschranks (Größe: nur Regal oder Schrankwand oder Garage?) eine Betroffenheit der Bauaufsicht sieht, wird diese im Verfahren beteiligt. Da der Aufstellplatz wahrscheinlich am Dorfanger Blankenburg sein soll, wäre auch die Untere Denkmalschutzbehörde zu beteiligen. Dafür macht es Sinn, dass der Antragsteller sich parallel zur Sondernutzungsgenehmigung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde in meinem Amt bzgl. eines geeigneten Aufstellortes abstimmt.
Ich hoffe, du kannst mit den Informationen was anfangen. (...)

3. Begehung 22.01.2017 Simone, Stefan, Sybill

Mögliche/vorstellbare Standorte: Dorfanger, Krugstege gegenüber Kirche oder Bahnhofstraße

4. Untere Denkmalbehörde 16.02.2017

Notiz Stefan Schneider: „Mit Frau Kuhn von der UD hatten wir inzwischen telefonisch Kontakt. Sie könnte sich als möglichen Standort am ehesten den Platz gegenüber dem Haupteingang der Kirche vorstellen…“

5. Strassen- und Grünflächenamt 17.02.2017

„Sehr geehrte Frau Janetz,

Ihr Anliegen zur Aufstellung eines Bücherschrankes wurde mir übergeben.
Zur Bearbeitung des Vorganges benötige ich Folgende Unterlagen: Lageplan mit eingezeichneten Standort, Baubeschreibung des Bücherschrankes.
Weiterhin teile ich Ihnen vorab mit, dass während der gesamten Aufstellungszeit des Bücherschrankes ausschließlich Ihnen die Verkehrssicherungspflicht obliegt.
Weiterhin wird für die Erteilung der Sondernutzung eine Verwaltungsgebühr und für den Zeitraum der Aufstellung eine Sondernutzungsgebühr i.H.v. 15,00 € m²/Monat fällig. Auch ist eine Sicherheitsleistung zu hinterlegen.
Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
Gleuer
BA Pankow von Berlin
Abt. Stadtentwicklung
Straßen- und Grünflächenamt
Tel. 030/90295 8561
Fax 030/90295 8644

6. Nachtrag von SGA Frau Gleuer

„von einer Verwaltungsgebühr i.H.v. 56,24 € kann abgesehen werden, wenn der Sondernutzer gemeinnützig anerkannt ist und sich die Sondernutzung mit der  im Freistellungsbescheid des Finanzamtes festgestellten Förderung übereinstimmt.  Eine Sondernutzungsgebühr wird erhoben, wenn ein kommerziellen Charakter zu erkennen ist. Eine Sicherheitsleistung wird aber in jedem Fall fällig. Diese kann erst nach Sichtung der Baubeschreibung und Festlegung des Standortes bemessen werden.“

7. weitere Schritte …

  • Diskussion im Runden Tisch Blankenburg, ob das Vorhaben prinzipiell Zustimmung findet, falls ja:
  • Gemeinsame Festlegung des favorisierten Standortes
  • Suche nach gemeinnütziger Körperschaft, die die formalen Zuständigkeit für die Antragstellung übernimmt
  • Patenschaftskreis aufbauen (mit Kontakt zur gemeinnütziger Körperschaft sowie Runden Tisch Blankenburg)
  • Entscheidung über die Ausführung der Box (z.B. Fertigprodukt der Fa. Bokx www.bokx.de oder Selbstbau, z.B. Projekt von Lehrwerkstätten), Kostenkalkulation
  • Ausarbeitung und Start einer Kommunikations- und Spendenkampagne, z.B. Einzelsponsoren, Stiftungen oder Spendenkampagnen auf Betterplace usw …., Berichterstattung in Zeitungen usw.
  • Bei Erreichen von 75% der geplanten Kosten: Antragstellung bei den Behörden; Auftrag an Hersteller
  • ….

Berlin – Blankenburg 05.03.2017
Stefan / Sybill

Abbildung: WikiCommons https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wuppertal_Friedrich-Ebert-Str_0309.JPG:Wuppertal_Friedrich-Ebert-Str_0309.JPG
Fotografie von Atamari

sick-man-slowly-becoming-enthroned-used-tissues[Andienen] Der Bus zum Flughafen hatte schon die Vororte Istanbuls erreicht, da sah ich an einer wenig befahrenen Kreuzung einen älteren Mann in abgetragener, aber noch nicht schäbig wirkender Kleidung mit ein paar Päckchen Papiertaschentüchern in der Hand den Autos hinterherlaufen, die wegen der Kreuzung ihre Fahrt verminderten. Der Bus hielt an einer Haltestelle und so hatte ich ein wenig Zeit, ihn zu beobachten. Sein Haar und sein Bart färbten sich schon weiß und er hinkte etwas. Niemand hielt an, niemand kurbelte auch nur die Fensterscheibe herunter. Die ganze Szene hatte etwas bedrückendes und auch etwas lächerliches. Glaubte der Mann wirklich, mit ein paar Papiertaschentüchern seinen Lebensunterhalt verdienen zu können? Wer oder was zwang ihn, dieser Aufgabe nachzugehen? Oder meinte er, sein erkennbares Gebrechen für sein Geschäft nutzen zu können? Außer dem, was ich sehen konnte, wusste ich nichts weiter von dem Mann. Hatte er sein Leben lang gearbeitet und war nun durch einen Unfall in diese Lage geraten? Oder hat er sein ganzes Leben lang hier und da und dort irgendwelche Gelegenheiten genutzt, um über die Runden zu kommen? War er möglicherweise ein grober Schuft, mit dem keiner mehr etwas zu tun haben wollte. Oder hatte der Mann schlichtweg Langeweile und ihm fiel nichts anderes ein. Wie auch immer – was ich sah, empfand ich als würdelos. Papiertaschentücher gibt es in jedem Kramladen – das muss niemand an stinkenden Kreuzungen einer Metropole anderen Menschen andienen müssen.

[Ausrechnen] Was alles unter dem Stichwort Marketing getan wird, um Produkte an den Mann zu bringen, ist mehr als lächerlich, es ist bisweilen grotesk und pervers. Aufwändige Werbekampagnen, die suggerieren, der Kauf von x oder y eröffne bisher ungeahnte Freiheit, coolness, steigere den Sex-Appeal und was auch immer. Märchen aus tausendundeiner Nacht. Das gegenwärtige, weltweit verbreitete Wirtschaftssystem beruht auf Egoismus, Konkurrenz und Übervorteilung. The winner takes it all und der andere darf sehen, wo er bleibt. Ganz nebenbei wird auch noch der Planet Erde ausgeplündert: Die rücksichtslose Ausbeutung, Vernichtung und Zerstörung der vorhandenen Ressourcen, Umweltverschmutzung, Tierquälerei und Artensterben, der schleichende Klimawandel, all das taucht in keiner betriebswirtschaftlichen Kalkulation auf. Würde all das in einer Bilanz mit eingerechnet werden, wäre das Ergebnis in den allermeisten Fällen negativ. Es würde sich nicht rechnen, PKWs zu bauen. Eine ehrliche Marketing-Analyse etwa im Bereich des Personennahverkehrs würde den Ausbau einer öffentlichen Infrastruktur empfehlen und bewerben.

[Abstimmen] Sind Marketing-Kampagnen deshalb von vornherein schlecht? Nein, denn auch in einer Wirtschaftsform, die sich auf die Bedürfnisse der Menschen bezieht und die dafür erforderlichen Produkte, Produktionsmittel und Infrastrukturen gemeinschaftlich erarbeitet, gibt es Verbesserungen, Innovationen, Alternativen und neue Erfindungen und sicherlich auch neue Bedürfnisse. Und auch hier wird es erforderlich sein, dass sich einzelne oder Gruppen zu Wort melden mit dem, was sie beitragen können. Überhaupt ist die Idee des Beitragens der Grundpfeiler eines neuen, gemeinschaftlichen Wirtschaftens. Nicht mehr das Produkt steht im Mittelpunkt, sondern die Debatte darüber, was wir brauchen und wie wir es herstellen. Neue Vorschläge können dann ganz einfach online vorgestellt und zur Abstimmung gebracht werden. Wie ein solches Wirtschaften ohne Geld und ohne Ausbeutung funktionieren kann, legt beispielsweise Stefan Meretz in seinem Vortrag Von der Wertkritik zum Commonismus dar, den er auf seiner Plattform Keimform als Video zum Nachhören und Nachsehen veröffentlicht hat.

[Beitragen] Noch können sich nicht sehr viele Leute vorstellen, dass eine Wirtschaft, ja ein Leben ohne Geld funktionieren würde. Es fehlt an Phantasie, einfach in einen Laden hineinzugehen und sich dort die Lebensmittel oder die Kleidung oder die Werkzeuge herauszuholen, die mensch braucht. Sie glauben, es würde alles zusammen brechen. Dabei wird nur die Anhäufung von Geld und Reichtum und die damit verbundene Ausübung von Herrschaft unterbunden. An die Stelle von Geld würde eine produktive Auseinandersetzung darüber treten, was wir wirklich brauchen und wie wir es herstellen. Die dann regelmäßig auftauchende Frage ist: Und wer würde dann noch arbeiten? Die Antwort darauf ist ganz einfach: Wir. An Arbeiten mitzuwirken ist ein menschliches Bedürfnis, so wie Feiern, Spielen oder neue Dinge zu entdecken. Überhaupt sind Menschen soziale Wesen, die gerne Dinge gemeinsam machen, die aufeinander achten, die sich umeinander kümmern und sehr rücksichtsvoll und aufmerksam sind. Es ist höchste Zeit, sich wieder auf diese Kompetenzen zu besinnen. Aber das ist ein anderes Thema.

Berlin, 29.12.2016
Stefan Schneider

[Abbildung] Sick Man Slowly Becoming Enthroned In Used Tissues, Quelle: http://i.onionstatic.com/onion/5184/2/original/1200.jpg;Webseite: http://www.theonion.com/graphic/sick-man-slowly-becoming-enthroned-used-tissues-51750;

Algorhythmus als Apfelkuchenrezept - siehe Text unten[Herausforderung] Wer heute eine Internet-Seite betreibt, möchte auch, dass sie wahrgenommen wird. Wahrnehmung, das bedeutet heutzutage zu 99%, dass diese Seite bei einer Google-Suche erscheint oder erscheinen soll, und zwar möglichst weit oben. Relevanz, das ist das Stichwort, und die wird nicht mehr nur alleine durch einen überzeugenden Inhalt hergestellt. Die damit verbundene Herausforderung wird mit dem Begriff Suchmaschinenoptimierung, kurz SEO bezeichnet. Das ist inzwischen eine Wissenschaft für sich. Sind im Text die passenden Keywords enthalten? Gibt es hochwertige Verknüpfungen, die auf die Seite verweisen? Liegt eine Meta-Beschreibung vor? Ist die Webseite barrierefrei gestaltet? Das sind nur einige der Fragen, die es zu beachten gilt. Wer also seine Seite bekannt machen möchte, ist gut beraten, sich von Expert*innen unterstützen zu lassen.

[Anfänge] Ich weiß es noch wie heute. Wir waren bei Thomas Lohmeier von Warenform in der Gormannstraße wegen dem Lay-Out unserer Zeitung, er saß vor dem Computer und recherchierte irgendetwas im Internet. Und ganz nebenbei erwähnte er: „Übrigens wenn Du was suchen willst im Internet, hier guh-gel ist eine ganz brauchbare Seite!“ Guh-gel. Ich musste erstmal nachfragen, wie das überhaupt geschrieben wird. Abends am Rechner dann, wo ich mich noch ganz analog per Modem mit dem Internet verbinden musste, probierte ich das dann aus und seit dem nutze ich nichts anderes. Ich habe schon ganz vergessen, wie wir früher, vor Google, im Internet gesucht haben. Wir haben uns von Seite zu Seite gehangelt, es gab auch Bücher mit irgendwelchen Listen von Internet-Seiten oder überhaupt Listen lesenswerter Seiten, die nach Rubriken sortiert waren. So oder so ähnlich muss es gewesen sein. Zwar gab es schon vor Google Suchmaschinen, aber keine von denen schlug so sein wie Google. Wie machten die das nur, dass mensch den Eindruck hatte, dass die Ergebnisse wirklich wichtig sind? Das ist bis heute im Grunde ein Geheimnis geblieben. Wenige Tage später war es dann soweit: Ich googelte mich selbst – der Anfang jeder Überlegung zur persönlichen Suchmaschinenoptimierung.

[Ausblick] Es wäre an der Zeit, diese Technologie zu vergesellschaften, also dem Zugriff eines einzelnen privaten Konzern zu entreißen und als transparente open-source-Software der Weltgemeinschaft zur Verfügung zu stellen. Am Besten mit individuell einstellbaren Suchoptionen und Prioritäten. Denn die Daten von Google tragen im Moment auch dazu bei, dass wir immer besser überwacht und im Grunde auch kontrolliert werden. Was wir suchen, wann wir es suchen, wo wir gerade sind, wie und womit wir uns bewegen. Aber das ist ein anderes Thema.

Berlin, 28.12.2016
Stefan Schneider

[Abbildung] https://i.ytimg.com/vi/DTH4t9K-BmY/maxresdefault.jpg aus dem Video Grundlagen Informatik - Algorithmus bei youtube

Berliner Varietebühne Wintergarten 1940, Foto von Friedrich Mäschke, Quelle: WikiCommonsGelingende Bildungsprozesse sind eine Kombination aus Neugier, guter Ausbildung und Praxis. Eine gute Übersicht über die Vielfalt der Angebote zur Weiterbildung bietet  das Portal für Weiterbildung und Umschulung. Warum permanente Weiterbildung so wichtig ist, möchte ich an einem ganz persönlichen Beispiel erläutern.
[Ambitionen] Bereits als Jugendlicher engagierte ich mich im Jugendclub meiner Kirchengemeinde. Wir trafen uns dort jeden Freitag, und es gab immer ein Programmangebot. Dazu gehörte – in Abständen von etwa 6 - 8 Wochen – auch die Aufführung von Spielfilmen. Die Kinobranche war gerade im Niedergang, da sich das Fernsehen inzwischen in fast jedes Wohnzimmer verbreitet hatte, und Video und Beamer gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Aber es gab in Duisburg einen Verleih für 16mm Filme, den wir nutzen konnten. Extra für diese Aufgabe wurde ein Filmreferent bestimmt. Als der keine Lust mehr hatte und aufhören wollte, meldete ich mich freiwillig. Erstens, weil die Aufgabe offensichtlich Spaß machte, zweitens, weil die Filme, die ich zu sehen bekam, sehr interessant waren und drittens, weil der Filmreferent bei der Programmplanung die Finger mit im Spiel hatte. Aber so einfach war es nicht. Um überhaupt die 16mm-Projektoren ausleihen zu dürfen – das Zentralbüro der Katholischen Jugendarbeit in Berlin verfügte über drei solcher Projektoren – musste ich erstmal einen Vorführschein bei der Landesbildstelle absolvieren. Da wurde uns die Technik erklärt und wir mussten unter anderem das Einfädeln des Filmes üben, das Wechseln der Projektorlampe – falls die mal ausfällt – und was zu tun ist, wenn der Film mal reißt. Das waren immerhin 4 oder 6 Schulungsstunden, die zu absolvieren waren.
[Premiere] Mit dem Schein in der Tasche und endlich zum Filmreferenten des Jugendclubs ernannt, wollte ich im Herbst des Jahres 1981 stolz meinen ersten Film zeigen. Alles war perfekt vorbereitet: Die Werbung Wochen vorher, die Kasse für den Eintritt, die Leinwand, die Bestuhlung, auch die Filmrollen waren da. Eine Viertelstunde vor dem geplanten Beginn – und es waren schon bestimmt 30 Leute da – fiel mir siedendheiß ein, dass etwas sehr Wichtiges fehlte. Ich raunzte meinen Freund Sam an: „Wo ist der Projektor?“ „Wieso?“, sagte er, „Ich dachte, Du hast ihn bestellt?“ Das Hin- und Her nutzte nichts, jedenfalls war kein Projektor da und ich fühlte mich ziemlich mies. Mir war heiß und kalt zugleich. Ich hatte eine wichtige Aufgabe übernommen und stand nun als kompletter Versager da. Gab es da noch eine Rettung oder hatte ich für immer verschissen? Zum Glück hatte Sam ein Auto und wir rasten zur Evangelischen Nachbargemeinde, die auch einen Projektor haben sollte. Nach vielem Klingeln und hin und her laufen fanden wir dann einen Mitarbeiter, der uns den Projektor in die Hand drückte und mit einer Verspätung von einer Dreiviertelstunde konnte der Film endlich beginnen. Rettung in letzter Minute.
[Spaß] Nach einigen Monaten hatten wir den Bogen raus. Natürlich konnten wir Filmvorführtermine langfristig festlegen, die Projektoren weit im voraus bestellen und wir wußten, dass auch die Filmrollen ein paar Tage vorher geliefert wurden. Also machten wir regelmässig im Wohnzimmer unserer WG einen Tag vor dem offiziellen Kinotag im Jugendclub unsere Privatvoraufführung. Wir kochten was, besorgten Bier und andere Getränke, spannten ein großes Laken vor das Fenster, langsam trudelten unsere Freunde ein und und wenn es dann dunkel wurde, wurde der Projektor angeworfen. Eine riesige Gaudi. Und am Tag darauf, bei der eigentlichen Vorführung, konnten wir dann hinten im Saal mit den Mädchen knutschen – weil den Film, den kannten wir ja schon. Das ging so einige Jahre, bis ich merkte, dass es Zeit war, den Job des Filmreferenten in andere Hände zu geben.
Wenn ich heute auf die Unterrichtsstunden für den Filmvorführschein zurück blicke, möchte ich sagen: Der Aufwand hat sich allemal gelohnt, trotz der Beinahe-Katastrophe am ersten Filmabend. Aber das ist eben der Unterschied zwischen Theorie und Praxis.

Berlin, 20.09.2016
Stefan Schneider

[Abbildung] Berliner Varietebühne Wintergarten 1940, Foto von Friedrich Mäschke, Quelle: WikiCommons, URL: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e9/Bundesarchiv_Bild_146-1988-035-15,_Berlin,_Wintergarten.jpg

 Israeli forensic policeman inspects a burglary scene - Quelle: Wiki Commons, Details am Ende des Artikels[Sicherheit] Es gibt Menschen, die machen sich Sorgen um das, was sie ihr Eigentum nennen und sichern es deswegen ab. Mit Türen, Zäunen, Mauern, Schlössern, Alarmanlagen. Gerade Alarmanlagen haben den Nachteil, dass sie häufig Fehlalarme produzieren. Und das ist sehr ärgerlich, vor allem dann, wenn man selber gerade gar nicht zu Hause ist und das abstellen kann. Dann leiden meistens die Nachbarn. Eine neue, innovative Technik, die auf Infraschallerkennung beruht, hat die Firma safe4u entwickelt. Dieses System der Infraschall Alarmanlagen beruht darauf, daß Einbrecher sich in der Regel mit Gewalt Zutritt zur Wohnung verschaffen.

[Zugang] Ein einziges Mal in meinem Leben musste ich einen Einbruch verüben, damals in meiner Studienzeit. Es musste einfach sein. Seit Tagen suchten wir verzweifelt unsere Katze und hatten die Hoffnung schon aufgegeben. Wir sahen keine Chance mehr. Die Hauptstraße, an der wir wohnten, war zu verkehrsreich und es gab überall Höfe, Einfahrten und Hinterhöfe. Unsere Katze war entweder ganz woanders und wir würden sie nie wieder sehen oder sie war – überfahren. Dann kam der Nachbar aus dem dritten Stock und sagte, er hätte sie gesehen. Gegenüber bei Oma Heinzel. Flugs waren wir oben und beobachteten gemeinsam. Zuerst erfolglos. Dann, am nächsten Vormittag, sahen wir tatsächlich eine Katze am Fenster. Kein Zweifel, das war Tiger. Nein nein, sie hätte gar keine Katze, beteuerte sie. Wie gesagt, Oma Heinzel war schon etwas verwirrt. Und sehr schwerhörig. Ob wir hereinkommen könnten, fragten wir. Das ginge auf gar keinen Fall. Mißtrauisch war sie auch noch, die alte Dame. Drei Stunden später, Oma Heinzel war gerade einkaufen, verschafften wir uns durch einen entschlossenen Tritt Zugang zu der Wohnung. Es gab vor einem halben Jahr mal einen Alarm, und die Feuerwehr hatte ganze Arbeit geleistet. Seitdem war der unter Einsatz der großen Flügeltür zur Wohnung nur durch ein halbherzig davorgenageltes dünnes Brett ersetzt. Wir konnten unsere sichtlich dicker gewordene Katze nach einer Woche aus der Obhut von Oma Heinzel befreien.  

[Nachbarschaft] Mit einer Infraschall Alarmanlage von safe4u wäre uns dieser Einbruch nicht gelungen. Spätestens bei unserem Tritt gegen das Brett, mit der die Tür notdürftig repariert war, wäre die Alarmanlage losgegangen. Oma Heinzel irrte übrigens am selben Tag noch ganz aufgeregt durch das Treppenhaus. Bei ihr sei eingebrochen worden. Als Nachbarn boten wir ihr selbstverständlich unsere Hilfe an und durchsuchten mit ihr gemeinsam ihre viel zu große Wohnung, allerdings ganz ohne Erfolg. Wir redeten beruhigend auf sie ein und versprachen, ganz genau aufzupassen. Auch ihre Katze sei verschwunden. Eine Katze? Von einer Katze wussten wir nichts. Ein Katze hatten wir noch nie bei ihr gesehen. Nebenbei räumten wir die gefühlt fünfundzwanzig geöffneten Katzenfutterdosen, um die bereits Fliegen kreisten, diskret zur Seite und entsorgten sie im Hof. Tatsächlich hatte Oma Heinzel bereits am nächsten Tag diese ganze Gesichte vergessen und wir halfen ihr noch das eine oder andere Mal dabei, die schweren Einkaufstüten hochzutragen.

Berlin, 11.09.2016

Stefan Schneider

[Abbildung] Israeli forensic policeman inspects a burglary scene
Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/File:BurglaryIsrael1.jpgFoto: Etan J. Tal

Berlin - Schlafsaal im Obdachlosenasyl - Quelle: WikiCommonsGuten Tag,
es ist mir völlig unverständlich, dass die Grüne Fraktion Pankow in der BVV Pankow einen Antrag Drucksache VII - 1169, auf der BVV-Sitzung am 01.06.2016 einbringt, in dem sie sich dafür ausspricht, eine Massennotunterkunft in Pankow errichten zu wollen.
Ich habe 10 Jahre in der BündnisGrünen Fraktion ua als Sprecher für Sozialpolitik mitgearbeitet und versucht, deutlich zu machen, dass es auf kleinteilige, den unterschiedlichen Lebensumständen entsprechende Lösungen ankommt, die über dies in der Lage sein sollten, einen Anschluss an weitere Hilfeangebote zu gewährleisten.
Eine Massennotunterkunft ist - das zeigen leidvolle Erfahrungen aus Vergangenheit und Gegenwart - eher dazu geeignet, bestehende Problemlagen noch zu verschärfen und zu eskalieren (Stichwort Hygiene, Stichwort Gewalt, Stichwort Unruhe) - auch wenn aus Sicht der Sozialwirtschaft große zentrale Einrichtungen sicher wirtschaftlicher zu betreiben, einfacher zu bewerben und besser zu vermarkten sind.
Ich arbeite gerade in Freistatt an einer Kampagne zur Teilhabe Wohnungsloser, und gerade gestern erst habe ich Gespräche mit Wohnungslosen geführt zur Frage, welche Themen zu bearbeiten sind, und mit eines der ersten Stichworte neben Ausgrenzung war das Thema der viel zu großen Notübernachtungen.
Es kann sein, dass meine Wahrnehmung durch den mehrjährigen Abstand zur Kommunalpolitik etwas getrübt ist, aber vom fachlichen Standpunkt her dürfte sich an der grundsätzlichen Problematik von Massennotübernachtungen in zwangsgemeinschaftlicher Unterbringung kein neuer Aspekt ergeben haben, der einen solchen Irrsinn als zielführend erscheinen lässt.
Ich möchte der Grünen Fraktion raten, diesen Antrag noch einmal gründlich zu überdenken und stehe gerne - sofern mir das die Zeit erlaubt - für eine fachliche Beratung zur Verfügung.

Freistatt, 01.06.2016

Stefan Schneider

Abbildung: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_102-10839,_Berlin,_Schlafsaal_im_Obdachlosen-Asyl.jpg

Vincent van Gogh - Stillleben mit Bibel - Quelle: WikiCommonsÖffentliche Büchereien waren lange Zeit für mich das Maß aller Dinge. Erst die Bezirksbüchereien, dann die Fachbibliotheken, später die Universitätsbibliotheken. Bücher suchen, auswählen, ausleihen, lesen, durcharbeiten und zurückbringen. In den letzten Jahren bin ich auf der Suche nach Literatur häufiger im Internet fündig geworden. Ich schickte dann eine email an den Buchladen meines Vertrauens und häufig war, wenn nicht ohnehin schon im Regal vorhanden, das Buch schon am nächsten Tag da. Mit einem Teil des Buchpreises würde ich diesen Buchladen in meiner unmittelbaren Nachbarschaft unterstützen und hätte zudem noch eine kompetente persönliche Beratung – die auch durch ein Online-Bewertungssystem nicht ersetzt werden kann.
Während ich in den ersten Jahren auf jedes neu hinzukommende Buch in meiner Wohnung stolz war, hat sich nach nunmehr drei Jahrzehnten wissenschaftlicher Arbeit meine Haltung dazu geändert. Nicht mehr jedes Buch ist es wert, aufbewahrt zu werden. Das hat mehrere Gründe. Oft hat sich die Forschungsfrage oder das Thema für mich erledigt und ich komme nicht mehr darauf zurück, zweitens es ist auch nicht meine Aufgabe, Bücher zu sammeln und wohl am wichtigsten ist drittens, immer genug Platz für Neues zu schaffen. Und trotzdem sind die Bücher, die ich nun nicht mehr brauche, einigermaßen neu, aktuell und in einem guten Zustand. Nun tun sich öffentliche Bibliotheken oftmals schwer mit der Einarbeitung von angebotenen gebrauchten Büchern – und ein Buch, das nicht benutzt wird, ist in gewisser Weise wertlos.
Eine naheliegende Alternative besteht darin, Bücher zu verkaufen. Eine auf Fachbücher spezialisierte Plattform ist Studibuch. Die für das Smartphone erhältlich Studibuch-App ermöglicht zudem, den Barcode zeitsparend einzuscannen und der Versand der Bücher erfolgt klimaneutral.
Wissenschaft ist in gewisser Weise ein angstfreier Raum. Bücher widersprechen einem nicht, und oft sind auch die Autoren schon lange tot und können sich gegen Kritik nicht wehren. Das war mir im Moment, als ich damit anfing, so aber nicht klar. Ich genoss es, durch die Gänge der Bibliotheken zu streifen, nach immer neuen Büchern Ausschau zu halten und sie dann beliebig zu benutzen. Das Inhaltsverzeichnis zu durchstreifen mit analytischem Scharfsinn, das Literaturverzeichnis prüfend zu durchblättern und dann beliebig irgendwo mittendrin mit der Lektüre zu beginnen – auf der Suche nach einer genialen Formulierung, einer neuen Sichtweise, einer überraschenden Argumentation. Oder nach dem Gegenteil. Eine fadenscheinige Begründung, ein schwacher Einwand, eine vorgeschobene Behauptung. Es gibt eben kluge Bücher und nicht so kluge.

Heute sind mir Bücher nicht mehr ganz so wichtig. Aber ich benutze sie dennoch oft, um darüber mit Menschen ins Gespräch zu kommen.

Berlin, 19.05.2016
Stefan Schneider

Abbildung: Vincent van Gogh, Stilleben mit Bibel (1885), Van Gogh Museum-Amsterdam.
Quelle: WikiCommons.
URL: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Vincent_van_Gogh_-_Still_life_with_Bible_-_Google_Art_Project.jpg

PS: Als ich dieses Bild von van Gogh unlängst eher zufällig in Amsterdam im Van Gogh Museum erblickte, hätte ich wetten können, daß beim Nähertreten Zeile für Zeile präzise erkennbar und vor allem lesbar sein würde. Also ich dann unmittelbar vor dem Bild stand, war ich völlig fertig. Nicht einen einzigen Buchstaben hat van Gogh auf die Leinwand gemalt. Es ist vielmehr ein einziges Spiel mit den Farben.

 

Telefonapparat Modell Dallas - Quelle: WikiCommonsAus heutiger Sicht hätten wir auch darauf kommen können. Auf die Geschichte mit den Mobilfunktelefonen. Meine Generation ist groß geworden mit diesen klobigen Apparaten aus Plastik mit den runden Wählscheiben und anrufen hieß damals eben noch: kurbeln kurbeln kurbeln. Vor allem, wenn am anderen Ende der Leitung besetzt war. Und es schien unvorstellbar, daß telefonieren anders funktionieren könnte als mit einer Leitungsverbindung aus Kupferdraht. Heute sind die mobilen Telefone kaum größer als früher eine Zigarettendose, der Akku muss - bei einfachen Geräten - nur gelegentlich mal aufgeladen werden und eine Telefonverbindung gibt es auch mitten im Wald oder an der Pommesbude um die Ecke. Nur das mit den Tarifen ist ein wenig unübersichtlich geworden, aber dabei helfen dann Portale wie eteleon.

In meiner ersten WG wähnten wir uns ganz fortschrittlich und bestellten bei der Deutschen Post – die war nämlich damals dafür zuständig – ein Telefongerät Modell Dallas. Das hatte immerhin eine 6 Meter lange Kabelleitung. Und dem Monteur sagten wir, dass die Telefondose etwa in der Mitte des Flures positioniert werden solle. Und der war ganze 14 Meter lang. Je nach dem, wer gerade einen dringenden Anruf erwartete, wurde das Telefon in die eine oder in die andere Richtung des Flures gezogen. Meistens jedoch thronte es auf einem Stühlchen vor dem Wohnzimmereingang. Das Kabel reichte auch in die Küche und auf die Terrasse, nicht aber jedoch in mein Zimmer oder das von Bettina. Es dauerte ein paar Jahre, bis wir dahinter kamen, dass wir das Kabel auch verlängern konnten.

Wenn wir dann tagsüber oder abends unterwegs waren, waren wir eben nicht erreichbar. Ich kann mich noch an die Zettel erinnern, die ich gelegentlich vor meiner Tür fand. Nachrichten, dass jemand angerufen hätte. Die Anrufbeantworterfunktion bei der Post kostete extra und das wollten wir uns nicht leisten. Wir hatten ja Papier und Bleistift. Oder der Anrufer musste es eben später nochmal versuchen. So war das.

Berlin, 11.05.2016

Stefan Schneider

Abbildung: Komfort-Tastentelefon K Fe Ap 381 in weinrot der Deutschen Bundespost, Fabrikat Siemens, Baujahr Oktober 1987. Marketingname "Dallas LX"
Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:1-1111-20051110-K_Fe_Ap_381-DallasLX.jpg
Autor: 1-1111

TEAPOT - The Federal Services Incorporated (FSI) guards check passes for all vehicles entering or exiting the Nevada Test Site - Quelle: WikiCommonsOder: Über Sprachgrenzen hinweg Wissen generieren

[Übersetzungsprogramm: Review] Neulich hatte ich mich mit einem Abstract für eine Forschungskonferenz in Kopenhagen beworben. Der Beitrag musste in englischer Sprache eingereicht werden. Das war bisher recht umständlich. In deutscher Sprache vorformulieren, und dann das Ganze übersetzen. Entweder mit Zuhilfenahme eines Wörterbuches, oder mit einem Online-Übersetzungsprogramms. Auch letzteres war mühselig, da ich immer zwischen den Fenstern hin- und herklicken musste. Leider ist mein Englisch nicht so „fluent“, daß mir das leicht fiele. Deshalb schaue ich sicherheitshalber immer wieder nach. Nun gibt es mit Translationscklick eine echte Innovation. Ein Programm, dass einfach auf den Computer heruntergeladen werden kann – und für kleines Geld ist sogar die Vollversion erhältlich. Nun genügt ein Klick auf das Wort (wenn dabei die Alt-Taste gedrückt ist) und schon erscheint die Übersetzung. Für mich war das eine große Hilfe und ich hatte deutlich mehr Spaß an der Arbeit als sonst. Ein sehr schönes Übersetzungsprogramm. Den kleinen Haken an der Sache will ich nicht verschweigen: Bislang funktioniert dieses nützliche Tool nur bei Windows, Menschen, die Linux oder Apple benutzen, haben da noch nichts von. Aber ich bin zuversichtlich, dss die Entwickler auch daran arbeiten werden. Daher mein Fazit: 4,5 von 5 Sternen.

[Löschhölle] Ich weiß gar nicht mehr genau, wann und warum ich begann, mich bei Wikipedia als Autor zu registrieren. Es war wahrscheinlich so ähnlich wie mit Google. Dieses Portal tauchte eines Tages in meinem Leben auf und wurde immer wichtiger. Vermutlich habe ich mich über irgendetwas geärgert und wollte das ändern, oder aber ich habe etwas vermisst und wollte das ergänzen. Wie auch immer, schon bald nach meiner Anmeldung erstellte ich meinen ersten Beitrag und noch bälder sah ich, dass der gelöscht werden sollte. Das war für mich natürlich Alarmstufe rot und ich tat einiges dafür, den Artikel noch weiter auszubauen und außerdem jede Menge Argumente dafür zu finden, warum der Artikel auf jeden Fall zu behalten ist. Aber in dieser Angelegenheit half alles nichts, der Artikel wurde nach ein paar Tagen gelöscht und ich war – stinkend sauer. Diese leidvolle Erfahrung führte dann dazu, dass ich mich in den nächsten Jahren zu einem Spezialisten für die Löschhölle entwickelte und dort beinahe täglich arbeitete. Wenn schon mein erster Artikel gelöscht werden musste, wollte ich ab sofort alles dafür tun, dass wenigstens die Artikel der anderen nicht dieses Schicksal erleiden mussten. Denen, also den löschsüchtigen bornierten Wiki-Honks würde ich es zeigen! Und zwar allen! Und tatsächlich konnte ich einige halbwegs brauchbare Artikel durch ein paar ergänzende Informationen und gute Argumente retten. Einige Löschanträge, das muss ich leider zugeben, waren aber auch vollkommen berechtigt.

[Übersetzungshilfen] Ein neues Feld tat sich mir auf, als ich damit begann, mich für die Ortschaften der Heimat meiner Eltern im früheren Ostpreußen zu interessieren und dafür, sofern noch nicht vorhanden, Wiki-Artikel anzulegen: Braunswalde, Göttkendorf, Süssenthal, Glottau und so weiter. Plötzlich stellte ich fest, dass es ja noch Wikis in anderen Sprachen gibt und daß sich ein Blick in den – in diesem Fall polnischen – Artikel durchaus lohnen konnte. Zwar kann ich mich im Alltag leidlich in polnischer Sprache unterhalten, aber sobald es sich um speziellere Angelegenheiten handelt, geht es nicht ohne Wörterbuch und Übersetzungsprogramm. Das Problem in diesem konkreten Fall ist, daß im deutschen Artikel häufig brauchbare Informationen bis etwa 1945 angegeben sind (weil der Ort bis dahin deutsch war), und für die Zeit nach 1945 ist der polnische Artikel meistens aussagekräftiger (weil der südliche Teil von Ostpreußen ab 1945 zu Polen gehört). Immerhin ist es von Vorteil, dass seit einigen Jahren Wikipedia um eine Funktion erweitert wurde, welche die Existenz der entsprechenden Artikel in den anderen Sprachen, sofern vorhanden, anzeigt. Aber die Inhalte der unterschiedlichen Sprachausgaben wenigstens halbwegs zu vereinheitlichen, dass wird wohl eher eine Aufgabe für die nächste Generation sein. Eine gute Software könnte da maßgeblich helfen.

Berlin, 25.03.2016
Stefan Schneider

[Abbildung] TEAPOT - The Federal Services Incorporated (FSI) guards check passes for all vehicles entering or exiting the Nevada Test Site. 1956
Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:NNSA-NSO-346.jpg

Moderne Krippe von Nigel Parry - gefunden auf www.nigelparry.deGuten Tag und hallo!

Ich entbiete allen Menschen guten Willens und insbesondere denen, die mich persönlich kennen, meine allerbesten und herzlichen Grüße zu den Feiertagen und meine besten Wünsche für das neue Jahr 2016: Gesundheit, Glück, Wohlergehen.

Wie immer nutze ich die Gelegenheit, auf das vergangene Jahr zurück zu blicken und auf das kommende Jahr zu schauen.

Es ist die Nacht auf den 24. Dezember 2015, ich sitze in meiner Wohnung in der Buchholzer Straße und nehme mir etwas Zeit, auf das Jahr 2015 zurückzublicken. Es war ein spektakuläres, ein großartiges, ein außerordentliches Jahr. Denn es sind Dinge passiert, die nicht sehr oft vorkommen im Leben eines Menschen: Eine Freundin. Eine Aufgabe. Ein Fest.

Eine Freundin. Eine Freundin zu finden, war einer der Wünsche für 2015. Ehrlich gesagt, große Hoffnungen hatte ich nicht. Und auch keine besonderen Erwartungen. Ich hatte immer mal wieder die eine oder andere Frau gedated, wie es so schön heisst, und in den vergangen Jahren ergab sich gelegentlich daraus die eine oder andere Affaire. Aber keine Begegnung mit Tragweite - alles nur mehr oder weniger kurze Strohfeuer. Vielleicht einmal abgesehen von der Geschichte mit A. Aber das war eher eine Art - ja, da fehlen mir noch die Worte. Eine Art emotionale Turbo-Achterbahn. Wie auch immer, aus irgendwelchen Gründen passte es immer nicht. Natürlich lag es auch an mir. Mit den Jahren werden wir alle irgendwie eigen und komisch. Jedenfalls hatte ich die Nase ganz schön voll von diesen Strohfeuern. Am Tag Christi Himmelfahrt wurde alles anders. Ich hatte diesem Date keine besondere Bedeutung zugemessen - sondern ging mit einer gewissen Egal-Haltung an die Sache heran. Ich hatte viel zu tun - Karin Powser war Ende April gerade bei mir zu Besuch zum Foto-Shooting für die Ausstellung, Matthias vom Johanneshof kam danach und ich war sein Urlaubs-Assistent für zwei Wochen auf dem Gelände vom Segelverein und eigentlich hatte ich gar keine Zeit für ein Treffen. Also fragte ich sie, ob sie nicht zu uns herauskommen wolle. Immerhin hatte sie einen Hund und das fand ich ganz spannend.
Was dann passierte, war einfach unglaublich, unbeschreiblich. Mit Sybill begann eine Geschichte, die so unglaublich schön, intensiv, lustig, bewegend, aufregend, umwerfend, berührend war, dass selbst mir die Worte fehlen. Ich hätte nicht gedacht, dass das Leben noch so eine Überraschung für mich bereit hält. Und was ich nicht zu hoffen wagte: Sie hat auch Spaß am Segeln und wird überhaupt nicht seekrank. Wir verbrachten viele Wochenenden im Segelverein, machten eine Woche lang das Boot halbwegs seeklar (Positionsbeleuchtung und einige andere Dinge, die für eine Fahrt unerlässlich sind) und waren dann eine ganze Woche lang unterwegs und kamen zusammen bis immerhin Wolgast.
Wenn ich überlege, warum wir so gut zusammen passen, dann denke ich, dass Sybill ihr Leben lebt - mit Kindern, Hund, Beruf, Haus und Freunden -  und gleichzeitig offen war und ist für eine Beziehung und auch darauf, sich ohne Vorbehalte auf Neues einzulassen. Das ist in einer Welt voller Vorurteile und Gewohnheiten bei weitem keine Selbstverständlichkeit. Und ich habe das Gefühl, dass ich bei ihr sein kann wie ich bin. Ach, mir fehlen die Worte, um das alles zu beschreiben. Es ist eine Beziehung, die mich frei und glücklich macht.

Eine Aufgabe. Ich weiss gar nicht, wie oft ich in diesem Jahr in Hannover und in Freistatt war. Oft. Es ging immer darum, die Idee der Sommercamps wohnungsloser Menschen zu konkretisieren und weiter zu treiben. Vordergründig zielte die Arbeit darauf, einen Antrag auf Finanzierung bei der Aktion Mensch fertig zu stellen, was dann im Dezember 2015 auch endlich gelang (eigentlich 3 Monate zu spät für eine entspannte Zeitplanung, aber das ist ein anderes Thema). Nein, es ging auch darum, das Dorf Freistatt kennen zu lernen, wie es funktioniert, und die Menschen dort, vor allem Frank, der für den Bereich der Wohnungslosenhilfe zuständig ist. Natürlich ist Freistatt aus der Sicht eines Großstadtmenschen die letzte Pampa und es ist schon extrem gewöhnungsbedürftig, dass der einzige Laden weit und breit dort schon um 18:00 Uhr schließt. Und wer erst nach 13:00 Uhr im Speisesaal erscheint, darf nicht mehr erwarten, ein Mittagessen zu bekommen. Als einziger Trost bleibt der Rittersaal, der Riesencurrywurst im Angebot hat. Aber darum geht es nicht.
Partizipation Wohnungsloser ist gegenwärtig das große Thema, wohl nicht zuletzt deshalb, weil in den herrschenden Diskursen, egal ob in den Medien, der öffentlichen Meinung oder auch in der Praxis der sozialen Arbeit immer und immer wieder das Bild vom abgerutschten, hilfebedürtigen armen Menschen generiert wird. Das ist aus vielen Gründen falsch: Die gesellschafliche Verursachung von Armut und Wohnungslosigkeit wird ebenso verleugnet. Und aus dem Blickfeld verschwindet auch, dass wohnungslose Menschen Rechte und Ansprüche haben, für deren Durchsetzung sie gegebenenfalls Assistenz und Unterstützung brauchen. Diese zuschreibenden Diskurse nützen der Wohnungslosenhilfe, weil sie Gründe liefern, diese Formen der Elendsverwaltung weiter zu betreiben, und gleichzeitig bildet sich ein Unbehagen genau darüber. Teilhabe als Ausweg.
Die Idee der Sommercamps folgt einer (kleinen) Tradition, bereits Gregor Gog hat mit seiner Bruderschaft der Vagabunden im Jahr 1929 nach Stuttgart zu einem Internationalen Vagabundenkongress eingeladen, im Jahr 1991 gab es- auf Initiative von Willy Drucker - in Uelzen in und um den Hans-Hergot-Turm einen Kongress der Kunden, Berber, Obdach- und Besitzlosen und auch im St. Ursula Heim in Offenburg bei Freiburg gab es - in Zusammenarbeit mit der schwächelnden Bundesbetroffeneninitiative wohnungsloser Menschen (BBI) regelmässige sogenannte Berbertreffen. Das hat Wirkung.
Die Arbeit an dem Antrag zwang uns, diese Idee von den Sommercamps zu konkretisieren. Warum machen wir das, wen sprechen wir an, wie erreichen wir die Menschen, wie wird das durchgeführt, welche Ziele verbinden wir damit, wann findet das statt, wie lange sollen die Treffen dauern, wie reisen die Teilnehmer an usw. Entscheidend aber ist etwas anderes: Die Idee spricht sich herum, sie wird verstanden, aufgegriffen  und weiter getragen. Es ist eine Stimmung spürbar, die sich irgendwo zwischen Erwartung und Aufbruch bewegt. Es liegt was in der Luft, etwas großes beginnt, etwas, was größer ist als ich selbst und ich werde in den nächsten Jahren - hoffentlich - dabei sein können. Dazu beitragen können, dass es gut wird.

Ein Fest. Am 04. Juni 2015 vollendete ich mein 50tes Lebensjahr. Darüber machte mich mir schon lange vorher Gedanken und zunächst hatte ich wenig Lust, das zu feiern - diese ganzen Erwartungen und überhaupt der Streß. Als ich dann überlegte, was ich mir selber schenken wollen würde, mußte ich nicht lange nachdenken. Ich würde mir ein Konzert schenken. Daraus erwuchs dann die Idee für das Fest. Auch der Termin war günstig. Der eigentliche Geburtstag lag an einem Donnerstag, ich würden den Tag für mich alleine verbringen und das eigentliche Fest einen Tag später stattfinden lassen. Der Ort: Natürlich draußen auf der Gelände von meinem Segelverein. Und so lud ich mehr oder weniger alle Leute ein, die im Verlauf des Lebens eine wichtige Bedeutung für mich hatten. Alles in allem war es ein schönes Fest mit vielen lieben Gästen, die teilweise sehr weit angereist kamen, dazu bestes Wetter, Erdbeerkuchen, Bratwurst, Weihrauch, Festansprache, Konzert, Feuerwerk, viele Geschenken ...
Und dennoch bleibt eine Unzufriedenheit, die schon am Tag des Festes für mich spürbar war. Es war gar nicht mal das Gefühl, den vielen Gästen nicht gerecht werden zu können. Das konnte gar nicht gelingen angesichts der knappen Zeit. Es ist vielmehr die Frage, die ich schon während meiner Festansprache zu thematisieren versuchte: Wo stehe ich und wo geht die weitere Reise hin. 50 Jahre, das sind zwei Drittel eines Lebens und noch ein gutes Drittel steht mir bevor. Was bedeutet das eine für das andere. Ich sehe mich als Reisender und sollte innehalten und prüfen, was war bisher, wie geht es weiter. Und vor allem: Wo hin? Der Tod als (mögliche) Erfüllung eines guten Lebens. Wäre das eine Aufgabe, ein Ziel?
Jetzt, heute, ein halbes Jahr nach diesem Fest, steht dieses positive Unbehagen nach wie vor im Raum. Es äußert sich in dem Bedürfnis, sich von Dingen, vor allem Büchern, trennen zu wollen. Das ist die äußere Seite. Innen in mir drin ist es das Gefühl, dass die Vergangenheit zu schwer ist. Ich habe mehr hinter mir als vor mir, jedenfalls in diesem Leben. Die Dinge, die Bücher repräsentieren dies und indem sie mich umgeben, ziehen sie mich in die Vergangenheit zurück und halten mich fest. Das Leben geht weiter und aber ich komme nicht voran, bleibe in der Vergangenheit verhaftet. Das ist nicht gut.
Also mache ich mich frei von den Dingen und will nur das behalten, was in den Rucksack passt, einmal flapsig ausgedrückt. Aber wirklich: Eine Durchsicht der Dinge offenbart vieles, was nicht wichtig, was überholt, unbedeutend, belanglos, überflüssig ist. Weg damit. Leicht fällt mir das nicht, aber es geht.

Ausblick 2016

Im nächsten Jahr 2016 will ich wieder - jedenfalls in der wärmeren Jahreszeit - auf dem Boot leben und nicht in der Wohnung. Das wird sicher gut gelingen. Was mir Sorgen macht: Mich belasten die autoritären, wenig transparenten Tendenzen im Segelverein. Konflikte werden nicht thematisiert, geschweige denn ausgetragen, sondern in der Regel auf der Hinterbühne verhandelt. Das ist nicht gut für das soziale Klima. Die vielen Mitglieder im Verein kommen aus unterschiedliche Generationen und vertreten unterschiedlichste Auffassungen über das Zusammenleben und wie Dinge zu regeln sind. Das sollte möglichst offen kommuniziert werden in Verbindung mit dem Versuch, sich auf einen gemeinsamen Nenner zu einigen. Es könnte mir auch egal sein, theoretisch, aber praktisch nicht, weil auf genau diese Gemeinschaft beziehe ich mich, weil dort mein Boot ist und es viele gute Gründe gibt, dort mein Boot zu haben. Aber zum Glück ist das Boot ja beweglich und ich muss - jedenfalls die meiste Zeit - nicht dort sein. Das ist Freiheit.

Mir geht es soweit gut, ich kann nicht klagen. Sorgen macht mir allensfalls der körperliche Verfall, ich bin lange nicht mehr so leistungsfähig wie noch vor zwanzig, dreißig Jahren, aber das ist wohl der Lauf der Zeit und ich werde mich damit arrangieren müssen.

Meine Webseiten funktionieren wieder. Sie waren fast ein halbes Jahr lang ausser Betrieb und ehrlich gesagt, mir auch nicht sehr wichtig. Überhaupt erfolgt mein digitales Leben in Wellen und offenbar habe ich jetzt wieder Lust auf Internet und darauf, darin etwas anzustellen. Auch einige Projekte, Vergangenes zu digitalisieren.

Ansonsten ergibt sich das, was ich für 2016 erwarte, aus dem, was ich über das Jahr 2015 geschrieben habe.

Ich freue mich auf jeden Tag, den ich mit Sybill verbringen darf. Ihren Frohsinn empfinde ich als großes Geschenk und ich freue mich jedes Mal auf Neue, wenn ich sie wieder sehe. Ich hoffe, dass das so bleibt und sich nicht verändert. Die Liste der Dinge, die wir uns überlegt haben, ist - obwohl wir uns kaum länger als ein halbes Jahr kennen - schon sehr lang und es kommen ständig neue, tolle Ideen hinzu. Wobei es letztlich nicht darauf ankommt, ob wir alles abarbeiten, sondern dass wir das eine oder andere tatsächlich umsetzen. Und daran besteht kein Zweifel. Locker verabredet haben wir eine Bootstour im August 2016 mit einem Start irgendwo an der niederländischen oder deutschen Küste der Nordsee und mit dem Ziel irgendwo an der polnischen Küste der Ostsee. Mal sehen, was tatsächlich daraus werden wird.

Das Projekt Sommercamps wird sich weiter konkretisieren. Ein Termin für 2016 steht schon fest -24.-31. Juli 2016 - und auf die vielen damit verbundenen Aufgaben und Herausforderungen freue ich mich jetzt schon. Wer mich kennt, wird wissen, dass ich mir über das Gelingen viele Gedanken machen werde und die Verantwortung, die ich spüre, die eine oder andere schlaflose Nacht bereiten wird. Aber die Formulierung, dass diese Idee größer ist als ich selbst, zeigt mir den Weg, damit vernünftig umzugehen: Ich gebe mein Bestes, über für das Zustandekommen und den Erfolg sind viele Menschen verantwortlich, nicht nur ich allein. Und auf die damit verbundenen Mobilisierungs- und Nachbetreuungs-Touren mit einem Wohnmobil freue ich mich schon. Meinen engeren Freundeskreis quatsche ich damit schon seit Monaten voll. Aber im Ernst: Das wird ein zentraler Baustein des Projekts sein und ich verspreche mir davon ein hohes Maß an Spaß, Arbeitszufriedenheit und zugleich gute Effekte.

Bereits verabredet für Ende April/ Anfang Mai ist eine Bungalow-Bootstour mit Chris. Von Plaue an der Havel in Brandenburg nach Zernsdorf am Krüpelsee südöstlich von Berlin. Darauf freue ich mich schon. Mit Chris verbindet mich nicht nur eine 35jährige Freundschaft, sondern wir waren auch 1992 und 1993 auf den Masurischen Seen segeln. Mit dieser Bunbo-Tour haben wir hoffentlich eine Form gefunden, die unseren gemeinsamen körperlichen Möglichkeiten entspricht und trotzdem maximalen Spaß auf dem Wasser ermöglicht.

Mit Matthias ist wieder vereinbart, dass er mit mir Urlaub macht und ich ihm assistiere - diesmal im September und wahrscheinlich nicht auf dem Gelände meines Segelvereins, sondern gemeinsam auf meinem Boot. Aus dies zum einen etwas vertrautes - das ist der dritte Urlaub, den wir zusammen verbringen - und zum anderen etwas neues, denn erstmalig werden wir gemeinsam mit dem Boot unterwegs sein.

Und Andrea aus der Schweiz hatte ich vor einigen Tagen darauf angesprochen, die alte Idee einer Wanderung über den Gotthard - von Luzern nach Ascona (im Grunde auf den Spuren von Jonny Rieger) - aufzugreifen im Mai 2017. Mal sehen, ob daraus etwas werden wird. Mit einem Wohnmobil ergeben sich dafür völlig neue Möglichkeiten. Möglicherweise macht es Sinn, sich diesem Projekt mit einer kleinen Gruppe vorzustellen.

Zum Schluss noch ein Wort zur meinem Krippenbild. Es ist eine Installation von Nigel Parry aus dem Jahr 2007. Mehr Details dazu sind auf seiner Homepage zu finden: http://nigelparry.com/photos/modern-nativity.shtml. Ich finde dieses Bild deshalb so bemerkenswert, weil zum einen die historisch geformte Ikonographie von Weihnachten (Geburt Jesu in der Krippe) sehr konventionell aufgegriffen wird, und zum anderen wird dieses Schema durch ein paar überraschende Eingriffe sehr konsequent dekonstruiert, da dem Grunde nach zerstört. Maria am Stick, die drei Weisen zur Fahndung ausgeschreiben, das Kind erscheint wie im Pizzaofen gebacken und die Krippe hängt an Dynamit. Und der Himmel? Eine bunte Schale voller Tränen. 

Möglicherweise habe ich dieses Bild gewählt, weil ich mich selbst darin wieder erkennen will. Ich bin wie immer, und doch ist alles anders, und so richtig begriffen habe ich es noch nicht. Wer weiß.

Ihr seht, es ist unglaublich viel passiert im Jahr 2015. Und auch wenn ich im Wesentlichen über mich und meine inneren Prozesse geschrieben habe, so war mein Leben nicht möglich ohne viele Freunde und Bekannte. Gespräche, Anregungen, Fragen, Statements, Ideen, Positionen, Konfrontationen. Euch möchte ich vielen Dank sagen, schöne Feiertage wünschen und ein gutes neues Jahr 2016: Gesundheit, Zufriedenheit, Wohlergehne, Glück, Liebe und geliebt zu werden.

Berlin - Prenzlauer Berg, 24.12.2015, 14:42 MEZ

Stefan Schneider

PS: Habe ich jetzt alles gesagt, was wichtig war? Nein, bei Weitem nicht. Nur das Wichtigste, das was mir im Moment auf dem Herzen liegt.

Foto: http://nigelparry.com/enginefiles/uploads/modern-nativity-all.jpg

2015 Karin Ausstellung Keine Gnade„Keine Gnade auf der Straße - Fotoarbeiten 1992 und 2015“ ist der Titel einer Fotoausstellung von Karin Powser, die am Montag, den 09.11.2015 um 12:00 Uhr in Berlin vor Beginn der Bundestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe zum Thema „Solidarität statt Konkurrenz – entschlossen handeln gegen Wohnungslosigkeit und Armut“ im Best Western Premier Hotel MOA Berlin (Stephanstraße 41, 10559 Berlin) im Beisein der Fotografin eröffnet wird.

In einer Installation aus Bauzäunen, Kabelbindern, LKW-Planen und Euro-Paletten werden Fotoarbeiten zum Thema Obdachlosigkeit gezeigt, die 1992 und 2015 - teilweise an identischen Orten - in Berlin entstanden sind. Dargestellt werden unterschiedliche Aspekte und Facetten des Lebens ohne eigene Wohnung, aber auch konkrete Menschen und typische Situationen. Die Ausstellung ist als Wanderausstellung konzipiert und kann auch draußen gezeigt werden.

Karin Powser - selbst ehemals obdachlos („Das trostlose Leben der Karin P.) - ist als Fotografin und Kolumnistin freie Mitarbeiterin beim Straßenmagazin Asphalt und lebt in Hannover. Die grafische Gestaltung besorgte Ryn Shaparenko, für die Konzeption zeichnet Dr. Stefan Schneider verantwortlich.

Die Ausstellung wird u.a. gefördert durch das Diakonische Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen e.V. (DwiN) und den Förderverein der Wohnungslosenhilfe in Deutschland e.V.

Eröffnung der Ausstellung
Montag, 09. November 2015, 12:00 – 13:00 Uhr
Best Western Premier Hotel MOA Berlin
Stephanstraße 41
10559 Berlin

Ausstellungskatalog erscheint voraussichtlich im Februar 2016.

Kontakt, weitere Informationen zur Eröffnung und zur Ausstellung,
Anfragen für die Wanderausstellung sowie
Vormerkungen für den Ausstellungskatalog
Dr. Stefan Schneider
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+49 – 177 – 784 73 37

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